Jahresbilanz

Rekordjahr! So oft musste die Wehr 2018 ausrücken

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Den Helm an den Nagel hängen? Kaum vorstellbar für die 196 Einsatzkräfte der Meinerzhagener Wehr. Sie wurden im vergangenen Jahr so häufig gerufen wie noch nie.

Meinerzhagen - So viele Einsätze musste die Freiwillige Feuerwehr noch nie in einem Jahr fahren: 268-mal rückten die einzelnen Löschzüge und -gruppen aus. Ein Rekord – der für Wehrleiter Thomas Decker nicht zuletzt mit gesellschaftlichen Problemen zusammenhängt.

Nein, den großen, spektakulären Einsatz mag es im Jahr 2018 nicht gegeben haben. „Und doch“, sagt Feuerwehr-Pressesprecher Christian Bösinghaus, „war es ein Jahr der Superlative.“ Das lag nicht nur an den gleich drei (!) Fahrzeugen, die in Dienst genommen werden konnten. Noch nie in der Geschichte der Meinerzhagener Wehr gab es innerhalb von zwölf Monaten so viele Einsätze. 268 waren es an der Zahl. Ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

Ähnlich arbeitsintensiv war nur das Jahr 2012, als vor allem Unwetter-Einsätze (alleine 110) für einen Anstieg der Einsatzzahl auf 262 sorgten. Doch mittlerweile sind es andere Einsatzarten, die für konstant hohe Zahlen sorgen. 

Schneller Griff zum Telefonhörer

Keine Frage: Im Zweifel ist es besser, einmal zu oft als zu selten die Feuerwehr zu rufen. Doch Wehrleiter Thomas Decker stellt mitunter einen sehr schnellen Griff zum Telefonhörer fest, wenn ein persönlicher Kontakt in der Nachbarschaft eventuell auch geholfen hätte. Was bei der Wehr als „Mensch in Notlage“ verbucht wird, ist nicht immer der lebensrettende Einsatz, sondern kann auch mitunter skurril anmuten. „Da war auch schon mal jemand einfach nur im Keller, während ein Nachbar dachte, die betroffene Person befände sich in einer Notlage“, erinnert sich Christian Bösinghaus. 

Als Ursache für den schnellen Ruf der Feuerwehr macht Thomas Decker den geringeren Zusammenhalt der Gesellschaft aus. „Alles wird individualisierter. Anstatt einfach mal den Kontakt zu einem Nachbarn zu suchen, wird die Feuerwehr gerufen, um die Oma wieder in den Sessel zu heben“, sagt der Wehrleiter – und nennt damit ein Beispiel aus Meinerzhagen, das sich genau so ereignet habe. 

Ölspuren bleiben ein Ärgernis 

Den Großteil der Einsätze machten aber auch im Jahr 2018 die „normalen“ Brände aus. 58 mal musste die Wehr für ihre „Kernaufgabe“ ausrücken, an zweiter Stelle rangieren jedoch gemeinsam mit Unwetter-Einsätzen zwei echte Ärgernisse: Fehlalarme und Ölspuren.

Insbesondere bei Letzteren hätte sich Thomas Decker nach einer landesweiten Ausschreibung für private Reinigungsunternehmen eine größere Entlastung gewünscht. „Eigentlich sollte die beauftragte Firma Landes- und Kreisstraßen auch innerhalb einer Stunde reinigen“, erklärt der Wehrleiter. Das gelinge aber nicht immer – mit der Folge, dass die Wehr so lange zumindest Straßensperren einrichten muss oder, wenn es schnell gehen muss, doch selbst zum Bindemittel greift.

Dank an geduldige Arbeitgeber

Das alles geschieht bekanntlich auf dem Rücken ehrenamtlicher Kräfte. „Wir sind daher umso dankbarer dafür, dass die Arbeitgeber sehr wohlwollend sind“, sagt Thomas Decker, „das ist in anderen Städten auch schon mal anders.“ 

Doch angesichts der steigenden Einsatzzahlen ist er für jeden neuen Feuerwehrmann oder jede neue Feuerwehrfrau dankbar. Immerhin: „Wir liegen seit Jahren stabil bei etwa 190 aktiven Mitgliedern“, sagt Decker – viele davon rekrutieren sich aus der Jugendfeuerwehr, die angesichts der großen Nachfrage auf 40 Mitglieder aufgestockt wird. „Mehr macht keinen Sinn, wenn man ordentlich ausbilden will“, erklärt Christian Bösinghaus. Ein Sonderlob geht dabei an die Jugendwarte, die neben der Arbeit mit den 12- bis 17-Jährigen in ihren Zügen meist noch andere Aufgaben erledigen müssen. 

Dass im vergangenen gleich 20 neue Atemschutzträger durch den Märkischen Kreis ausgebildet werden konnten, habe auch die Situation in diesem Bereich erheblich verbessert, so Bösinghaus. Derzeit verfüge man über 96 Männer und Frauen, die sich mit Sauerstoffgeräten teilweise in größte Gefahr begeben müssen. 

Kein Fackelzug ohne Feuerwehr

Das Jahr 2018: Eines ohne „medienwirksame Höhepunkte“, dafür aber ein grundsolides, in dem die Wehr öfter im Einsatz war als manch einer bemerkt haben dürfte. Ohne die Wässerung entlang der Route hätte der Schützenfest-Fackelzug genauso wenig stattfinden können wie manch ein Punktspiel des frischgebackenen Westfalenligisten RSV Meinerzhagen, der sonst auf verklumptem Geläuf hätte antreten müssen.

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