„Frischzellenkur“ für ein Kleinod

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Detlev Trester ist technischer Leiter des Friedhofsverbandes. Auch er freut sich über die Renovierung der kleinen Kapelle.

Meinerzhagen - Es gibt erstaunliche Geschichten in Meinerzhagen, an die sich nur noch wenige Bürger erinnern. Eine erzählt von einem Bauwerk, das sich den Blicken der Betrachter weitgehend entzieht: der Kapelle im hinteren Bereich des evangelischen Friedhofes an der Heerstraße.

Von Jürgen Beil

Das Gebäude wurde im Jahr 1951 gebaut. Anfang der 70-er Jahren erhielt das Bauwerk dann als Erweiterung eine Sargkammer. Was es damit auf sich hatte, weiß Helmut Benninghaus, der sich sehr für das Gebäude interessiert und schon 1957 eine Abhandlung darüber verfasste: „Nach dem Bau der Autobahn 45 gab es die Auflage, einen solchen Raum anzubauen. Er war gedacht zur Unterbringung von Toten nach Massenunfällen auf der neuen Schnellstraße.“ Doch damit nicht genug: Im Untergeschoss der Kapelle gab es sogar zusätzlich einen pathologischen Untersuchungsraum. Benninghaus weiß: „Dort sollten die Opfer dann einer ersten Untersuchung durch Fachleute unterzogen werden.“ In Anspruch genommen wurden im Laufe der Jahrzehnte weder Sargkammer noch Untersuchungsraum – heute gibt es beides nicht mehr. Benninghaus: „Inzwischen wäre das Klinikum Hellersen zuständig. Dorthin würden die Opfer von Massenunfällen heutzutage transportiert.“

Lange fristete die hübsche Friedhofskapelle ein „Dasein“ im Verborgenen. Lediglich bei Beerdigungen wurde und wird das kleine Gotteshaus genutzt. Auch im Hinblick auf die vielen Trauergäste erfolgte jetzt eine Renovierung der Kapelle, durchgeführt von Malermeister Gert Seyda aus Meinerzhagen. Die Arbeiten waren auch nötig, denn die Farbe musste dringend aufgefrischt werden. Das Gebäude war außerdem teilweise regelrecht zugewuchert. Und das prächtige Ornament über dem Eingangstor, das den tröstenden Jesus darstellt, bedurfte ebenfalls einer Auffrischung in Form einer gründlichen Reinigung. Die Original-Farben blieben dabei erhalten.

Detlev Trester, technischer Leiter des Friedhofsverbandes, ist seit Januar 2007 sowohl für den Friedhof als auch für die darauf stehende Kapelle verantwortlich. Damals wechselte die Zuständigkeit für die Anlage an der Heerstraße von der evangelischen Kirche zum Verband. Trester freut sich nun sehr über das Resultat der Arbeiten: „Die Toilette wurde renoviert, die Fassade angestrichen, das Dach und der Glockenturm ausgebessert. Die Gebäudeteile, die schon etwas zugewachsen waren, haben wir außerdem freischneiden lassen.“ Gert Seyda legt dabei Wert auf eine Feststellung: „Wir haben – wie bei älteren Gebäuden üblich – mineralische Farbe benutzt.“

Rolf Puschkarsky, Meinerzhagener und Öffentlichkeitsreferent des Kirchenkreises Lüdenscheid/Plettenberg, ist vom Gesamtbild der Kapelle und ihrer näheren Umgebung nun ebenfalls angetan: „Es ist schön, dass wir den Trauernden jetzt wieder einen würdigen Rahmen zur Verfügung stellen können.“

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