Der „intelligente“ Stuhl und die Matratze

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Andreas Thometzek mit dem Herzstück der Anlage, dem Sensor. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Andreas Thometzek betritt am frühen Morgen sein Büro „Am Stadion“ in Meinerzhagen. Er öffnet die Tür, geht zum Bürostuhl, setzt sich hin. Und schon kann er loslegen.

Denn: Wie von Geisterhand hat sich inzwischen das Licht eingeschaltet, der Computer ist „hochgefahren“ und die Heizung hat von 18 Grad Raumtemperatur auf 22 Grad hochgeschaltet – und das alles, ohne dass der 45-Jährige selbst einen Finger bewegt hat. Zauberei? Nein! Moderne Technik ist hier im Spiel, „made in Meinerzhagen“. Andreas Thometzek ist geschäftsführender Gesellschafter der Firma IQfy mit Sitz „Am Stadion 2“ und er selbst vertreibt das patentierte System, das für die automatische „Inbetriebnahme“ seines eigenen Büros verantwortlich ist.

Das Herz der Anlage, die für die Steuerung sorgt, ist ein kleiner Sensor. Er wird in Bürostühle eingebaut, das ist auch nachträglich ohne großen Aufwand möglich. Sobald der kleine Kontakt in der Sitzfläche durch Körperdruck aktiviert wird, sendet er Signale an alle Empfänger. Die schalten dann zum Beispiel die Steckdosen ein – und beim Aufstehen wieder aus. So kann ein ganzes Büro gemanagt werden. Sitzt niemand hinter dem Schreibtisch – oder besser auf dem „intelligenten“ Stuhl – wird Energie (nach Herstellerangaben bis zu 40 Prozent bei Heizung und Strom) eingespart, die angeschlossenen Verbraucher schalten nach einer selbst zu bestimmenden Zeitspanne aus. Das spart Energie und schont Umwelt und Geldbörse. „Ein großer Vorteil unseres Systems ist die einfache Installation. Die Übertragung der Signale vom Sensor zum Empfänger erfolgt drahtlos, der Sender braucht keine Batterie, er funktioniert durch Bewegungsenergie“, erläutert Thometzek, dessen Firma IQfy für die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung des Systems verantwortlich zeichnet, das sich übrigens mit bestehenden Haussteuerungen kombinieren lässt.

Für die elektronischen „Helferlein“ gibt es aber auch noch eine andere Verwendungsmöglichkeit: die Matratze. Wird der Sensor dort eingebaut, kann er sogar Leben retten oder zumindest dem privaten oder professionellen Pflegepersonal beispielsweise von Demenz-Kranken die Arbeit ungemein erleichtern. „Durch drahtlose Übertragung wird an die Stationszentrale einer Pflegeeinrichtung oder auch auf ein Handy gemeldet, wenn die demente Frau Müller ihr Bett verlässt. Statt ständig nachsehen zu müssen, ist es so möglich gleich festzustellen, dass die Patientin aufgestanden ist. Und nachts, wenn Frau Müller zur Toilette muss, wird durch unsere Anlage das Licht automatisch eingeschaltet. Ein Leuchtpfad kann der Frau dann sogar den Weg zur Toilette weisen“, erklärt Thometzek und fügt hinzu: „Diese Technik ist übrigens weltweit einzigartig.“

Ist das alles ein Luxus für Reiche? Der Geschäftsmann aus Meinerzhagen verneint energisch: „Das Gute an unserem System ist, dass es sich eigentlich jeder leisten kann. Wir stemmen bei der Installation keine Wände auf, alles funktioniert ohne Kabel. Und die Empfänger lassen sich einfach in die Steckdose einbauen. Pro Zimmer können etwa Kosten in Höhe von 1000 Euro einkalkuliert werden, es gibt auch keine Folgekosten.“

Nicht nur Andreas Thometzek ist von seinem System überzeugt, auch in der Landeshauptstadt Düsseldorf fanden der intelligente Bürostuhl und seine „Schwester“, die mitdenkende Matratze, Beachtung. Bei der internationalen Standort-Marketingkampagne „Germany at its best: Nordrhein-Westfalen“ wurde die technische Innovation aus Meinerzhagen im Sauerland als eine der besten 100 Innovationen ausgezeichnet. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin persönlich bestätigte das mit zwei Urkunden – eine für den Stuhl, eine für die Matratze. Bei dem Wettbewerb entscheidet eine hochkarätig besetzte Jury, welche Bestleistungen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport prämiert werden.

Bald wird Andreas Thometzek übrigens wieder einen Termin in Düsseldorf haben: Dann fährt er nicht etwa zum Karneval in die Rhein-Metropole, Thometzek flatterte stattdessen eine Einladung zu den NRW-Wirtschaftsgesprächen ins Haus. Dabei verschaffen sich Landesregierung und Politik einen Überblick über die aktuellen Schwerpunktsetzungen der Wirtschaft. ▪ beil

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