Flüchtlingshelferin spricht mit Merkel

Susanne Berndt weist Kanzlerin auf Problem hin

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Susanne Berndt im Bundeskanzleramt neben Ministerialdirektor Prof. Dr. Jan Hecker. Er soll sich jetzt mit der Thematik befassen, die von der Meinerzhagenerin angesprochen wurde.

Meinerzhagen - Auch die Bundeskanzlerin ist nicht allwissend. Dass Angela Merkel allerdings bereit ist, Probleme zu erkennen und nach Lösungen zu suchen, erfuhr jetzt die Meinerzhagenerin Susanne Berndt.

Sie machte die deutsche Regierungschefin persönlich auf etwas aufmerksam, das in ihren Augen so nicht funktioniert – und bekam spontan die Zusage, dass sich die Regierung mit dieser Angelegenheit befassen wird.

Was war passiert? Susanne Berndt wurde bereits vor Wochen ins Kanzleramt nach Berlin eingeladen, als eine von insgesamt 140 Bundesbürgern, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Am vergangenen Freitag fand das Treffen statt und ein Programmpunkt war eine Diskussion mit der Kanzlerin, die auf dem Podium Rede und Antwort stand.

„Schon im Vorfeld hatte ich mir vorgenommen, ein Thema anzusprechen, das nicht nur in meinen Augen ein Problem darstellt. Es geht darum, dass Flüchtlinge, die bereits subsidiären Schutz genießen, diesen nicht automatisch auch für ihre bereits in Deutschland geborenen Kinder bekommen. Für den Nachwuchs muss dazu erst ein eigener Asyl-Antrag gestellt werden, damit das Kind denselben Anerkennungsstatus bekommt, wie seine Eltern. Davon abhängig ist die Gewährung finanzieller Leistungen für das Kind. Dieses Verfahren zieht sich oft über Monate hin. Die Alternative wäre, für den Nachwuchs einen Pass aus dem Fluchtland vorzulegen. Aber wie soll das gehen, wenn er in Deutschland geboren wurde?“, fragt sich Berndt.

Angela Merkel hörte interessiert zu, was die Meinerzhagenerin zu sagen hatte. Ihre Antwort fiel knapp aber deutlich aus: „Das müssen wir aufnehmen. Davon habe ich noch nicht gehört. Das ist ziemlich paradox.“ Was dann passierte, macht Susanne Berndt Hoffnung auf Änderung der gängigen Praxis: „Die Kanzlerin verwies mich an den Leiter des Koordinierungsstabes Flüchtlingspolitik, Ministerialdirektor Prof. Dr. Jan Hecker. Sie bat mich, dort Adresse und E-Mail-Kontaktdaten zu hinterlassen. Jetzt soll ich noch einmal schriftlich mitteilen, welches Problem ich sehe. Das alles macht mir Hoffnung, dass sich bald etwas für die betroffenen Kinder und ihre Familien ändern wird“, ist Susanne Berndt positiv eingestellt. Das Treffen mit Angela Merkel wirkt bei ihr nach: „Erst in den Tagen danach wird einem so richtig klar, was da passiert ist. Es war schon ein tolles Erlebnis festzustellen, dass man möglicherweise einen kleinen Stein ins Rollen gebracht hat.“

Dass die angesprochene Problematik auch in Meinerzhagen bereits zu finanziellen Problemen bei Flüchtlingen geführt hat, weiß Susanne Berndt aus eigener Erfahrung: „Genau so etwas ist hier schon passiert. Für das Neugeborene eines syrischen Paares muss jetzt ein Antrag gestellt werden und den Eltern wurde obendrein die Mietzahlung gekürzt. Und das aus dem Grund, weil jetzt im Haushalt drei Personen leben, von denen eine noch nicht anerkannt ist. Das kann doch nicht sein und es führt dazu, dass die Flüchtlinge fast automatisch in die Schuldenfalle geraten. Nun hoffe ich auf schnelle Hilfe aus Berlin. Wir haben das Problem auch bereits bei der Stadt Meinerzhagen angesprochen. Und auch dort hat man versprochen, sich dafür einzusetzen, dass eine Änderung herbeigeführt wird.“

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