Sturmtief Manni hinterlässt Spur der Verwüstung

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Revierleiter Herbert Röttger vom Forstbetriebsbezirk Meinerzhagen steht hier an einer betroffenen Waldfläche nahe der Bahnstrecke nach Marienheide zwischen Genkel und Güntenbecke. Hier soll demnächst mit Buchen wiederaufgeforstet werden.

MEINERZHAGEN -  Das Sturmtief namens „Manni“ entlud sich am 20. Juni dieses Jahr über dem Stadtgebiet von Meinerzhagen kurz, aber umso heftiger. Zwischen 13 und 13.20 Uhr stürmte, blitzte, hagelte und regnete es, als wollte die Welt untergehen.

Von Horst vom Hofe

Am helllichten Tag wurde es vorübergehend nachtdunkel. Allein über Nordrhein-Westfalen wurden an diesem Tag 13 280 Blitzeinschläge registriert. Mit den Folgen dieses Unwetters hat der für den Forstbetriebsbezirk Meinerzhagen zuständige Forstbeamte Herbert Röttger immer noch zu tun.

Bilder vom Unwetter

Verletzte und Sturmschäden zu beklagen

Die ersten Anruf von betroffenen Waldbesitzern erreichten Röttger noch in seinem Urlaub. Was er da hörte, ließ ihn zunächst an ein ähnliches Schreckensbild wie nach dem Jahrhundertorkan „Kyrill“ vom Januar 2007 denken. „Ganz so schlimm ist es diesmal aber gottseidank nicht gekommen“, kann er nach längst erfolgter gründlicher Schadensaufnahme und bereits weit vorangeschrittener Aufräumarbeiten in den heimischen Wäldern heute feststellen.

„Kyrill“ hatte allein im Stadtgebiet von Meinerzhagen für den Anfall von insgesamt rund 10 000 Festmetern Sturmholz gesorgt. Diesmal dürften es nach Röttgers Einschätzung etwa 4000 Festmeter werden. Im Bereich des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland mit Sitz in Lüdenscheid, dessen Einzugsgebiet in etwa identisch mit dem Märkischen Kreis ist und zu dem rund 56 000 Hektar Waldgebiet gehören, dürften am 20. Juni 2013 zwischen 15 000 und 18  000 Bäume vom Sturm umgeworfen worden sein.

Weil dem Unwetter diesmal eine längere Trockenphase vorangegangen war, wurden diesmal die wenigsten Bäume mitsamt Wurzelballen umgeworfen. Vielmehr sorgte der wirbelnde und teilweise orkanartig blasende Wind dafür, dass ganze Baumkronen abgedreht wurden, massive Bäume regelrecht zerrissen wurden. „Das macht jetzt die Durchforstung umso problematischer“, so Förster Röttger. Neben der erhöhten Unfallgefahr für die eingesetzten Waldarbeiter, lässt sich das Holz auch wegen dieses besonderen Schadensbildes nicht immer stammweise aufarbeiten.

Das viele Splitterholz kann nur als minderwertigeres Industrieholz, zum Beispiel für die Herstellung von Spanplatten oder auch für die energetische Verwertung als Hackschnitzel verwertet werden. Rund 10 bis 15 Prozent beträgt der Anteil dieses Holzes im konkreten Fall. Hinsichtlich der Vermarktung besteht, anders als zunächst in den ersten Wochen und Monaten nach „Kyrill“, derzeit absolut kein Problem. „Die Sägewerke in der Region nehmen uns das Holz sozusagen mit Kusshand ab“, erklärt Revierleiter Röttger.

Hintergrund ist, dass ein vom Landesbetrieb Forst und Wald NRW seinerzeit mit einem österreichischen Großabnehmer abgeschlossener Vertrag nach wie vor große Lieferverpflichtungen auslöst. Im Wege einer richterlichen Vergleichsvereinbarung konnte immerhin erreicht werden, dass das Holz aus Wäldern im Privatbesitz nicht mehr in diese Lieferverpflichtung einbezogen wird, sondern regional vermarktet werden kann. Ansonsten wären wohl viele der großen holzverarbeitenden Betriebe in NRW in eine Existenz bedrohende Lage geraten.

Der Marktsituation geschuldet, kann für Rundholz derzeit ein recht attraktiver Preis von über 100 Euro je Festmeter erzielt werden. Das ist auch für die insgesamt immerhin rund 350 privaten Waldbesitzer im Stadtgebiet von Meinerzhagen sehr erfreulich. Noch etwa drei bis vier Wochen Zeit dürfte ins Land gehen, bis die Aufräumarbeiten in den betroffenen Beständen abgeschlossen sind. Die größten Schäden konzentrieren sich dabei auf die Bereiche Gräfingsholz, Genkel und Güntenbecke. -

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