Als „Friedensstifter“ am anderen Ende der Welt

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Pastor Friedrich Tometten präsentierte unter anderem die „Säge“ eines Rochen.

MEINERZHAGEN – Wunderschöne Trophäen wie ein präpariertes Krokodil-Junges oder die „Säge“ eines Rochen, dazu Kunstwerke der Natur in Form von riesigen Schneckenhäusern, feingearbeitete Netze oder als Harnisch taugliches Lianen-Flechtwerk, Bogen und Pfeile, aber auch Schmuck und Kultiges vom anderen Ende der Welt. Von Erna Schmidt

All dies diente jetzt als Ambiente im evangelischen Gemeindehaus am Inselweg. Präsentiert wurde es von Pastor Friedrich Tometten, der im vormals deutschen Kolonialgebiet und dort in der mittlerweile autonomen Provinz Papua sozusagen eine halbe Pfarrstelle innehat.

Für mehrere Monate im Jahr ist Tometten im Auftrag der VEM (Vereinte evangelische Mission) im tropischen Regenwald der Hochgebirgsregion vor Ort, um gemäß dem Programm „Licht in jede Hütte“ zu bringen. Neben Einheimischen begleiten ihn mitunter auch Familienmitglieder; die beiden jüngsten Missionarssöhne wurden im Urwald geboren. Denn neben dem auf dem jedem Blätterdach zu installierenden Solar-Modul, ohne das „keine Glühbirne leuchtet über dem abendlichen Palaver in den Hütten“, gehört die „Verbreitung der christlichen Botschaft“ als „ganzheitliche Aufgabe“ zum Auftrag. Ziel dieser Bemühungen sind die Papua als Eingeborene, eine Vielzahl rassisch und sprachlich verschiedener Naturvölker.

„In hohem Maße faszinierendes Leben“ in den Dorfgemeinschaften

„Die Reise ist beschwerlich, und es dauert trotz Flugverbindungen mitunter eine Woche, bis wir ankommen“, erzählte Tometten und machte dies anhand von Filmmaterial anschaulich. Von spektakulären Exkursionen und einem „in hohem Maße faszinierenden Leben“ in den Dorfgemeinschaften, fernab jeglicher Zivilisation, berichtete der Pastor mit dem Faible für Exotisches. Seit seinem 13. Lebensjahr habe er den Wunsch gehabt, als „Friedensstifter“ in diese damals noch von Kannibalismus geprägte Region zu gehen. Auch heute führt weder Weg noch Steg dorthin, und nur mit Einsatz der Machete geht es mühsamst voran, Steilhänge hinauf und hinab und auf Lianen-Hängebrücken über Wildwasser.

Neben der Ausrüstung sind immer etwa 40 Solarlampen, Alu-Bleche, Technik sowie Medikamente und Lernmittel als Mitbringsel im Gepäck. Letztere kommen bei den Analphabeten als Comic-Reihen zur Geltung, wenn sie etwa biblische Geschichten, begleitet von eigenen Gesängen, aufführen. „Wie bei den Passionsspielen in Oberammergau“, zieht Tometten den Vergleich. Die Unterstützung werde von der einheimischen Kirche gewünscht. Die VEM-Mitarbeiter engagierten sich darüber hinaus in Menschenrechts-, Friedens- und Umweltfragen und bekämpften die Ursachen wirtschaftlicher Ausbeutung.

„Die größten Goldvorkommen der Welt lagern in Papua, in Kupferminen werden pro Tag 300 000 Tonnen Kupfererz gefördert, und durch den Flächenbedarf zur Palmöl-Erzeugung wird je Minute Urwald von der Größe zweier Fußballfelder abgeholzt“, so Tometten. Das scheint für die im Film gezeigte barfüßige Dorfbevölkerung noch weit entfernt. Andere Segnungen der Zivilisation sind bereits angekommen: die ganze Palette der Altkleidersammlungen, Gummistiefel, Jogginghosen, Baseball-Kappen; Plissee- neben Bastrock, Jackett und Shirt neben dem nackten Alten mit traditonellem Kopfputz und in aufrechter Stellung fixierter Penis-Hülse. Im feuchttropischen Klima lagert ein Sammelsurium von Medikamenten, von der Blisterpackung bis zum Ein-Kilo-Gebinde, ungeschützt in Kartons. Aids ist auf dem Vormarsch. Aufklärung und Entwicklungsarbeit sollen helfen.

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