Förderprogramm für Kinos "auf dem Lande"

Hoffnung für Kino-Erhalt in Meinerzhagen: Hilfe für die City-Lichtspiele?

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Kornelia und Heinz Theiß hängen an den City-Lichtspielen.

Meinerzhagen - 1904 gab es in Meinerzhagen bei einer Filmvorführung erste bewegte Bilder zu bestaunen. Jetzt, 115 Jahre später, sind die City-Lichtspiele im Stadthallen-Untergeschoss fester Bestandteil im kulturellen Leben. Auch wenn das Programm im Vergleich zu früher „abgespeckt“ wurde.

Doch die Zukunft des Kinos ist ungewiss. Kann ein Förderprogramm des Bundes helfen? 

Heinz Theiß, Betreiber der Lichtspiele, glaubt ja. „Auf jeden Fall ist das interessant. Aber wir müssen jetzt schnell Klarheit haben, wie es mit unserem Kino weitergeht. Wenn es unsicher ist, ob es uns in einem Jahr überhaupt noch gibt, dann brauchen wir gar keinen Förderantrag zu stellen. Das hat man mir noch in dieser Woche bei einem Gespräch mit der Filmförderung mitgeteilt“, erläutert Theiß. 

„Nostalgischer“ Meinerzhagener Kinosaal

Rückblick: Wird die Stadthalle einmal saniert, sollen die City-Lichtspiele laut „Integriertem Handlungskonzept“ der Verwaltung in das Hauptgebäude umziehen und ihre alten Räume im Untergeschoss aufgeben. Dort, so die Planungen, könnte dann das Stadtarchiv eingerichtet werden. 

Theiß macht keinen Hehl daraus, dass er lieber im Untergeschoss bleiben würde. Er betonte in der Vergangenheit immer wieder, dass die Atmosphäre im recht „nostalgischen“ Meinerzhagener Kinosaal einzigartig sei und sein Publikum das durchaus zu schätzen wisse.

Das Förderprogramm des Bundes ist für Theiß jetzt ein Silberstreif am Horizont, auch wenn es noch viele Unwägbarkeiten gibt. Im Kern geht es zunächst um die technische Ausstattung der Lichtspiele: „Zwar haben wir ein digitales Abspielgerät, das kann ich aber nur für Standardfilme, beispielsweise beim Filmkunst-Tag, einsetzen. Möchte ich attraktive Blockbuster abspielen, benötige ich Technik, die den DCP-Standard verarbeiten kann. Das fordern auch die Verleihfirmen. Gebrauchte DCP-Geräte kosten etwa 50.000 Euro, neue sogar 75.000 Euro. Und ich wäre dann auf einen festen Standort angewiesen. Umräumen lassen sich diese Maschinen kaum. Sie sind mit Lampen bestückt, von denen eine etwa 1000 Euro kostet. Diese Lampen sind so empfindlich, dass sie ständiges Umräumen wohl kaum verkraften würden.“ 

Betreiber muss selbst etwas beisteuern

Da könnte das Förderprogramm helfen, das die Große Koalition in Berlin jetzt auf den Weg gebracht hat. Es scheint fast maßgeschneidert für die Meinerzhagener Verhältnisse. Und wie genau sieht die „Unterstützung für ländliche Kinos in Orten mit bis zu 25.000 Einwohnern“ aus? Insgesamt will der Bund 5 Millionen Euro zur Verfügung stellen, maximal werden 25.000 Euro pro Spielstätte vergeben. Unterstützt werden Anschaffungen verschiedenster Art, unter anderem auch technische Geräte. Allerdings ist das alles nicht ohne eine Gegenleistung zu haben. 

20 Prozent der Fördersumme oder höchstens 5000 Euro muss der Betreiber selbst beisteuern. Selbst wenn nun ein gebrauchtes Abspielgerät nach dem DCP-Standard (Digital Cinema Package) angeschafft würde, bliebe also noch eine Restsumme von 20 000 Euro offen. In diesem Fall wäre Heinz Theiß auf Hilfe durch Politik und Stadt angewiesen. 

Eile scheint geboten

Und die Frage, ob der alte Standort irgendwie weiter erhalten werden könnte, müsste ebenfalls neu diskutiert werden. In Berlin jedenfalls möchte die Politik Kinos als Kulturgut mit sozialer Komponente unterstützen, gerade im ländlichen Raum und abseits der Großkinos. 

Das sei auch in Zeiten zahlreicher Online-Streaming-Dienste nötig, gerade auch in Orten, in denen es keine festen Einrichtungen wie Theater gebe, heißt es. Eile scheint allerdings geboten, denn: Die Anträge sollen nach der Reihenfolge ihres Eingangs bei der Filmförderung bearbeitet werden.

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