Borkenkäfer werden munter: Das große Krabbeln beginnt bereits

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Der bisherige Winter konnte der Borkenkäfer-Population offensichtlich nicht viel anhaben.

Meinerzhagen - Unglaublich, aber wahr: Sie krabbeln bereits und könnten noch in dieser Woche abheben, die ersten Borkenkäfer. Diese Beobachtung hat jedenfalls Matthias Borgmann gemacht.

Dem Förster aus dem Revier Beckerhof schwant deshalb auch nichts Gutes. Denn er weiß: „Eigentlich schwärmen die Käfer erst bei Temperaturen ab 16 Grad Celsius aus.“ 

Borkenkäfer sind Schädlinge. Auch im heimischen Staatswald hat Borgmann als Angestellter des Landesbetriebes Wald und Holz.NRW beruflich mit den kleinen Baum-Killern zu tun. „Normalerweise kann eine Fichte aus eigener Kraft etwa 200 Käfer abwehren. Sie produziert Harz, das die Bohrlöcher verschließt. Das funktioniert aber nur bei gesunden, vitalen Bäumen. Und die haben wir hier kaum noch, nach der lang anhaltenden Trockenheit“, ist Borgmann skeptisch. Und weil es im vergangenen Jahr bereits einen Großbefall mit Borkenkäfern gab, sind die Bäume auch in dieser Hinsicht vorgeschädigt. Keine guten Vorzeichen für das Jahr 2019.

Die Förster des Landes NRW hatten mit den Waldbesitzern eigentlich darauf gehofft, dass sich die Borkenkäfer-Bestände über den Winter dezimieren. Indes: Das trat bisher nicht ein. Im Gegenteil: Erste Beobachtungen der Wald und Holz-Experten zeigen, dass die Borkenkäfer durchaus erfolgreich überwintern. Ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung der Borkenkäfersituation ist also das Wetter. Forstleute wünschen sich nun ein feuchtes und kühles Frühjahr. Einfluss haben sie in dieser Hinsicht aber nicht. Matthias Borgmann jedenfalls ist gespannt: „Die Frage, die auch wir nicht beantworten können, ist diese: Wie verhalten sich die vorgeschädigten Bäume. Steuern wir auf eine Katastrophe zu oder können sich die Bäume wehren?“.

Nach Stürmen, Dürre, mehr Borkenkäfern als üblich und den dadurch verursachten ungeplanten Noternten ist die Situation zurzeit so: Laut Landesbetrieb fällt mehr Holz an, als der Markt aufnimmt. Fehlende Lager- und Transportkapazitäten und die Ungewissheit, wie sich die Massenvermehrung der Borkenkäfer 2019 fortsetzt, würden die Lage verschärfen, heißt es bei Wald und Holz.NRW.

Andreas Wiebe, Leiter des Landesbetriebes, empfiehlt jetzt: „Unsere Waldschutzexperten und Forstleute bereiten sich konzentriert und fachkundig auf die Massenvermehrung der Borkenkäfer vor, die sich voraussichtlich in wenigen Wochen unvermindert fortsetzen wird. Dabei sind die großen Privatwälder genauso in Gefahr wie der Staatswald und die Wälder zehntausender kleiner Privatwald-Besitzer. In dieser Situation ist es wichtig, dass sich Betroffene und potenziell Betroffene gut informieren und solidarisch handeln.“

Mit einer neuen praxisorientierten, kleinformatigen Broschüre möchte der Landesbetrieb Wald und Holz.NRW insbesondere Waldbesitzer in die Lage versetzen, Borkenkäferschäden einzuschätzen und daraus resultierend Maßnahmen in die Wege zu leiten. In der Broschüre, die auf der Homepage von Wald und Holz.NRW bestellt werden kann, bereitet der Landesbetrieb die Themen „Erkennen, Bekämpfen und Vorbeugen des Befalls“ auf. Der Leitfaden gliedert sich in die Bereiche Grundwissen, Handlungsempfehlungen, den eventuellen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als letztes Mittel sowie eine Darstellung aller Maßnahmen je nach Jahreszeit „Auf einen Blick“ zum Ausklappen.

Matthias Borgmann und seine Kollegen jedenfalls sind weiter damit beschäftigt, „Käferholz“ im heimischen Revier Beckerhof aufzuarbeiten und anschließend abzutransportieren. Bevor die neue Generation der Schädlinge ausfliegt und sich ihre Opfer sucht.

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