Freundeskreis leistet Hilfe beim Helfen

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Die psychische und seelische Geborgenheit der Patienten – auch das ist es, was der Förderkreis mit seinem Engagement fördern möchte.

Meinerzhagen - Pflegekräfte haben keinen einfachen Job. Sie stehen oft unter Druck, zeitliche Vorgaben des Medizinischen Dienstes für die unterschiedlichen „Arbeiten am Patienten“ regeln längst ihren beruflichen Alltag. Sechzig Sekunden bis drei Minuten fürs Kämmen, 15 bis 20 für das Duschen des Hilfebedürftigen – und so weiter.

Von Jürgen Beil

Persönliche Gespräche sind zwar noch möglich, doch nicht immer ist der zwischenmenschliche Kontakt in einem Umfang möglich, wie Pflege-Fachkraft und Patient das vielleicht möchten.

Die Pflegerinnen der Diakoniestation Meinerzhagen sind da oft in einer glücklicheren Situation. Denn: In der Volmestadt unterstützt der Freundeskreis Diakoniestation Meinerzhagen-Kierspe die von Sigrid Baukloh-Becker geleitete Einrichtung. Zurzeit etwa 10 000 Euro stellt diese Vereinigung der Diakoniestation jährlich zur Verfügung. Geld, das in Meinerzhagen Zeit schenkt – um zum Beispiel einfach einmal zehn Minuten zuhören zu können.

Doch auch der Freundeskreis ist nicht frei von Sorgen. Vorsitzender Erhard Pierlings und seine Vorstandskollegen Willi Raudschus, Peter Menzel und Gudrun Weiß beobachten seit einiger Zeit einen kontinuierliche Mitglieder-Rückgang. 1996, im Gründungsjahr, waren es noch 140 Mitglieder, inzwischen ist deren Zahl auf etwa 90 gesunken. Für den ehemaligen Meinerzhagener Bürgermeister ist das kein Grund zur Resignation: „Wir werden weitermachen. Doch es ist vielleicht an der Zeit, die Vorstandarbeit etwas zu intensivieren.“ Pierlings möchte versuchen, den Freundeskreis wieder ein wenig mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken und neue Mitglieder zu werben. „Damit wir dem demografischen Wandel entgegenwirken. Denn auch bei uns ist es so, dass wir viele Mitglieder durch Todesfälle verlieren. Uns geht es um die psychische und seelische Geborgenheit der Betroffenen und ihrer Angehörigen.“ Pierlings betont in diesem Zusammenhang, dass es auf dem Pflege-Sektor natürlich Konkurrenzkampf gebe. „Wir unterstützen die Diakoniestation Meinerzhagen auch nicht aus reiner Zuneigung, sondern weil wir von der Qualität der hier geleisteten Arbeit überzeugt sind“, erläutert er auch im Namen seiner Vorstandskollegen.

Pflegedienstleiterin Sigrid Baukloh-Becker ist sehr dankbar für die Unterstützung durch den Freundeskreis. Ihre Diakoniestation mit Sitz an der Kirchstraße 17 ist eine von 18, die im „Evangelischen Pflegedienst Mark-Ruhr“ zusammengeschlossen sind. In Meinerzhagen hat sie beobachtet, dass das Spendenaufkommen kontinuierlich gesunken ist. „Früher bekamen wir zum Beispiel häufiger Geld für unsere Arbeit aus Geburtstagsspenden oder von Patienten, die uns als Empfänger aussuchten, bevor sie verstarben. Das hat sich geändert.“ Dennoch ist die Chefin froh, dass es auch dem Einsatz des Förderkreises zu verdanken ist, dass diakonische Leistungen erbracht werden können, die nicht mit der Pflegekasse abgerechnet werden können. „Gespräche mit und Beratungen von Angehörigen zum Beispiel. Und einmal haben wir einer recht hilflosen Frau geholfen, die gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden war und in ihrer Wohnung so eine Art erste Hilfe geleistet. Und wenn es nur Arbeiten sind wie das Aufhängen von Gardinen oder der Austausch von Glühbirnen.“

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