Fliegende „Camper“ an der Lister

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Die großen Greifvögel haben den Campingplatz von ihrem „Hochsitz“ aus gut im Blick. ▪

VALBERT ▪ Herrmann, Mr. Elli und Sheila sind eine echte Attraktion auf „Gut Kalberschnacke“.

Falkner Wolfgang Schöler und seine Frau sind mit ihren drei Greifvögeln Dauercamper an der Lister. So mancher Campingurlauber hat schon völlig verblüfft geguckt, wenn er bei einem Rundgang auf dem Campingplatz Gut Kalberschnacke am Wohnwagen von Wolfgang und Christiane Schöler vorbei gekommen ist.

Denn neben der üblichen Ausrüstung mit Vorzelt und der Sonnenterrasse mit Blick auf die Lister, hat das Ehepaar Schöler noch eine überdachte, größere Vogelstange auf ihrer Camping-Parzelle aufgestellt. Und auf dieser sitzen die drei Familienmitglieder der etwas anderen Art: Mr. Elli und Herrmann, zwei Harris Hawk (amerikanische Bussarde) und Sheila, eine „Wanderfalkin“.

Seit 32 Jahren betreibt der 60 Jahre alte Wolfgang Schöler aus Siegen die Falknerei. Seit 2007 sind die Schölers mit ihren gefiederten Familienmitgliedern auf dem Campingplatz an der Lister zuhause.

„Die Jagd mit Greifvögeln, also die Beizjagd, ist meine Passion“, erzählt Wolfgang Schöler im Gespräch mit der MZ. Dieser geht er mit seinen Vögeln in der Eigenjagd von Alfred Holthoff, dem Eigentümer von Gut Kalberschnacke, nach.

„Bei der Beizjagd hat auch das gejagte Tier noch Chancen, anders als bei der traditionellen Jagd mit der Waffe“, so Wolfgang Schöler.

Der Überlieferung nach brachten vermutlich die Hunnen im fünften und sechsten Jahrhundert die Beizjagd nach Europa. Ihre Blütezeit erlebte sie dann im Mittelalter unter Friedrich II von Hohenstaufen zur Mitte des 13. Jahrhunderts.

Mit der Erfindung der Feuerwaffen ging die Jagd mit Greifvögeln dann aber zurück. Ihre Renaissance erlebte die Falknerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Allerdings gab es auch immer wieder Probleme bei der Haltung der Tiere und beim Einsatz in der Beizjagd durch Falkner, die sich nicht ernsthaft genug mit dem Thema befassten und bei denen Prestigegründe im Vordergrund standen.

Um diesen negativen Entwicklungen entgegenzuwirken, wurden Mitte der 70er Jahre strenge gesetzliche Regelungen zur Greifvogelhaltung und Jagd erlassen.

„Wer heute auf Beizjagd gehen will, benötigt neben dem normalen Jagdschein zusätzlich noch einen für die Greifvogeljagd“, erläutert Wolfgang Schöler. Dabei weist er darauf hin, dass die Durchfallquote beim „Falknerschein“ wegen der umfassenden Thematik bei rund 50 Prozent liege.

Rund 2000 geprüfte Falkner gibt es in Deutschland. Eine geringe Zahl, im Vergleich zu den circa 300 000 „normalen“ Jagdscheininhabern.

Wie fast bei allen Greifvögeln handelt es sich auch bei den drei Vögeln der Schölers um Zuchttiere. Diese können bis zu 20 Jahre alt werden. Ihr Preis ist von der jeweiligen Art abhängig und kann schon mal ein paar tausend Euro betragen.

„Die natürliche Greifvogelpopulation ist durch die massiven Eingriffe der Menschen in das Öko-System praktisch auf null zurückgegangen“, so Wolfgang Schöler mit sichtlicher Verärgerung.

Gerne gibt er sein umfangreiches Wissen und die zahlreichen Erlebnisse über und mit den Greifvögeln an Interessierte weiter. Und mehr oder weniger regelmäßig gibt es in der Ferienzeit auf Gut Kalberschnacke auch spektakuläre Flugvorführungen.

Elegant und geräuschlos schweben dann die Harris Hawks Mr. Elli und Herrmann über die Köpfe der staunenden Zuschauer hinweg. Ein Ruf genügt und sie kommen zu Herrchen und Frauchen zurück.

„Beim Gang durch das Revier folgt mir Mr. Elli von Baum zu Baum“, berichtet Falkner Schöler mit Freude.

Freuen können sich bei den Vorführungen besonders die Kinder. Am Schluss der Flugschauen steht immer ein besonderer Höhepunkt. Christiane Schöler setzt dann Wanderfalke Sheila den mutigen freiwilligen „Jungfalknern“ auf die Hand. Natürlich nachdem diese vorher in den dicken Falkner-Handschuh gesteckt wurde, um Verletzungen durch die messerscharfen Krallen zu verhindern.

Wer Sheila, Mr. Elli und Herrmann persönlich kennen lernen möchte, kann dieses nach vorheriger Kontaktaufnahme mit dem Ehepaar Schöler. Infos hierüber sind über die Rezeption des heimischen Campingplatzes unter den Telefonnummern (0 27 63) 61 71 und 75 01 erhältlich. ▪ jjh

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