Wehr rückte im vergangenen Jahr 257-mal aus

Normale Einsätze – und ein Skorpion

Ein immer größeres Thema: Wald- und Flächenbrände (wie hier im Juni 2020) dürften die Wehr auch weiterhin verstärkt beschäftigen. Zur besseren Vorsorge wurde dazu in Meinerzhagen eigens ein Arbeitskreis gebildet.
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Ein immer größeres Thema: Wald- und Flächenbrände (wie hier im Juni 2020) dürften die Wehr auch weiterhin verstärkt beschäftigen. Zur besseren Vorsorge wurde dazu in Meinerzhagen eigens ein Arbeitskreis gebildet.

Für wohl alle Branchen war das vergangene Jahr ein ganz besonderes. Auch für die Freiwillige Feuerwehr in Meinerzhagen – die aber in einem wesentlichen Punkt auf ein fast normales 2020 zurückblicken kann: Trotz doppeltem Lockdown und entsprechend weniger normalem Alltag ging die Zahl der Einsätze im Vergleich zum rekordverdächtigen Vorjahr nur leicht zurück.

Meinerzhagen – 257-mal rückte die Wehr in 2020 aus und damit nur 19-mal weniger als im Vergleichszeitraum 2019. „Dass die Zahl immer noch so hoch war, hat uns tatsächlich überrascht“, sagt Stadtbrandinspektor Christian Bösinghaus, der jetzt gemeinsam mit seinen Stellvertretern Steffen Kohl und Marc Schulte die Feuerwehr-Bilanz 2020 vorstellte – natürlich coronakonform per Videokonferenz. Weniger überraschend war angesichts der Pandemielage indes, in welchen Bereichen die Einsatzkräfte seltener ausrücken mussten. Dass die Menschen seltener unterwegs waren, zeigte sich im Rückgang der Zahl der Verkehrsunfälle (-10).

Schwerer Unfall im Steinbruch

Und die ebenfalls gesunkene Zahl an ausgelösten Brandmeldeanlagen (-12) habe widergespiegelt, dass viele Betriebe ihre Produktion zwischenzeitlich deutlich zurückgefahren haben. „Wo nicht gearbeitet wird, brennt´s auch seltener“, so Bösinghaus, der allerdings eine leichte Steigerung der Zahl von Kleinbränden registrierte (62 in 2020, +3).

In besonderer, aber leider trauriger Erinnerung bleibt den Wehrmännern und -frauen zweifellos der schwere Unfall im Steinbruch bei Berlinghausen am 22. Januar, wo zwei Lastwagen kollidiert waren. Zwar konnte der Absturz eines Lkw verhindert werden, doch einer der beteiligten Fahrer, der zunächst noch eingeklemmt war und befreit werden konnte, verstarb im Krankenhaus. Es war nur einer von vielen Einsätzen der Wehr, auf die Marc Schulte in seinem Bericht zurückblickte. Doch es gab auch Positives: So etwa die Ausrichtung einer Seminarreihe für den Verband der Feuerwehren NRW, zu der 600 Teilnehmer aus ganz NRW anreisten – ein Corona-Lockdown war an diesem 1. Februar noch in weiter Ferne. „Uns wurde schon signalisiert, dass man lange auf der Suche nach so einem gut gelegenen Veranstaltungsort für so viele Teilnehmer war. Eine Neuauflage ist – wenn die Lage es zulässt – durchaus wahrscheinlich“, freut sich Christian Bösinghaus. Andere Veranstaltungen, wie der feierliche Wechsel der Wehrleitung am 22. März, bei der Wehrleiter Thomas Decker und sein Stellvertreter Andreas Barutta feierlich verabschiedet werden sollten, fielen Corona zum Opfer. Genauso wie einige Lehrgänge, die zum großen Teil aber per Video stattfinden konnten. „Wir haben da schnell reagiert und haben viele Kameraden zum Glück trotz allem ausbilden können“, so Bösinghaus. Corona war überdies in Sachen Logistik ein Thema für die Meinerzhagener Wehr. Unter anderem mussten die Feuerwehrleute am 12. Juni 40 000 Mundschutze, 1800 Schutzkittel, 500 Liter Desinfektionsmittel und 8000 Schutzbrillen auf neun Krankenhäuser im gesamten Märkischen Kreis verteilen.

Und dann war da noch der ungewöhnliche Gast in einer Valberter Dachgeschosswohnung: Der Bewohner rief Polizei und Feuerwehr um Hilfe, weil sich ein Skorpion bei ihm häuslich eingerichtet hatte. Die Wehr fand das Tier schlussendlich und gab es mithilfe eines Experten in die Obhut des Dortmunder Zoos.

Ein neuer Rüstwagen

Auf einen Meilenstein in technischer Hinsicht wies Steffen Kohl hin: Seit dem 18. November kann die Feuerwehr auf den lang ersehnten neuen Rüstwagen zurückgreifen, den Kohl als „Werkzeugkoffer auf Rädern“ beschreibt. Die dreijährige Planungszeit für das 408 000 Euro teure Fahrzeug erfülle sämtliche aktuellen Anforderungen und habe sich bereits bewährt. Der 340 PS starke und 18 Tonnen schwere Wagen soll mindestens so lange seinen Dienst tun wie sein Vorgänger, der mehr als 20 Jahre „auf dem Fahrgestell“ hatte.

Gerüstet für die „Saison“

Geländegängig ist er in jedem Fall – und das ist auch nötig, wenn man die Tendenzen der vergangenen Jahre betrachtet. Immer häufiger müssen die Feuerwehrmänner und -frauen zu Wald- und Flächenbränden ausrücken. Die Trockenheit hinterließ ihre Spuren auch in Meinerzhagen. Und so reagierte die heimische Wehr nicht nur mit der Einrichtung eines Arbeitskreises „Waldbrand“, sondern auch ganz konkret mit der Anschaffung zusätzlichen Materials, das die Brandbekämpfung in unwegsamem Gelände erleichtern soll. „Wir können jetzt zum Beispiel auf D-Schläuche, die im Gelände viel wendiger und flexibler als C-Schläuche sind“, sagt Marc Schulte. Auch Löschrucksäcke mit einem Volumen von 20 Litern für die Bekämpfung kleiner Glutnester sowie verschiedene Handwerkzeuge seien mithilfe der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen angeschafft worden, so Schulte. So will man gerüstet sein für die nächste „Waldbrand-Saison“, die in diesem Jahr hoffentlich nicht noch einmal einen Einsatz wie am 30. Mai 2020 bereithält: Damals standen etwa 1000 Quadratmeter im Bereich Korbecke in Flammen. Der Wehr gelang es aber zum Glück, das Überspringen des Feuers auf weitere, vom Borkenkäfer befallene Fichten zu verhindern. „Sonst wäre das Ganze sicher schlimmer ausgegangen“, erinnert sich Schulte, der auf solche Bilder wie aus Gummersbach, wo die Meinerzhagener Wehr am 20. April ihre Kollegen in Strombach unterstützte, gerne verzichtet.

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