Fischsterben in der Volme beobachtet

Einer von mehreren toten Fischen, die erstmals im September in der Volme im Stadtgebiet von Meinerzhagen trieben.

MEINERZHAGEN ▪ Zweimal in kurzer Folge wurden Verunreinigungen in der Volme festgestellt. Zweimal war ein Fischsterben zu beobachten. Am heutigen Dienstag gab es einen neuen Vorfall.

Bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen bemerkten am Dienstag Anwohner der Volme im Bereich Lindenstraße eine auffällige Gewässerverunreinigung. Gestern konnte das Ordnungsamt der Stadt Meinerzhagen Wasserproben ziehen. Das bot die Grundlage für weitere Ermittlungen. Bei den beiden vorangegangenen Fällen waren die zuständigen Behörden gar nicht oder zu spät informiert worden, um noch effektiv tätig werden zu können.

MZ-Leser Ingomar Krummholz hatte sich am Montag dieser Woche bei der Redaktion gemeldet. Er wohnt an der Lindenstraße. Fotografisch hatte er die beiden vorangegangenen Gewässerverunreinigungen dokumentiert. Seine Fotos verdeutlichen, dass es in diesem Zusammenhang auch zu einem Fischsterben gekommen ist. Kapitale Forellen schwammen tot im Wasser.

Der erste Vorfall ereignete sich nach Krummholz‘ Angaben am 10. September. Noch einen Tag später, als die ersten Fotos entstanden, wies die Volme im Bereich der Unterquerung der Lindenstraße in Höhe des Versammlungsraums von Jehovas Zeugen eine milchige Verfärbung auf. Am vergangenen Freitag, 8. Oktober, stellte der Anwohner erneut eine vergleichbare Verschmutzung fest.

Die MZ nahm diese Informationen am Montag zum Anlass für Recherchen. Beim Märkischen Kreis als für den Gewässerschutz zuständiger Behörde erfuhren wir auf Anfrage, dass dort der Vorfall vom September bekannt war. Weil die Information aber zu spät ankam und die Verunreinigung zu dem Zeitpunkt nicht mehr bestand, habe man nicht einschreiten können.

Ursula Erkens von der Kreispressestelle erläutert: „Wir sind auf möglichst unverzügliche Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, um dann zeitnah Untersuchungen durchführen zu können.“ Zu diesem Zweck hat der Kreis auch eine telefonische Hotline-Nummer für Fälle von Umweltalarmen eingerichtet. Die kann und sollte jeder Bürger sofort anwählen, wenn er auffällige Beobachtungen gemacht hat. Die Rufnummer lautet (0 23 51) 10 650und ist bei der Kreisleitstelle des Märkischen Kreises rund um die Uhr erreichbar.

Als Ingomar Krummholz heute Vormittag gegen 10.30 Uhr wieder auf die Volme schaute, glaubte er seinen Augen nicht trauen zu können. „Schon wieder eine auffällige Verfärbung des Wassers!“ Seinen Hinweis leitete die MZ unmittelbar weiter ans Ordnungsamt der Stadt. Binnen weniger Minuten waren Stadtbrandinspektor Thomas Decker und Ordnungsamtsmitarbeiter Harald Lüsebrink vor Ort und konnten dort die ersten Ermittlungen aufnehmen, die auch zu einem schnellen Ergebnis führen sollten.

Eine unmittelbare Anwohnerin des Volmelaufs, der unterhalb des Geschäftsgebäudes Aldi vor dem Versammlungsraum von Jehovas Zeugen die Lindenstraße quert und unweit Stadthalle wieder in eine Verrohrung mündet, berichtete heute vor Ort: „Ich habe im September mindestens neun tote Forellen gezählt. Der Bach war vorher voller Fische. Jetzt ist da nichts mehr.“ Auch die örtliche BUND-Vertreterin Michaela Diller ist in Sachen Gewässerverunreinigungen in der Volme seit längerem am Ball. Auch sie appelliert dringend an alle Bürger, auffällige Beobachtungen unverzüglich zu melden. Dazu genügt im Zweifelsfall auch ein Anruf bei der Polizei.

Dass grundsätzlicher Handlungsbedarf zur Verbesserung der Gewässerqualität der Volme besteht, belegt auch eine im Auftrag des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz des Landes NRW vorgenommene Untersuchung. Zum Stand Dezember 2009 heißt es da, dass die Volme hinsichtlich ihrer Gewässerökologie „überwiegend als mäßig bis unbefriedigend“ eingestuft werden muss. Der ökologische Zustand insbesondere im Oberlauf von Meinerzhagen bis Oberbrügge wird als „schlecht“ bezeichnet.

Zumindest was den heutigen Vorfall betrifft, konnte Thomas Decker vom Ordnungsamt der Stadt Meinerzhagen bereits am Mittag Entwarnung geben. Der gemessene pH-Wert des Wassers bewegte sich nach seinen Angaben mit sieben exakt im neutralen Bereich. Es lag also keine chemische oder anderweitig toxische Belastung vor.

Auch die Ursache für die Verfärbung des Wassers konnte zweifelsfrei festgestellt werden. „Natürliche Verschmutzung, die von der Baustelle im Bereich Fröbelstraße ausgeht, wo zurzeit der Korbecke- und der Werlsiepenbach neu verrohrt werden“, so die Auskunft Deckers. Damit bleibt weiterhin ungeklärt, was zu dem beobachteten Fischsterben in der Volme geführt hat. Decker: „Da reicht oft ein Schwall fahrlässig oder vorsätzlich eingeleiteter schädlicher Substanzen. Wegen der Fließgeschwindigkeit und natürlichen Verwirbelung im Gewässer ist das schon wenige Stunden später leider nicht mehr messbar.“

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