Dramatische Minuten bei Feuerwehreinsatz

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Der stellvertretende Zugführer Matthias Dresp und Stadtbrandinspektor Ulrich Blumenrath (von links) sind froh, dass ihren Kameraden Frank Lehmann und André Busch (von rechts) bei dem Unfall nicht noch Schlimmeres passiert ist.

MEINERZHAGEN - „Mayday, Mayday.“ Wenn dieser Notruf über Funk abgesetzt wird, weiß jeder Feuerwehrmann, dass Kameraden in ernsthaften Problemen stecken. So auch der Meinerzhagener Stadtbrandinspektor Ulrich Blumenrath, als er den Hilferuf am 20. Dezember gegen 14 Uhr empfing.

Zusammen mit etwa 90 anderen Feuerwehrleuten war er gerade dabei, das Feuer in der Fabrikhalle der Firma „Windfuhr“ in Listerhammer unter Kontrolle zu bringen.

Die Lage zum Zeitpunkt des Notrufes war noch recht unklar. Dichter Qualm versperrte die Sicht in dem Gebäude, gerade hatte ein Erkundungstrupp unter Atemschutz die Halle betreten. Die Einsatzleitung wusste nur so viel: Das „Mayday“ hatten eben jene Kameraden abgesetzt, die in der Halle verschwunden waren. „Läuft dieser internationale Notruf bei uns auf, dann wird alles andere abgebrochen, womit wir beschäftigt sind. Dann gilt nur eines: Jeder konzentriert sich auf die Kameraden in Not.“

Genau das passierte auch bei dem Feuer vier Tage vor Heiligabend – mit Erfolg. Ein weiterer Trupp, der vorschriftsmäßig zur Absicherung vor dem Gebäude wartete, drang in die Halle ein und fand folgendes Szenario: Zwei der drei Atemschutzträger waren in eine Grube gestützt, etwa eineinhalb Meter tief. Der dritte Feuerwehrmann hatte geistesgegenwärtig den Notruf abgesetzt, er war unverletzt.

Anders die beiden „Abgestürzten“: Unterbrandmeister Frank Lehmann hatte sich bei dem „freien Fall“ ins Ungewisse das Handgelenk mehrfach gebrochen, Oberfeuerwehrmann André Busch zog sich starke Prellungen, Verletzungen an den Bändern und Blutergüsse zu. Beide leiden nach wie vor an den Folgen des Sturzes. Frank Lehmann kann noch immer nicht arbeiten, er musste mehrere Operationen über sich ergehen lassen und versucht nun, durch Krankengymnastik die volle Belastbarkeit und Beweglichkeit seiner Hand wieder herzustellen.

André Busch fuhr vier Wochen lang zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus nach Hellersen, brach aufgrund seiner Beschwerden die zunächste wieder aufgenommene Berufstätigkeit inzwischen ab. Eines ist beiden aber wichtig: „Die Feuerwehrkasse unterstützt uns wirklich vorbildlich, wir bekommen alles, was wir zur Genesung brauchen.“

Was bleibt, ist bei allen Beteiligten ein flaues Gefühl in der Magengegend, denn fehlerhaftes Verhalten gab es bei dem Einsatz nicht – passieren kann so ein Unglück also immer. „Es war auch für niemanden vorherzusehen, dass hinter dem Tor der Fabrikhalle eine Absturzkante lauerte“, weiß Ulrich Blumenrath.

Auch Frank Lehmann beachtete am 20. Dezember alle Vorsichtsregeln, war aber letztlich – wie André Busch – machtlos: „Wir waren erst einen halben Meter in der Halle, als uns der Qualm die Sicht vollständig nahm. Selbst die Hand war vor der Maske nicht zu sehen, die Helmlampen nutzten nichts. Wir wollten dann auf die Knie runter – doch da war nichts mehr. Was folgte war freier Fall und die Ungewissheit, wie tief es runter geht und was unten auf uns wartet. Das ist ein Gefühl, das ich keinem wünsche.“

Dass sie Feuerwehrleute geworden sind, bereuen übrigens beide trotz der traumatischen Erlebnisse nicht. Und wenn es ihre Gesundheit erlaubt, möchten beide den Dienst auch wieder aufnehmen, irgendwann. Im Moment geht das aber noch nicht.

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