Fuchs-Geschäftsführer Hinrich Mählmann: "Der Brexit treibt mich um"

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Die Angst vor einem ungeregelten Brexit ist groß. Auch die Otto Fuchs KG wäre von einem „No Deal“ betroffen, wie Dr. Hinrich Mählmann erklärt.

Meinerzhagen – Was bringt das neue Jahr? Nicht nur Privatpersonen beschäftigt zum Jahresbeginn diese Frage, auch Unternehmen wie die Otto Fuchs KG, die wie kaum eine andere heimische Firma international aufgestellt und damit auch den Schwankungen im weltweiten Handel ausgesetzt ist.

Dr. Hinrich Mählmann, persönlich haftender Gesellschafter von Otto Fuchs, erläutert, welche Chancen und Risiken er auf das Unternehmen zukommen sieht. Wesentliche Punkte dabei: der Brexit und die Politik der US-Regierung. 

Brexit-Deal: Hart oder weich? „Dieses Thema treibt mich derzeit am meisten um“, betont Mählmann. „Ich glaube schon, dass die Mehrheit der britischen Politiker weiß, was ein No-Deal bedeuten würde. Ob sie daraus aber auch bei der Abstimmung im Parlament die Konsequenzen ziehen, bleibt die Frage.“ Ohne einen Zollverbund mit Großbritannien befürchtet der Otto-Fuchs-Geschäftsführer kilometerlange Schlangen vor dem Eurotunnel in Calais und Dover beziehungsweise ausgelastete Häfen.

„Sollte es wirklich zu keinem Deal kommen, der die Zollbestimmungen regelt, werden einige unserer Kunden ihre Werke zumindest kurzzeitig schließen müssen“, betont Hinrich Mählmann die besondere Dringlichkeit eines Abkommens. Die Otto Fuchs KG ist durch Lieferungen etwa an BMW, das über seine Tochtersparte Mini eng mit Großbritannien verzahnt ist, aber auch durch die Zusammenarbeit mit Rolls Royce (Triebwerkstechnik) indirekt vom Brexit betroffen. 

Als weitaus weniger belastend empfindet Mählmann die US-Handelspolitik, die mitunter zu einem Wirtschaftskrieg mit China geführt hat. „Unsere Tochter Weber Metals in Kalifornien ist davon nicht negativ betroffen, ganz im Gegenteil: Durch die Senkung der Ertragssteuer von 35 auf 21 Prozent Ende 2017 habe man sogar profitiert. Nun müsse man schauen, wie sich die Handelspolitik der Vereinigten Staaten weiter entwickelt, so Mählmann. „95 Prozent unserer Geschäfte in den USA machen wir im Luftfahrtbereich. Wenn China also etwa bei Boeing eine gewisse Zahl an Flugzeugen abbestellen würde, würden wir das sicher auch zu spüren bekommen.“ 

Der Dieselskandal und der weltweit stagnierende Absatz an Autos mit Verbrennungsmotor hätte Fuchs hingegen kaum berührt, sagt der persönlich haftende Gesellschafter. „Unser Vorteil ist, dass unsere Bauteile eigentlich in jedes Fahrzeug passen.“

Neben dem siebengeschossigen Technikum, das sich derzeit im Bau befindet und vor allem der Entwicklungsabteilung ein hochmodernes Arbeiten ermöglichen soll, plant das Unternehmen bereits ein weiteres Projekt: Im kommenden Jahr soll der Triebwerksbereich (B5) durch die Verlängerung der bestehenden Halle erweitert werden. „Damit schließen wir den Werksbereich zur Otto-Fuchs-Straße hin ab“, erklärt Jörg Ihne, Leiter Forschung und Entwicklung bei Fuchs.

Unabhängig von den politischen Rahmenbedingungen will die Otto Fuchs KG weiterhin ihre eigenen Stärken im Blick behalten – und sie ausbauen. Dazu zähle etwa eine Öffnung für andere Werkstoffe, etwa für sogenannte Hybrid-Räder, die aus mehreren Materialien bestehen. Dabei profitiere Fuchs natürlich auch vom Trend zur E-Mobilität, schließlich ist der Leichtmetallbau eine der vielen Stärken von Fuchs. „Mit dem Leichtbau sind wir da natürlich gut aufgestellt, um das Gewicht der Fahrzeuge möglichst niedrig zu halten“, erklärt Dr. Hinrich Mählmann.

Bei den Elektroautos zähle außerdem nicht mehr nur die Leistung des Motors, sondern träten auch andere Aspekte in den Vordergrund. „Das kann nicht nur das geringe Gewicht durch Leichtbauelemente sein, sondern auch die Felge“, sagt Mählmann – wohlwissend, dass sein Unternehmen mit der berühmten Fuchs-Felge ein Fahrzeugteil mit Legendenstatus im Sortiment hat.

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