Flüchtlinge zwischen Eintopf und Fußball

Auch bei den drei Mahlzeiten pro Tag haben sich die Mitarbeiter der Jugendherberge an der Bergstraße auf die neuen Gäste eingestellt. - Symbolbild: dpa

Meinerzhagen - Vor zwei Wochen kamen die ersten Flüchtlinge in der Jugendherberge an der Bergstraße an – jetzt zieht Peter Schär vom Herbergswerk ein erstes Fazit: „Wir sind zufrieden und glücklich mit der Situation. Es läuft reibungslos.“

138 Menschen könnten in dem Gebäudekomplex untergebracht werden, momentan sind es allerdings „nur“ 90 Personen, die in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes wohnen. „Hauptsächlich sind es Familien, die zu uns gebracht werden. Und die meisten kommen aus Syrien“, erläutert Schär.

Frühstücksbüfett, warmes Mittagessen und „kaltes“ Abendbrot – ganz klassisch werden die Bewohner auf Zeit verpflegt. „Natürlich verzichten wir dabei komplett auf Schweinefleisch“, erklärt Schär, der im Vorfeld wusste, dass der Islam den meisten neuen Gästen den Verzehr dieses Lebensmittels verbietet. „Aber das ist überhaupt kein Problem. Mittags gibt es zum Beispiel verschiedene Eintöpfe oder Spaghetti. Im Laufe der Zeit haben wir gemerkt, was gut und was weniger gut ankommt. Deshalb haben wir auch weiches Brot wie Toast besorgt, weil die meisten Flüchtlinge Brot mit harten Krusten gar nicht kennen“, so Schär weiter. Alkohol und Zigaretten sind übrigens komplett tabu – so etwas war in der Jugendherberge aber auch früher nicht erlaubt.

Um den Start als reine „Flüchtlingsherberge“ so reibungslos wie möglich zu gestalten, hat sich der Herbergsverband, der für Verpflegung, Unterkunft und Reinigung zuständig ist, bereits im Vorfeld mit den Leitungsgremien ähnlicher Einrichtungen in Verbindung gesetzt. Eine „Vorsorgemaßnahme“, die sich laut Schär bestens bewährt hat.

Für die Sicherheit der Flüchtlinge ist an der Bergstraße das Dienstleistungsunternehmen „European Homecare“ (EHC) zuständig. Gabriele Buss wird von dem Dienstleister bis Ende Januar als Einrichtungsleiterin eingesetzt. Dann endet auch der Vertrag des Landes Nordrhein-Westfalen mit dem Herbergswerk. Die Führung des Hauses geht ab Februar 2016 folglich wieder von EHC an das Herbergswerk über.

„Homecare“ kümmert sich auch um die Sicherheit der Bewohner. Deshalb ist es momentan auch nicht möglich, den Flüchtlingen „einfach so“ einen Besuch abzustatten. „Natürlich dürfen sie Gäste empfangen, das geht aber nur nach vorheriger Anmeldung beim Sicherheitspersonal“, erläutert Peter Schär.

90 Menschen wohnen zurzeit in der Jugendherberge, sie werden von 19 Mitarbeitern des Herbergswerkes versorgt. In Zeiten „normaler“ Belegung sind laut Schär fünf bis sieben Mitarbeiter dafür zuständig.

Und wie vertreiben sich Menschen, die keiner Arbeit nachgehen dürfen, die freie Zeit? „Wir haben zwei Fernsehräume im Haus. Unsere Satellitenschüssel wurde vorher extra auf ,Hotbird’ eingestellt. Darüber können auch arabischsprachige Sender empfangen werden. Umso überraschter waren wir, als wir feststellten, dass unsere Gäste davon eher wenig Gebrauch machen“, erläutert Schär. Beliebt – vor allen Dingen bei Kindern und Jugendlichen – sind sportliche Aktivitäten wie Fußball auf dem hauseigenen Bolzplatz, Volleyball oder Basketball. „Und die Kleineren fangen jetzt auch an, die Discgolf-Anlage zu nutzen“, freut sich Schär.

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