Feuerwehr-Übungsszenario mit vielen Tücken

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Lob gab es vom Übungsleiter der Freiwilligen Feuerwehr, Rüdiger Sinderhauf, für die Helfer.

MEINERZHAGEN ▪ Ein Fahrzeug liegt auf dem Dach, das andere ist mit der Fahrerseite gegen einen Baum geprallt. So das Übungsszenario für 17 Einsatzkräfte des Löschzugs I/Stadtmitte um Einsatzleiter Michael Hymmen und die DRK-Helfer Dirk Uppmann und David Itzigehl von der Rettungswache Meinerzhagen.

Dieses erschreckende Bild eines schweren Verkehrsunfalls wurde am Samstag an der derzeit gesperrten Straße Zum Schnüffel nachgestellt.

Während die einen sich Zugang zu den „verletzten“ Statisten Tim Sinderhauf und Marius Reininghaus verschaffen, füllt sich die gesperrte Straße mehr und mehr mit Fahrzeugen, technischem Gerät und Einsatzkräften.

Als große „Gedächtnisstütze“ für die Helfer dient eine Geräteablageplane: Für jedes Gerät ist ein Feld aufgedruckt, das entsprechend beschriftet ist. Sofort füllen die Helfer alle Felder. „Wir haben die Plane selbst entwickelt“, erklärt Rüdiger Sinderhauf. „So wird nichts vergessen und alle Geräte sind schnell zur Hand.“

Sinderhauf ist zusammen mit seinem Sohn Jan und Thomas Faber für die Ausbildung der Stadtwehr in technischer Hilfe zuständig. Das Trio organisierte die Übung und beobachtet den Einsatz der schnellen Helfer mit Argusaugen.

Der Fahrer des Fahrzeugs, das auf dem Dach liegt, ist schnell geborgen: Nachdem das Auto mit Hilfe von Kanthölzern und einem „Stabfast-System“ (ein Hilfsmittel zum Abstützen des Autos) fixiert worden ist, wird die Fahrertür mit dem hydraulischen Spreizer aufgehebelt. Bei den Insassen des zweiten Wagens ist die Situation wesentlich komplizierter. Laut Szenario haben sie schwere Rückenverletzungen, der Fahrer ist im Fußraum eingeklemmt.

Fotostrecke zum Thema:

Großübung: Löschzug I und DRK proben Bergung nach Verkehrsunfall

Um die Erstversorgung der Verletzten einzuleiten, müssen zunächst die Scheiben entfernt werden. Die Frontscheibe wird herausgesägt, da es sich hierbei um ein Dreischeiben-Sicherheitsglas handelt, wie Rüdiger Sinderhauf erklärt. Zwischen zwei Glasscheiben befindet sich eine reißfeste Folie, die im Schadensfall ein Zersplittern des Glases verhindert. Die Seitenscheiben können vorsichtig herausgeschlagen werden. Dieses Glas zerfällt in kleine Stücke ohne scharfe Kanten. Größte Herausforderung: Wie hilft man dem eingeklemmten Fahrer? Nachdem sich die Helfer zunächst für die „große Seitenöffnung“ entschieden und beide Türen auf der Beifahrerseite herausgeschnitten haben, müssen sie Armaturen und Motorraum an der Fahrerseite mit hydraulischem Gerät hochstemmen, um die Beine des Fahrers zu befreien.

Eine schwierige Aufgabe, da neben dem Baum kaum Platz ist und vor jeder Aktion festgestellt werden muss, wo sich Airbags befinden, die möglicherweise ausgelöst werden könnten und eine Gefahr für die Helfer darstellen. Zuletzt wird aufgrund der Rückenverletzung des Fahrers das Dach des Fahrzeugs entfernt, um den Verletzten schonend zu bergen.

Nach einer Stunde und 40 Minuten ist auch das geschafft. „Heute ging es nicht um Schnelligkeit“, machte Sinderhauf deutlich. Vielmehr habe die richtige Vorgehensweise und der Einsatz der Geräte im Mittelpunkt gestanden. „Was ich hier gesehen habe, hat mir im Großen und Ganzen sehr gefallen“, lobte er die Helfer, die ihre Übung im Dauerregen absolvierten. Die Vorgehensweise sei richtig gewesen. Man hätte aber auch darüber nachdenken können, das Fahrzeug mit einer Winde vom Baum wegzuziehen. „Da der Boden weich ist, wäre das eine gute Alternative gewesen, die keine großen Erschütterungen für den Fahrer bedeutet hätte.“ ▪ ps

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