Volkswirtschaftliche Bedeutung der Jagd

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Forstdirektor Bernd J. Schmitt setzt sich für den Erhalt der Jagd als altem Kulturgut ein. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Mit dem 1. April hat auch wieder ein neues Jagdjahr begonnen. Die Jägerschaft sieht ihm allerdings mit gemischten Gefühlen entgegen. Dass die Bestrebungen von Minister Johannes Remmel (Grüne), das „recht praktikable“ Landesjagdgesetz durch ein sogenanntes ökologisches Jagdgesetz zu ersetzen, Veränderungen bringen werden, befürchtet auch Forstdirektor Bernd J. Schmitt: „Da wird uns mit Sicherheit noch einiges bevorstehen“.

Als Kreisjagdberater, Hegeringleiter und passionierter Waidmann setzt er sich daher vehement nicht nur für den Erhalt der Jagd als altem Kulturgut der Menschheit ein; er argumentiert auch mit ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung. Sein Resümee: „Man muss all denen mit Entschiedenheit entgegentreten, die aus rein ideologischen Gründen die bewährten Traditionen der Jagd und die darauf aufbauende, Tier- und Naturschutz beachtende Jagdgesetzgebung durch unpraktische, bürokratische, nicht finanzierbare und daher für Jäger und Jagdbehörden nicht akzeptable Regelungen ablösen wollen.“

Die rund 350 900 Jagdscheininhaber in Deutschland stellen nur einen geringen Anteil von 0,34 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Durch ihre Revierarbeit erbringen sie jedoch Leistungen, die, so sie anderweitig ausgeführt werden müssten, die Einstellung von 32 000 Berufsjägern erforderten. „Dafür wären dann mehr als 1,3 Milliarden Euro aus Steuermitteln aufzubringen“, rechnet Schmitt vor. An Kosten für Arbeitsplatz, Ausrüstung, Maschinenpark sowie Betriebskosten kämen nochmals zwei Milliarden hinzu. Und die Grundbesitzer als Inhaber des Jagdrechts seien mit jährlich etwa 480 Millionen Euro für entgangene Jagdpacht zu entschädigen. „Wer soll das bezahlen? Der Steuerzahler?“

Die Jäger, deren Einsatz für Jagd und Naturschutz nicht volkswirtschaftlich motiviert ist und auf eigene Kosten erbracht wird, sicherten mit ihrem Bedarf an Fahrzeugen, Werkzeug, Kleidung, Jagdeinrichtungen, Optik und Waffen, Arbeitsplätze in vielen Industriezweigen. Hinzu kämen – neben der eigenen Ausbildung samt Gebühren – noch Hundehaltung und -ausbildung und die finanziellen Aufwendungen für Biotopschutz. Etwa durch die Anlage und Pflege von Hecken, Gehölzinseln, Teichen, Streuobstwiesen und Äsungsflächen; was nicht nur für die jagdbaren, sondern für alle wildlebenden Tiere Lebensraum schafft und erhält.

„Gegenüber den direkt erfassbaren finanziellen Aufwendungen lassen sich die positiven Nebenwirkungen jägerischen Tuns kaum in Zahlen ausdrücken. Der gesunde und stabile Wildbestand, die Artenvielfalt im Revier und die Erhaltung bedrohter Wildarten sind die Wertmaßstäbe, nach denen die Jäger ihre Leistungen erbringen“, stellt Schmitt klar. Und auch dies: „Der geleistete Zeitaufwand ist in der Kostenbilanz noch nicht enthalten; er würde ein noch drastischeres Gesamtbild des volkswirtschaftlichen Faktors ‘Jagd’ zeigen.“

Nicht zuletzt sorgten die Jäger dafür, dass mit gesundem, leckerem Wildbret bestes Fleisch direkt aus dem Revier auf den Tisch komme. Übrigens: Angler sind auch Jäger; nämlich die Fraktion von der „Fischwaid“. ▪ As

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