Satellitendaten

Hilfe für die Feuerwehren kommt aus dem Weltraum

Gesunder Laubwald, vertrocknete Fichtenbestände. Besonders die abgestorbenen Bäume brennen wie Zunder.
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Gesunder Laubwald, vertrocknete Fichtenbestände. Besonders die abgestorbenen Bäume brennen wie Zunder.

Es hat geregnet – im November eigentlich normal. Doch bisher war dieser Monat, trotz der letzten Niederschläge, zu trocken. Und auch der Sommer brachte nicht genügend Wasser von oben.

Meinerzhagen – Das ist fatal. Denn: Durch Dürre und Borkenkäfer geschädigt, sind die Wälder in NRW zusätzlich sehr anfällig für Brände, trotz des Regens der vergangenen Tage. Waldbrände in NRW, wie der auf dem Hömerich bei Gummersbach im Frühjahr, nehmen zu. Bei der Bekämpfung nutzen Feuerwehren seit wenigen Wochen jetzt eine digitale Waldbrandabwehrkarte von Wald und Holz NRW. Das gilt bald auch für die Meinerzhagener Einheiten.

Aktuelle Satellitendaten der ESA werden bei dem Verfahren zur Einschätzung der Gefahrenlage und zur Festlegung der Löschstrategie herangezogen. Und nicht nur Wald und Holz stellen digitale Karten-Daten zur Verfügung. Stadtbrandinspektor Christian Bösinghaus: „Auch beim Märkischen Kreis können wir uns bedienen, dort gibt es ebenfalls Kartenmaterial.“

Mit der Zeit gehen

Die Meinerzhagener Feuerwehr geht also mit der Zeit. Das bestätigt der Feuerwehrchef: „Wir sind momentan dabei, diese Daten in unser System einzupflegen. In unserem Einsatzleitwagen haben wir die Möglichkeit, online zu gehen und das zu nutzen. Wir können so am Einsatzort herausfinden, ob beispielsweise der Weg zum Brandort befahrbar ist, ob Teiche in der Nähe sind oder ob Totholzbestände in der Windrichtung liegen.“

Braune Fichten prägen zurzeit das Landschaftsbild vieler Regionen Nordrhein-Westfalens. Sie leiden wie kaum eine andere Baumartunter dem anhaltenden Klimawandel.

Letzte Jahre viel zu trocken

Hartwig Dolgner, Teamleiter Walderhaltung und Sicherung der Waldfunktionen beim Landesbetrieb Wald und Holz.NRW: „Die vergangenen Jahre waren im Durchschnitt viel zu trocken. Dadurch steigt auch die Gefahr von Waldbränden. Eine wichtige Aufgabe unserer Forstleute und der Feuerwehr ist es deshalb, potenzielle Gefahrenquellen im Wald zu ermitteln und Brände zu verhindern. Der Vitalitätslayer ist ein hervorragendes Hilfsmittel zur Identifizierung von Waldbrandgefahrenquellen.“

Geodaten-Experten bei Wald und Holz.NRW werten laut Pressemitteilung des Landesbetriebs daher den Gesundheitszustand von Bäumen mithilfe von Sentinel-2- Satellitenbildern der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) aus. „Die Waldbrandabwehrkarte enthält neben der aktuellen Waldbrandgefahr eine Kartenebene – Layer – mit Informationen zur Vitalität der Nadelwälder. Unter www.waldinfo.nrw.de stehen die Karten Privat- und Kommunalwaldbesitzenden sowie Waldinteressierten kostenlos zur Verfügung“, heißt es.

Satellitendaten helfen

Wie das alles genau funktioniert, erklären die Experten von Wald und Holz: „Die Satelliten erfassen zunächst die Chlorophyll-Produktion der Baumkronen. Später erstellen Fachleute daraus farblich gekennzeichnete Schadstufen. Gesunde Nadelwälder, deren Nadeln viel Chlorophyll herstellen, sind grün gefärbt. Vom Schädling befallene, vertrocknete oder umgeworfene Bäume sowie Kahlflächen sind in der Karte rot markiert. Je dunkler die Fläche, desto stärker ist der Wald durch Borkenkäfer, Dürre oder Stürme geschädigt.“

Wald und Holz.NRW stellt den Vitalitätslayer dem Informationssystem Gefahrenabwehr des Innenmininsteriums (IG NRW) bereit. Dort steht er Feuerwehren und anderen Katastrophenschutzbehörden zur Verfügung. Das interne Portal enthält neben der Waldbrandabwehrkarte auch Karten mit Waldwegen und Wasserentnahmestellen. Dr. Stefan Franz, Teamleiter Geodateneinsatz von Wald und Holz.NRW: „Das kontinuierliche Monitoring der Nadelwälder via SatellitenFernerkundung für das gesamte Bundesland und das direkte Bereitstellen der ausgewerteten Geodaten an alle Feuerwehren und Waldbesitzende ist in dem Umfang bundesweit einzigartig.“

Boden- oder Kronenfeuer?

Im Brandfall bietet das zur Verfügung stehende Kartenmaterial laut Wald und Holz Feuerwehrleuten eine hilfreiche Orientierung bei der Einschätzung der Lage: „Auf geräumten Sturmflächen kann die Sonne zum Beispiel ungehindert auf den Waldboden scheinen und trockenes Gras, Nadeln und Äste in kurzer Zeit entzünden. Auch beschädigte, trockene Fichten sind extrem leicht und schnell entflammbar. Zu wissen, ob ein Boden- oder Kronenfeuer zu erwarten ist, ist auch für die Sicherheit der Einsatzkräfte wichtig. Gekennzeichnete Flächen der Stürme von Kyrill und Friederike ergänzen das umfangreiche Kartenangebot.“

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