Konfliktpotenzial am Friedhof

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Die evangelische Friedhofskapelle verfügrt derzeit über keine Kühlungsanlage.

Meinerzhagen - Die Kühlung Verstorbener in Meinerzhagen birgt offenbar Konfliktpotenzial: Nachdem Bestattungsunternehmer Theo Eckmann seine Pläne für den Umbau der einstigen Neuapostolischen Kirche – inklusive Kühlung – vorgestellt hatte, hinterfragte SPD-Ratsherr Rolf Puschkarsky im Bau- und Vergabeausschuss die Ansiedlung am Hubertusweg.

Von Frank Zacharias

Daraufhin folgte eine kritische Reaktion Eckmanns (MZ von Montag), in der er die fehlende Kühlung in der Kapelle des Evangelischen Friedhofs bemängelte. Auf Anfrage der MZ reagierte Puschkarsky am Montag auf die Gegenkritik des Bestattungsunternehmers.

„Ich wollte von der Verwaltung nur eine Antwort darauf haben, ob eine Nutzung des Gebäudes an dieser Stelle im Wohngebiet unproblematisch ist. Diese Frage muss mir doch erlaubt sein“, so Puschkarsky, der als Kommunalpolitiker – anders als Theo Eckmann – keinen Interessenskonflikt zu seiner beruflichen Tätigkeit erkennt, denn: „Ich bin für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Kreiskirchenamt angestellt, nicht im Friedhofsverband“, betont der SPD-Ratsherr, der sich in der Abstimmung über das Projekt seiner Stimme enthalten hatte.

Dass es durch das geplante Angebot von Abschiedsraum, Trauerhalle und Kühlanlage zu einer besonderen Konkurrenzsituation in Meinerzhagen komme, räumte Rolf Puschkarsky ein. „Dieser Konkurrenz muss man sich aber stellen und sich etwas einfallen lassen.“ Dass die Friedhofskapelle über keinerlei Kühlung für die Verstorbenen verfügt, sieht der Sprecher des Kreiskirchenamts unkritisch. „Die Räume sind ja leicht in den Hang gebaut und ohnehin kühl. Im Fall besonders warmer Tage haben wir aber auch schon einmal mobile Kühlgeräte aufgestellt“, so Puschkarsky. Deren Einsatz sei allerdings nur selten notwendig, ergänzte Detlev Trester vom Friedhofsverband am Montag im Gespräch mit der MZ. Auch ohne separate Kühlanlage werde die für die Aufbewahrung angestrebte Raumtemperatur von maximal 15 Grad Celsius im Regelfall nicht überschritten.

„Wenn man über die Anschaffung einer Kühlanlage nachdenkt, muss man auch immer die Verhältnismäßigkeit im Auge behalten“, mahnte Trester mit Blick auf die Refinanzierung und den eventuell notwendigen Gebührenaufwand. Er kann sich an lediglich zwei Tage der vergangenen vier Jahre erinnern, an denen die Temperatur kritisch gewesen sei. Und doch wolle der Friedhofsverband nun auch in Meinerzhagen diesbezüglich investieren: In den kommenden Monaten soll eine Kühlanlage mit Plexiglasdeckel angeschafft werden, in dem ein Verstorbener auch aufgebahrt werden kann. „Erst wenn die Angehörigen sich verabschieden wollen, wird die Kühlung abgeschaltet und der Deckel abgenommen“, erklärt Trester, der diese Investition aber nicht als Antwort auf die Pläne am Hubertusweg verstanden wissen will. Zuletzt habe der Friedhofsverband zwei solcher Anlagen für Plettenberg gekauft. Kostenpunkt jeweils: etwa 6500 Euro.

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