Greifvogel strandet auf einer „einsamen Insel“

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Da lag er nun, mitten auf der kleinen „Insel“ im Auffangbecken in Genkel – bis die Feuerwehr den Milan befreite.

Meinerzhagen - Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. In Bodennähe lauern allerdings Gefahren, die auch Greifvögel manchmal unterschätzen. So wie der junge Milan, dem Feuerwehr und Tierschützer jetzt das Leben retteten.

Wann sich das Unglück genau ereignete, lässt sich im Nachhinein nicht mehr exakt nachvollziehen. Was bleibt, ist auch die Frage „wie konnte das überhaupt passieren?“

Fakt ist, dass der Milan mit einer Spannweite von etwa 1,60 Metern irgendwann auf einer kleinen „Insel“ strandete, die sich auf dem Gelände eines Genkeler Bauernhofes inmitten eines umzäunten Auffangbeckens befindet. In die schlammige und nicht begehbare Vertiefung läuft Wasser aus dem nahen Melkstand. Und da lag der Greif nun mindestens einen Tag lang bei großer Hitze in der prallen Sonne, bis die Hofbesitzer ihn entdeckten – und sofort reagierten.

Sie riefen den heimischen Tierschutzverein (TSV) an, der wiederum alarmierte die Feuerwehr. Die Wehrmänner rückten mit Rüstwagen und Drehleiter an und hatten wenig Mühe, das etwa 800 Gramm schwere Tier aus seiner misslichen Lage zu befreien.

Matthias Dresp, Einsatzleiter und stellvertretender Zugführer des Löschzuges 1, schilderte die Rettungsaktion: „Wir haben den Korb der Drehleiter bis über die Insel manövriert und den Milan dann mit einem Kescher eingefangen. Betreten konnten wir den umzäunten Bereich nicht. Der Boden sieht zwar aus, als ob man ihn begehen könnte, das ist aber keineswegs so. Man würde einsinken. Deshalb auch der Zaun um das Gelände herum.“

Nach der Rettung wurde eine Expertin hinzugezogen, die sich mit Greifvögeln bestens auskennt: die Valberterin Birgit Struth. Sie ist Falknerin, hält selbst einen südamerikanischen Wüstenbussard und einen Uhu und verfügt über entsprechendes Fachwissen.

Ihre Diagnose: „Der Milan war vollkommen dehydriert und in keinem guten Zustand.“ Struth nahm den Vogel mit ins Ebbedorf und brachte ihn in einem dunklen Kellerraum unter. „In der Nacht zu gestern habe ich mir dann alle zwei Stunden den Wecker gestellt und das Tier mit einer Aufbaulösung versorgt. Die konnte es nicht selbst aufnehmen. Ich musste die Flüssigkeit mit Hilfe einer Spritze in den Schnabel befördern.“ Offensichtlich hat das aber eine Besserung bewirkt. Gestern Morgen war Birgit Struth hörbar erleichtert: „Der Milan hat die Nacht überstanden – und er trinkt wieder selbstständig.“

Ob es mit dem Patienten allerdings weiter bergauf geht, muss sich erst herausstellen. „Vermutlich ist ein Flügel gebrochen. Bisher haben wir noch keine genaue Untersuchung vorgenommen, um den Vogel zu schonen“, berichtete Struth.

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