Islamische Gemeinde bemüht sich um eigenen Friedhof

Ein Friedhof für Muslime

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Muslimischer Friedhhof in Hamm-Herringen: Eine solche Anlage erhofft sich die islamische Gemeinde auch in Meinerzhagen.

Meinerzhagen/Kierspe – Im Jahr 2000 hatte die Islamische Gemeinde Meinerzhagen zwei Todesfälle zu beklagen. Im vergangenen Jahr waren es bereits 19. Die Sterberate steigt, das stellt Osman Batgün seit einigen Jahren fest.

Bestattet wurden die Volmestädter allerdings bislang so gut wie nie in ihrer Heimatstadt, sondern an einem zu Lebzeiten selbst bestimmten Ort in der Türkei. Das soll sich nun ändern. Der Wunsch nach einem eigenen muslimischen Friedhof in Meinerzhagen ist groß. Das wurde zuletzt sehr deutlich, als Bürgermeister-Kandidatin Petra Freudenreich das Islamische Zentrum am Siepener Weg besuchte. In einer offenen Diskussionsrunde war – neben dem geplanten Ausbau der Moschee – vor allen Dingen ein eigener Friedhof Thema. Freudenreich versprach zu helfen – und das stellvertretend für die ganze SPD-Fraktion im Stadtrat und den heimischen SPD-Ortsverein. 

Osman Batgün ist selbst SPD-Mitglied. Er berichtet, dass ein Muslim aus Meinerzhagen, der mit einer deutschen Frau verheiratet war, auf dem Kiersper Friedhof bestattet wurde. Ein anderer Muslim aus der Volmestadt habe den Wunsch geäußert, in Deutschland bestattet zu werden. Das sei dann auf dem Friedhof in Köln passiert, erinnert sich Batgün. Alle anderen Verstorbenen seien aber in die Türkei überführt worden, berichtet er. 

Versicherung beim Ditib-Dachverband

Batgün erläutert die gängige Praxis dabei: „Muslime schließen beim Ditib-Dachverband, also der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, eine Versicherung ab. Die Ditib erledigt dann im Todesfall alles für die Familie des Verstorbenen. Das beinhaltet das Besorgen der nötigen Papiere und die Organisation der Überführung samt Bestattung.“ Für etwa zwei Wochen war der Transport von Verstorbenen zuletzt allerdings gar nicht möglich. „Die türkischen Fluggesellschaften haben sich in der Zeit, in der sich das Virus noch sehr stark verbreitet hat, geweigert, solche Transporte durchzuführen. In dieser Phase habe ich gebetet, dass niemand aus unserer Gemeinde stirbt. So schlimm das ist: Dann hätten wir auch ein logistisches Problem gehabt. Aber alles ist gut gegangen“, blickt Osman Batgün zurück. 

Zurück zu den Plänen für einen eigenen muslimischen Friedhof in Meinerzhagen. Wie weit sind die Planungen in der Islamischen Gemeinde in diesem Punkt gediehen? Das Grundstück ist ausgesucht, seine Lage wird noch nicht verraten. Die Vorarbeiten sind im Prinzip abgeschlossen. Der Stadt Meinerzhagen wurden die Planungen bereits präsentiert. Und auch ein Bodengutachten, so Batgün, sei erstellt worden. Der Gutachter habe erklärt, dass es keine Probleme gebe.

Bestattung in Tüchern

„Jetzt müssen die zuständigen Behörden entscheiden. Und auch eine politische Entscheidung ist nötig, der Stadtrat muss sich also damit befassen“, beschreibt Batgün die nächsten Schritte. Ein Vorteil: Eine Änderung des Flächennutzungsplanes ist wohl nicht erforderlich. Grundsätzlich, so Batgün, sei es in Nordrhein-Westfalen auch gestattet, Beerdigungen ohne Särge durchzuführen. „Unsere Verstorbenen werden in Leichentücher gehüllt und so bestattet. Feuerbestattungen sind hingegen nicht erlaubt. Geplant wird der Friedhof dann für Meinerzhagen, Valbert und Kierspe – vorausgesetzt, es gibt ein entsprechendes Votum des Stadtrates“, erläutert Osman Batgün.

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