Teilnahme an Klima-Demos am Evangelischen Gymnasium kein Thema

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Beinahe weltweit wird inzwischen freitags protestiert. 

Meinerzhagen - Freitags wird demonstriert. Schüler stehen auf gegen den Klimawandel, inzwischen in ganz Europa. „Fridays for Future“ lautet das Motto. Hat die „Welle“ inzwischen auch Meinerzhagen erfasst?

Gehen auch Schüler des Evangelischen Gymnasiums gegen Umweltverschmutzung auf die Straße? Offiziell nicht. Die Demos, ins Leben gerufen von der 16 Jahre alten schwedischen Schülerin Greta Thunberg, finden viel Anerkennung. Dass junge Menschen sich für einen Wandel in der Klimapolitik einsetzen, kritisiert kaum jemand. Aber: Bitte nicht während der Schulzeit. Das jedenfalls ist offizieller Standpunkt des zuständigen Ministeriums. 

Darauf verweist auch der Schulleiter des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen Sven Dombrowski. Er sagt: „Ich kann die Schüler freitags für die Teilnahme an den Demonstrationen nicht offiziell vom Unterricht befreien. Das ist halt so. Wir handeln da gemäß der Erlasslage.“ Ob Freitag nun aber tatsächlich keine EGM-Schüler zu Demos beispielsweise nach Köln oder Iserlohn fahren, das kann Dombrowski dennoch nicht mit Sicherheit sagen. „Wir haben freitags jedenfalls keinen signifikanten Anstieg bei Krankmeldungen“, hat er festgestellt. Dass sich über dieses Hintertürchen nicht doch der ein oder andere Schüler die Teilnahme an einer Demo ermöglicht, sei indes nicht auszuschließen, sagt der Schulleiter.

Dombrowski hat allerdings bei seinen Schülern auch noch kein gesteigertes Interesse festgestellt, freitags an Demos teilzunehmen. Die Schülervertretung jedenfalls sei noch nicht an die Schulleitung herangetreten, um dieses Thema zu besprechen. Die von Greta Thunberg initiierten Aktionen seien aber durchaus im Unterricht behandelt worden: „In einem Kurs des Abiturjahrgangs haben wir das diskutiert.“ 

Katrin Nikolaus ist – gemeinsam mit Laura Töws – Schülersprecherin am Evangelischen Gymnasium. Die 17-Jährige bestätigt, dass es am EGM offiziell noch keine Bemühungen gab, an Klima-Demos teilzunehmen. Sie begrüßt die Protestaktionen grundsätzlich, schränkt aber ein: „Dafür die Schule sausen zu lassen, das geht für mich am Sinn des ganzen Themas vorbei.“ Aus der Schülerschaft sei auch noch niemand an sie herangetreten, um über die Möglichkeiten einer Demo-Teilnahme zu sprechen. 

Ist das EGM also eine relativ „unpolitische“ Schule? „Das Interesse an Politik ist bei uns schon vorhanden, einzelne Schüler engagieren sich auch. Wir haben zum Beispiel auch den Düsseldorfer Landtag besucht, das ist bei den Schülern gut angekommen. Meinerzhagen ist aber sicherlich nur ein Dorf – und manche denken da wahrscheinlich auch, dass man hier nicht gehört wird“, so Katrin Nikolaus.

Der Umgang mit den Demonstrationen während der Schulzeit ist an heimischen Einrichtungen durchaus unterschiedlich. Am Burggymnasium (BGA) in Altena beispielsweise, einer Schule die ähnlich groß ist wie das EGM, lassen am Freitag mehr als 30 Schüler den Unterricht sausen und fahren zur Demo nach Iserlohn – und das mit Wissen der Schulleitung. Dort hatten die 15-jährige Amelie Werner und der 17-jährige Schülersprecher Daniel Schulte die Idee, dass nur die Besten der Schule während der Schulzeit „Flagge zeigen“ und demonstrieren. „Da wird deutlich, dass es uns keineswegs darum geht, Unterrichtszeit ausfallen zu lassen. Alle, die am Freitag mit nach Iserlohn zur Kundgebung fahren, sind nicht nur gute Schüler, sie sind auch bereit und haben erklärt, die versäumten Stunden selbstständig nachzuholen und nachzuarbeiten.“ 

BGA-Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper hat die Diskussion im Land und Europa „natürlich verfolgt.“ Und er kennt ganz genau die Vorgaben der „Politik“ und des Schulministeriums NRW, das von „unentschuldigtem Fehlen“ spricht, wenn junge Leute freitags auf die Straße gehen, um für ihre Zukunft zu demonstrieren. Holtkemper lobt seine Schüler dennoch: „Ich bin stolz auf die Besten unserer Schüler, die stellvertretend für alle 920 Kinder, die unsere Schule besuchen, das Klima zum Thema machen und bereit sind, die Schulstunden nachzuholen.“

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