16. Jomendorf-Treffen in Meinerzhagen

Mit einem Gottesdienst, den Pastor Myrda zelebrierte, wurde das Jomendorf-Treffen eröffnet.

MEINERZHAGEN ▪ „Sieh mal, das ist das Haus in dem ich geboren wurde“, rief ganz erfreut ein Besucher des Jomendorf-Treffens am Samstagmittag in der Stadthalle Meinerzhagen und zeigte dabei seiner Ehefrau das Foto mit seinem Geburtshaus. So wie ihm, dürfte es an diesem Tag vielen Gästen ergangen sein. Hier das Wiederfinden vertrauter Menschen, Gebäude oder Landschaften auf Fotos und dort alte Nachbarn leibhaftig.

Es ist das 16. Jomendorftreffen, welches Helga und Herbert Monkowski sowie seit Kurzem auch die Vorsitzende Ewa Schmidt-Bünger in Meinerzhagen organisiert haben. 1982 trafen sich die „Freunde des Kirchspiels Groß Bertung“, wie sich der Verein um das alle zwei Jahre stattfindende Treffen nennt, zum ersten Mal. Auch wenn viele der Anwesenden bereits zum Ende des Krieges ihre alte Heimat verlassen hatten, viele junge „Jomendorfer“ waren dennoch unter ihnen. Sie sind größtenteils in der Dorfgemeinschaft Jomendorf geboren, später, Anfang der 80er-Jahre dann nach Deutschland gekommen. Bindeglied zwischen der Dorfgemeinschaft ist die Jomen-Post, eine Dorfzeitung, die mittlerweile eine Auflage von derzeit 1300 Exemplaren hat und auf fast 300 Seiten Informationen der ehemaligen, wie auch derzeitigen Bewohner des Dorfes Jomendorf und des Kirchspiels Bertung wiedergibt.

Im Mittelpunkt des am vergangenen Samstag stattgefundenen Treffens war jedoch die Begegnung mit alten Nachbarn und dem Kennenlernen der letzten Generation, die erst vor gut 30 Jahren nach Deutschland gekommen ist. Datenforscher Gerhard Glombiewski war ein vielgefragter Mann, da auf seinem Computer viele Jomendorfer mit ihren Verwandschaftslinien und -graden abgespeichert waren und so die Besucher sich Auskünfte holen konnten.

Alte Fotos und Zeitungsausschnitte auf Tafeln, Fotos jüngerer Treffen in Jomendorf oder Reußen und auch Fotos früherer Jomendorftreffen konnten sich die Gäste in Ruhe ansehen.

Eröffnet wurde das Treffen traditionsgemäß mit einem Gottesdienst, den Pastor Gregor Myrda als Bistumsbeauftragter für Aussiedlerseelsorge zelebrierte. Eingeläutet wurde der Gottesdienst mit dem Erklingen der alten Jomendorfer Dorfglocke, die zusammen mit den Flüchtlingen nach Westdeutschland gekommen ist und nun dem Verein „Freunde des Kirchspiels Groß Bertung“ gehört.

In seiner Predigt ging Pastor Gregor Myrda auf die Schicksale der Vertriebenen ein. „Wir sind Menschen zwischen zwei Welten, Menschen auf der Pilgerschaft“, beschrieb er ihre Situation.

Als Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzender der CDU und als Pressesprecher des Bundes der Vertriebenen erhielt Axel Oehm nach dem Gottesdienst das Wort und fragte in die Runde, warum gerade die Deutschen östlich der Oder-Neiße vertrieben wurden und nicht die Rheinländer. „Die Erlebnisgeneration wird es wissen“, klärte er auf. „Die Forderung, alle Deutschen östlich einer Linie Stettin-Triest zu vertreiben wurde bereits 1848 auf dem ersten Slavenkongress in Prag erhoben.“ Nur wer die Vergangenheit kenne, könnedie Zukunft gestalten. Und so freuten sich Axel Oehm und Herbert Monkowski gemeinsam mit allen Anwesenden, dass es nun in Meinerzhagen einen Jomendorfweg gibt, der Richtung Osten weise, der Heimat entgegen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare