Jugendherbergen in der Krise

Optimistischer Blick nach vorne - trotz Corona 

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Im Haus am Ebbehang kehrten seit März keine Gäste mehr ein und Buchungen mussten aufgrund der Corona-Pandemie storniert werden. Betreiber Detlef Zisick schaut aber zuversichtlich Richtung 2021 und hat die freie Zeit für Renovierungen genutzt.

Meinerzhagen - Klassenfahrten fielen aus. Freizeiten lange Zeit ebenso. Für Jugendherbergen hat das Folgen: Rund die Hälfte der 29 Herbergen in Westfalen bleiben vorerst geschlossen, beispielsweise auch die älteste auf der Burg Altena.

In Meinerzhagen gibt es zwar keine Jugendherberge mehr, dafür in der Umgebung aber Freizeithäuser, die natürlich ebenfalls von der Corona-Pandemie betroffen sind. 

Das Käte Strobel-Haus liegt versteckt am höchsten Berg der Homert im Oberbergischen Land, ist aber von Meinerzhagen trotz seiner abgelegenen Lage schnell zu erreichen. Viele Schulklassen aus der Volmestadt, insbesondere der Grundschulen, haben dies in der Vergangenheit für Klassenfahrten schon genutzt. Das weiß auch Wilhelm Schluckebier zu berichten. Der Vorsitzende des Vereins Familien-Ferienzentrum Lieberhausen und sein Team haben seit dem Frühjahr allerdings ein anderes Bild im Haus. Keine tobenden Kinder, die die Spielplätze in Beschlag nehmen oder sich im Schwimmbad vergnügen, keine Chöre, die an Probenwochenenden ihre Stimmen trainieren. Statt dessen Stille. Wochenlang.

Rettungsschirm sichert die Existenz

„Von heute auf morgen kam der Umschwung“, erinnert Schluckebier an den Monat März, wo alles „runter gefahren“ werden musste. „Ohne die Liquidationshilfe des Landes hätten wir nicht überleben können“, steht für den Vorsitzenden fest. „Der Rettungsschirm hat uns gerettet.“ Wilhelm Schluckebier kann die Einbußen auch anhand von Zahlen belegen. Ein Umsatz in Höhe von 820 000 Euro sei für das laufende Jahr prognostiziert worden und galt schon fast als gesichert. Durch Corona gab es einen Einbruch in Höhe von 85 Prozent. Dass das Käte Strobel-Haus ein Familienferienzentrum mit entsprechenden Angeboten ist, betrachtet Schluckebier als Vorteil gegenüber Jugendherbergen. „Trotzdem sind die Familien jetzt erst einmal alle an der Nordsee“, glaubt er. Dass die Nähe zur Bigge mal „gezogen“ habe, „das war mal“. Wenn sich sonst normalerweise 80 Gäste im Haus aufhalten können, seien es jetzt vielleicht zehn. Trotzdem sei es wichtig, den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Der Vorsitzende des Betreibervereins hat das nächste Jahr im Blick und bleibt optimistisch: „80 Prozent unserer Kunden sind Wiederholungstäter, Schulen ebenso wie kirchliche Vereinigungen. Fürs nächste Jahr haben sie bereits gebucht.“ Auch der Eigentümer habe versichert, das Haus erhalten zu wollen und plant mit Investitionen. 

Investiert hat auch Detlef Zisick in das Haus am Ebbehang in Valbert, nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit. „Wir haben die letzten Wochen genutzt, um alles noch mehr zu verschönern. Die Einrichtungen der Zimmer, die wir 2014 renoviert haben, wurden erneuert, der Standard konnte so gehoben werden. Auch im Außenbereich gab es Erneuerungen.“ Ohne Corona hätte man die Renovierungen mangels Zeit vermutlich nicht geschafft.

Seit März keine Gäste

Ohne Corona wäre das Freizeithaus allerdings auch stets gut besucht gewesen. Seit März blieben die Gäste fern. Stattdessen gab es Stornierungskosten in Höhe von 117 000 Euro. „Schulen oder Orchester, die seit Jahren kommen, mussten absagen.“ In den Ferien werde das Haus vor allem von christlichen Gruppen als Selbstversorgerhaus genutzt. „Auch das ist weggebrochen. Es gab einfach Rieseneinbrüche.“ Umso bedauerlicher sei dies alles, da die Planungen für das Jahr 2020 bereits zu Beginn vielversprechend waren: „Es ging volle Pulle los“, erinnert Zisick, der auch mit dem Verlauf der Jahre zuvor mehr als zufrieden ist. 

„Im Jahr 2019 hatten wir fast 10 000 Übernachtungen. Seitdem wir 2014 angefangen haben, haben wir uns kontinuierlich gesteigert. Angefangen haben wir mit 2700 Übernachtungen“, zählt er auf. Auch für das nächste Jahr bleibt Detlef Zisick zuversichtlich: „Nur noch einen Rückschlag könnten wir nicht verkraften.“ „Wir leben für dieses Haus“ betont der Valberter. „Das ist unser Traum und wir haben noch so viele Pläne und Ideen. Das ist alles lange noch nicht zu Ende.“

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