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„In die Luft gehen“ ist teuer

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Von: Jürgen Beil

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Hubschrauber werden angetrieben von Turbinen. Wenn sie Kerosin nachfüllen, sind danach bis zu 700 Liter weniger im Erdtank des Flugplatzes Meinerzhagen.
Hubschrauber werden angetrieben von Turbinen. Wenn sie Kerosin nachfüllen, sind danach bis zu 700 Liter weniger im Erdtank des Flugplatzes Meinerzhagen. © Flugplatz Meinerzhagen

Wenn ein Autofahrer Super-Benzin tankt, ist das zurzeit teuer. Preise zwischen 1,70 und 1,80 Euro pro Liter sind fast schon normal. Verglichen mit dem Piloten eines einmotorigen Sportflugzeuges mit 200-Liter-Tank kommt der „Wagenlenker“ aber noch glimpflich davon.

Meinerzhagen – „Ein Liter Flugbenzin, von der Oktanzahl vergleichbar mit Super-Plus an Tankstellen, kostet derzeit bei mir 2,49 Euro“, erläutert Friedrich Müllensieper, Besitzer des Flugplatzes Meinerzhagen. Und das ist laut Müllensieper sogar noch günstig. „Ich habe noch Treibstoff in meinen Tanks, den ich eingekauft habe, bevor es die großen Preissprünge gab. Jetzt muss ich abwarten, wie sich die Preise entwickeln, bis ich wieder nachfüllen muss“, erläutert er.

Größere Reinheit

Flugbenzin und Kerosin sind laut Müllensieper deshalb teurer als Auto-Treibstoffe, weil sie eine größere Reinheit aufweisen würden. „Das ist Luftfahrt-zertifizierter Sprit ohne Zusatzstoffe“, beschreibt der Flug-Experte. Schließlich soll größtmögliche Sicherheit im Luftverkehr herrschen. „Der Ausfall eines Motors in der Luft darf nicht riskiert werden“, fügt er hinzu.

Anders als an „normalen“ deutschen Tankstellen gibt es bei Friedrich Müllensieper an der Tanksäule keine Preisunterschiede nach der jeweiligen Tageszeit: „Das habe ich nie mitgemacht. Ich biete praktisch das ganze Jahr über denselben Preis. Dabei hält sich mein Gewinn arg in Grenzen, er bewegt sich ungefähr bei 3 bis 4 Cent pro Liter. Und wenn man die Betriebskosten der Tankanlage einrechnet, bleibt unter dem Strich nichts übrig“, sagt der Chef des Meinerzhagener Flugplatzes.

Kunden machen keinen Ärger

Bei 2,49 Euro für einen Liter Flugbenzin und etwa 2,29 Euro für dieselbe Menge Kerosin – bekommt Friedrich Müllensieper da oft den Ärger seiner Kunden ab? „Nein. So etwas passiert hier nicht. Es wird getankt und dann bezahlt. Wenn beispielsweise die Besatzung eines Rettungshubschraubers auftankt, beschweren sich die Piloten natürlich nicht über den Spritpreis“, weiß Müllensieper. Und auch Geschäftsflieger und die Polizei meckern nicht, wenn ihnen die Rechnung für zum Beispiel 700 Liter Kerosin präsentiert wird. Selbst diese Menge ist dann allerdings schnell wieder verbraucht. „Mit 700 Litern kann ein Hubschrauber ungefähr zweieinhalb Stunden in der Luft bleiben und circa 650 Kilometer zurücklegen. Dann muss wieder getankt werden“, erläutert der Flugplatz-Betreiber aus der Volmestadt.

Tanken geht immer

Kunden gibt es auch derzeit, kurz vor Ende der Flug-Saison, noch einige. So berichtet Müllensieper von einem Krankentransport per Hubschrauber, der bei ihm auf dem Weg von Berlin nach Belgien Station gemacht habe. Auch diese Maschine flog Meinerzhagen zum Nachtanken an. Das geht übrigens immer. Müllensieper: „Diesen Service bieten wir ständig an. Am besten nach Voranmeldung.“

Häufig kommen Kunden auch im Rahmen von Schulungsflügen vorbei. Sie machen dann in der Steinsmark Station, um auch das Starten und Landen zu üben. „Wir werden oft angeflogen von den Flugplätzen beispielsweise in Essen/Mülheim, Mönchengladbach, Lerverkusen oder Dinslaken“, berichtet Friedrich Müllensieper. Erstaunlich dabei: Die Frequenz war 2020 höher als in diesem Jahr. „Damals waren viele Sportplätze wie der Auf dem Dümpel Corona-bedingt geschlossen. Die haben jetzt wieder geöffnet“, nennt Müllensieper den Grund.

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