Coronavirus: Teils „chaotische Zustände“ in den Apotheken

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Gerade einmal zwei Flaschen Desinfektionsmittel gibt es noch in der Apotheke zum Wildenkuhlen, Die von Bärbel Brühne-Held hier gezeigten sind aber nur bakteriell wirksam. Nun will die Apotheke selbst Desinfektionsmittel herstellen.

Kierspe/Meinerzhagen - Ausnahmesituation auch für die heimischen Apotheken. Immerhin: Die überwiegende Mehrheit der Kunden verhalte sich instinktiv richtig, halte Abstand, um sich gegen eine Infektion mit dem Coronavirus so weit es geht zu schützen, wie in einer kurzen Umfrage bei den Kiersper Anbietern deutlich wurde.

Es gebe zwar Einzelfälle, über deren Verhalten man sich nur wundern könne, erzählt Jürgen Boyksen als Vertreter von Bärbel Schulz, der Inhaberin der Rauk-Apotheke, aber die meisten würden doch Rücksicht auf die anderen nehmen: Abstand halten, sich aus dem Weg gehen. Ansonsten habe sich am Kundenverhalten nicht viel verändert, erklärt der Apotheker weiter.

Mit einer Besonderheit: Jeder Zweite fragt nach einer Schutzmaske. Die seien zwar in Bestellung, aber ob und wann welche kommen, ist zur Zeit unklar. Ähnliche Antworten erhält man auch in der Montigny-, Post- und Apotheke am Wildenkuhlen. Sprunghaft oder geradezu explosionsartig angestiegen sei die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln. 40 Flaschen habe er in eineinhalb Tagen verkauft, sagt Franz-Josef Ruthmann, Inhaber der Montigny-Apotheke. Material sei in Bestellung, heißt es nicht nur hier, doch wann Nachschub kommt: Schulterzucken.

Hartmut Gerlach, Chef in der Post-Apotheke, berichtet ebenfalls von etwa 50 telefonischen Nachfragen nach Desinfektionsmitteln in den vergangenen Tagen. „Aber noch habe ich welche.“ Anders sieht es in der Apotheke am Wildenkuhlen aus: „Ausverkauft!“ Grund genug für Apothekerin Christiane Karge, jetzt selbst Desinfektionsmittel herzustellen.

Die Genehmigung der entsprechenden Behörde liege zwar nun vor, doch die Beschaffung der Rohstoffe, von einer Flasche bis zum Alkohol, sei schwierig, lasse noch auf sich warten. Außer der verstärkten Nachfrage nach Desinfektionsmitteln – extrem sei es in der ersten Woche nach Bekanntwerden dieser Hygienemöglichkeit gewesen, als man bestimmt 100 Stück verkauft habe – ist auch in der Apotheke am Wildenkuhlen ein normales Verhalten der Kunden festzustellen.

Vereinzelt würden Medikamente in größeren Mengen verkauft, die Mehrheit der Kunden würde aber in der Apotheke auf Abstand zueinander gehen. Dies bestätigten auch alle anderen Kiersper Apotheker. „Es gibt keine Panik“, lobt Apotheker Hartmut Gerlach die Kunden. Gleichzeitig erinnert auch er daran, dass gerade Hochbetrieb für normale Erkältungskrankheiten sei.

Grundregeln der Hygiene einhalten

„Wenn man die altbekannten Hygiene-Grundregeln einhält“, mahnt Gerlach, „dann sind wir schon ein ganzes Stück weiter.“ Schließlich gebe es beispielsweise jetzt auch schon wieder rund 200 Grippe-Tote. Auffällig sei aber, dass die Apotheker und ihre Angestellten in der jüngeren Vergangenheit deutlich mehr mit den Kunden reden müssten, weil offensichtlich der Beratungsbedarf gestiegen ist.

„Chaotisch“ – Susanne Rasche von der Meinerzhagener Hirsch-Apotheke fällt zunächst nur dieses eine Wort ein, wenn sie auf die augenblickliche Situation in ihrer Hirsch-Apotheke an der Derschlager Straße in Meinerzhagen angesprochen wird. Die Situation sei teilweise erschreckend. Ein Grund: „Die Kunden fangen an zu hamstern.“ Fiebersenkende Mittel, Schmerzmittel, all das werde zunehmend gehortet, sagt sie.

Derweil habe sich die Situation auch nicht entspannt, was den Nachschub an Atemmasken und Desinfektionsmitteln angehe: „Letzteres haben wir auch schon drei Mal in Eigenregie hergestellt. Auch da gibt es aber jetzt Probleme, weil die Inhaltsstoffe kaum noch zu bekommen sind.“ Erst vor wenigen Tagen habe man 50 Fläschchen Desinfektionsgel für die Hände bekommen. „Doch die waren in drei Stunden ausverkauft“, berichtet Rasche. Im Verkaufsraum ihrer Apotheke hat die Inhaberin zudem beobachtet, dass die Kunden oft die aus Gründen des Infektionsschutzes empfohlene Distanz nicht eingehalten. „Wenn wir das sehen, weisen wir die Menschen jetzt auch darauf hin, Distanz zu wahren“, erläutert Rasche.

Probleme mit dem Nachschub

Ein Problem gebe es in einigen Bereichen mit dem Nachschub an Arzneimitteln: „Viele Medikamente werden in China hergestellt. Da kommt es zu Engpässen. Etwa 190 Mittel sind zurzeit nicht zu bekommen. Das betrifft beispielsweise einige Epileptika und Psychopharmaka“, hat Susanne Rasche festgestellt. Die Meinerzhagener Apothekerin fügt aber hinzu: „Die Grundversorgung ist zurzeit sichergestellt.“

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