Eine Ära endet: Förster Herbert Röttger geht in den Ruhestand

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Herbert Röttger geht in den Ruhestand. Der Forstamtsrat aus Valbert war 38 Jahre lang im heutigen Revier Meinerzhagen im Bereich des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland tätig.

Meinerzhagen - „Ich habe drei Enkel. Und denen würde ich auch in Zukunft noch gerne Schmetterlinge und Grashüpfer zeigen.“ Der Valberter Herbert Röttger war lange Revierförster im Bezirk Märkisches Sauerland. Heute geht er offiziell in den Ruhestand. Und er macht sich Sorgen um die Natur.

38 Jahre sind eine lange Zeit. Im Laufe dieses Lebensabschnitts hat der 64-jährige Forstamtsrat und Diplom-Forstingenieur vom Landesbetrieb Wald und Holz.NRW eine Menge erlebt. „Sauren Regen“, die Einführung des bleifreien Benzins, verheerende Stürme wie Kyrill und die Borkenkäferplage – Ereignisse, die in Röttgers Dienstzeit fielen. 

Mit den größten Problemen wurde er aber ausgerechnet mit dem Ausscheiden aus dem Dienst konfrontiert: Der wenige Millimeter große Borkenkäfer und die durch ihn angerichteten Schäden sind nach Röttgers Ansicht das Schlimmste, was dem heimischen Wald im Laufe der vergangenen etwa vier Jahrzehnte passiert ist. „Kyrill war schon schlimm, der Borkenkäfer ist noch schlimmer. Die Sturmschäden konnten aufgearbeitet werden. Beim Käfer ist es, als ob man vor eine Gummiwand läuft. Wo er sich ausbreitet und was er bewirkt, das ist kaum kalkulierbar. Man kann keine Grenzen ziehen, eine Prognose ist kaum möglich. Massive Vermögensschäden im Wald waren und sind ebenfalls eine Folge“, bilanziert Röttger. Seine Prognose für die Zukunft klingt in dieser Hinsicht denn auch wenig optimistisch: „Wenn wir in diesem Frühjahr wieder Temperaturen von 25 Grad Celsius und lange Trockenphasen bekommen, frisst sich der Käfer unter Umständen bis ins Hochsauerland. Und er wird dann auch in Höhenlagen von 600 bis 700 Metern ankommen.“

Beim Blick zurück bleiben aber natürlich nicht nur die negativen Aspekte hängen. Herbert Röttger hat seinen Beruf gerne ausgeübt. Wer allerdings glaubt, dass sich der in Bonn geborene und im Rheinland aufgewachsene Förster den lieben langen Tag lang im Wald aufgehalten hat, irrt. „Etwa 70 Prozent meiner Arbeit habe ich am Schreibtisch erledigt“, berichtet der Forstexperte. Dabei waren die Beratung privater Waldbesitzer und die Vermarktung des Holzes ein wichtiger Aspekt. Genau hier hat sich allerdings eine Änderung ergeben, die Röttger nicht unbedingt gefällt. Die Fachleute vom Landesbetrieb Wald- und Holz haben ihren „Rundum-Service“ für die Forstbetriebsgemeinschaften teilweise abgegeben, und zwar an eine „private Organisation aus Olpe“. Dabei habe auch eine Entscheidung der Kartellbehörde eine Rolle gespielt, berichtet Röttger. Die Folge aus seiner Sicht: „Wir beraten die privaten Waldbesitzer weiter, wissen aber nicht, ob unsere Ratschläge angenommen werden und was dann passiert, weil wir mit der Vermarktung nichts mehr zu tun haben. Eigentlich müsste das alles in einer Hand liegen.“

Herbert Röttgers Kontakt mit dem Sauerland war nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick. Nach seinem Studium der Forstwirtschaft in Göttingen von 1977 bis 1980 und einem Anwärterjahr in Eitorf wurde eine Stelle frei, die Röttger annahm. „Und aus eigentlich geplanten zwei Jahren sind dann 38 geworden“, erinnert sich Röttger. Er lernte das Sauerland in Valbert näher kennen und lieben, dann wurden sein Sohn und seine Tochter geboren – und das Ebbedorf wurde zur Heimat. „Das Rheinische ist bei mir dann immer mehr verloren gegangen. Heute fahre ich noch gelegentlich hin, aber Karneval feiere ich dort nicht“, lacht Röttger.

Die wunderschöne Natur vor der eigenen Haustür, daran wird sich der pensionierte Landesbeamte auch weiterhin erfreuen – allerdings nicht ohne Sorgenfalten: „Wir haben einen großen Artenschwund. Die Masse der Insekten hat sich im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren um 75 Prozent reduziert. Natürlich ist die Rückkehr des Wolfes zurzeit ein Mega-Thema. Aber andere, wichtigere Arten, fallen da für mich hinten runter. Das betrifft viele Schmetterlinge und wertvolle Vogelarten wie Feldlerche und Kiebitz.“ Den Wolf, so Röttger weiter, müsse es in unserer Gegend hingegen nicht zwingend geben. 

Und was erwartet Röttgers Nachfolger, der bislang von Wald und Holz.NRW noch nicht offiziell bekanntgegeben wurde? Sicherlich das Thema „Umbau des Waldes“. Bekanntlich soll der Anteil der Laubbäume steigen, die Zukunft der Fichte ist angesichts des Klimawandels unsicher. „Zwei Drittel des Waldes in NRW sind im Privatbesitz. Die Eigentümer müssen dabei natürlich mitziehen“, weiß Röttger. Dass der Wald heute kaum noch als Kapitalanlage gefragt ist, auch das hat der Forst-Experte übrigens festgestellt: „Früher rief fast einmal pro Woche jemand bei mir an und fragte nach einer Waldfläche, die vielleicht zum Verkauf stehe. Heute meldet sich in so einer Angelegenheit keiner mehr.“

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