Emotionale Debatte um den „Offenen Ganztag“

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Der Zukunft des „Offenen Ganztags“ - hier ein Foto aus der Valberter Grundschule - wurde im Schulausschuss diskutiert.

Meinerzhagen – Die Offene Ganztagsschule (OGS) – dieses Thema dominierte in der Sitzung des Schulausschusses. Das lag auch daran, dass sich im Zuhörerraum 15 Besucher eingefunden hatten, die in den „Stunden der Öffentlichkeit“ zu Beginn und am Ende eifrig und emotional mitdiskutierten.

Und eines stellte sich schnell heraus: Die dort versammelten Eltern und Mitarbeiterinnen der OGS-Einrichtungen an den Grundschulen waren nicht einverstanden mit dem, was die Stadt in ihre Beratungsvorlage niedergeschrieben hatte. Es ging vorrangig um die personelle Ausstattung des Offenen Ganztags im Rahmen einer Neuausschreibung der Trägerschaft, die bis jetzt von der Awo ausgeübt wird. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus dem Vorsitzenden des Schulausschusses, einem Vertreter des Jugendamtes, einem Mitglied jeder Ratsfraktion, den Grundschulleiterinnen und einem Vertreter der Verwaltung hatte Folgendes erarbeitet: Im Ganztag (Betreuungszeiten von 11.30 bis 16 Uhr) wird demnach pro Woche eine Fachkraft für 12,5 Stunden beschäftigt, zusätzlich sind 2,5 Stunden im Rahmen einer Leitungsfreistellung vorgesehen. Hinzu kommen 37,5 Stunden einer sogenannten Ergänzungskraft. Die Gruppenstärke liegt zwischen 25 und 30 Kindern. In der Kurzbetreuung (11.30 bis 13 Uhr) sollen drei Ergänzungskräfte für zwei Gruppen mit jeweils 10 bis 25 Kindern eingesetzt werden. 

Außerdem vorgesehen: Die Ferienbetreuung in der OGS wird in den Oster-, Herbst- und Weihnachtsferien durchgängig sichergestellt. In den Sommerferien wird während der ersten und der letzten zwei Wochen eine Betreuung angeboten. 

Eine Mitarbeiterin der OGS Auf der Wahr meldete sich gleich zu Beginn zu Wort und kritisierte, dass die Fachkraftstunden im Vergleich zum augenblicklichen Angebot reduziert worden seien. Die Ergänzungskräfte würden zwar hervorragende Arbeit leisten, sie seien aber nicht dafür ausgebildet. „Das reicht nicht aus“, bilanzierte sie und fügte hinzu: „Es wird viel freiwillige Arbeit geleistet.“ Bei Dienst nach Vorschrift müssten einige Arbeitsgemeinschaften wegfallen. Und in den Ferien sei die Situation noch dramatischer. „Unsere Mitarbeiterinnen leisten das doppelte Pensum. Das ist alles nicht im Sinne der Kinder, es geht zu deren Lasten“, führte sie aus. 

In eine ähnliche Richtung ging auch ein Redebeitrag von Astrid Kahlke (Bündnis 90/Die Grünen). „Was sind uns die Grundschüler wert?“, fragte sie und legte von ihr selbst ermittelte Zahlen vor, nach denen jeder Meinerzhagener Bürger statistisch gesehen nur 3,59 Euro im Jahr pro OGS-Platz aufwenden müsse. Für einen Musikschüler würden hingegen 22 Euro im Jahr bezahlt, für das Freibad 17 Euro. „Hier wird die Geringschätzung des Wertes der pädagogischen Arbeit in der OGS deutlich. Die OGS ist laut Erlass keine Verwahranstalt, sondern hat einen Bildungsauftrag“, bilanzierte Kahlke. Und sie ergänzte: „Wir Grüne sind uns sicher, dass in einer Stadt, in der mal eben für die Villa im Park 10 000 Euro Zuschuss gezahlt werden und beispielsweise für die Reinigung des Stadthallenplatzes mit jährlich 16 800 Euro beziehungsweise bei einer Komplettreinigung mit 25 000 Euro kalkuliert wird, die Kinder dieser Stadt mehr verdient haben, als das Pflicht-Minimum.“ 

Das brachte zunächst Christian Schön (FDP) auf die Palme: Er bezeichnete Kahlkes Ausführungen als „Unverschämtheit“ und begründete das so: „Das Budget wird doch ausgeweitet. Die Arbeitsgruppe hat sehr gute Arbeit geleistet.“ 

Und Thorsten Stracke hatte sogar das Gefühl, dass Stimmung gegen die anderen Fraktionen gemacht werden soll: „Ihre Zahlen sind völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Sie treiben ein falsches Spiel, das die CDU nicht mitmacht.“ 

Fachbereichsleiter Heinz-Gerd Maikranz rechnet in diesem Zusammenhang vor: „2600 Euro werden in Meinerzhagen jährlich in einen Schüler im Ganztag einkalkuliert. Davon sind 1100 Euro Landesmittel, etwa 500 Euro kommunaler Eigenanteil, zirka 600 Euro Elternanteil und 400 Euro eine freiwillige Leistung der Stadt.“ Alles, außer der 1100 Euro-Anteil vom Land und die 500 Euro kommunaler Eigenanteil, seien Investitionen, die nicht verpflichtend seien. „Die Stadt wird rund 100 000 Euro jährlich zusätzlich investieren.“

Dass von der Stadt darüber hinaus allerdings noch mehr Geld für die Schulen in die Hand genommen wird, verdeutlichte Ausschussvorsitzender Udo Kritschker. Er erinnerte daran, dass gut 2 Millionen Euro im Haushalt vorgesehen sind für die neue Kantine und Klassenräume in der Grundschule Auf der Wahr. Und er fügte hinzu: „Das trägt auch den Wünschen der Eltern Rechnung.“ 

Am Ende wurde darüber abgestimmt, die Neuausschreibung des OGS-Angebotes vorzunehmen auf Grundlage des Arbeitskreis-Vorschlages. Bei fünf Gegenstimmen fand sich dafür eine klare Mehrheit. Die CDU-Mitglieder des Ausschusses stimmten unter Vorbehalt zu, sie verwiesen auf ihre bevorstehende Haushaltsklausur-Tagung. Nun muss der Rat entscheiden.

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