Abiturfeier am Evangelischen Gymnasium in Meinerzhagen

Abitur mit Abstand statt "Abivegas"

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Schulleiter Sven Dombrowski übergab die Zeugnisse an die Abiturienten, für die insgesamt vier Abiturfeiern durchgeführt wurden.

Meinerzhagen – EGM-Abiturfeier – das sind normalerweise 600 Gäste in der Stadthalle, ein festlicher Abend mit Reden, Musik und viel Programm, ein rauschender Ball mit knallenden Sektkorken. Normalerweise. Aber in diesem Jahr ist fast nichts normal. Aus Abivegas wurde Abi mit Abstand und aus dem Abiball eine Abiturfeier „mal vier“.

 „Uns ist es wichtig, diesen Jahrgang würdig zu verabschieden.“ Was Schulleiter Sven Dombrowski am Rande erwähnte, wurde am Mittwoch während der ersten von insgesamt vier, auf zwei Tage aufgeteilten und jeweils 90-minütigen Feiern in der Aula des Gymnasiums schnell als Herzensangelegenheit deutlich – auch wenn der feierliche Höhepunkt in diesem Jahr mit Hygieneregeln eröffnet wurde. 

Abitur unter Corona-Bedingungen

Abitur unter Corona-Bedingungen – dieser Ausnahmezustand, der die Abiturientinnen und Abiturienten während der letzten wichtigen Wochen ihrer Schulzeit getroffen hatte, wurde auch während der Zeugnisverleihung deutlich. Optisch, indem in der Aula die Stühle in Dreiergruppen für jede Familie aufgestellt worden waren. Inhaltlich, weil natürlich auch in den Reden das Thema Distanz eine Rolle spielte. Sven Dombrowski ging noch einmal auf die letzten so besonderen Schulwochen nach dem Homeschooling ein.

Abiturfeier Evangelisches Gymnasium Meinerzhagen 2020

Für die Abiturienten hatte der Shutdown zuvor immense Auswirkungen: keine Mottowoche, kein Abisturm, kein Abigag. Und später: Kein Händeschütteln bei der Notenbekanntgabe, keine Mitschüler, die auf den Fluren mitfiebern und mitbangen. Stattdessen ein Zettel an der Tür: Bitte verlassen Sie nach den mündlichen Prüfungen direkt das Schulgelände – „und das, nachdem dieses Gebäude in den letzten acht Jahren ein Teil der Heimat war“, erinnerte der Schulleiter.

Besonderes Geschenk für Abiturienten

Abstand sei das eigentliche Abiturmotto geworden, daher gab es für den Jahrgang 2020 ein besonderes Geschenk, das „die momentane und zukünftige Schülerschaft immer an dieses besondere Jahr erinnern soll“. Die beiden großen orangenen Roheisenplatten mit der entsprechenden Aufschrift, die auf der Bühne enthüllt wurden, sollen vor dem Oberstufengebäude in den Boden eingelassen werden. Und dennoch: „Wenn ein Begriff unsere Schulgemeinschaft überhaupt nicht beschreibt – dann Abstand“, fasste Sven Dombrowski zusammen, betonte aber zugleich, dass Abstand auch heilsam sein könne und der veränderte Blick eine neue Perspektive bewirke. „Suchen Sie also manchmal Abstand von sich, vom Alltag, von Gewohnheiten von der Masse und entdecken Sie ihr eigenes, persönliches Ziel in Ihrem Leben“, forderte er auf. Auch mit räumlichem Abstand könne man Vertrauen und Wertschätzung vermitteln. Nähe beginne dabei immer im Kopf. „Sich auf Nähe einzulassen birgt die Möglichkeit zu Veränderung, was einem mit Abstand dann erst bewusst wird.“

An den Ort, an dem das Geschehen eigentlich hätte stattfinden sollen, ging es auch im Zeitalter von Social Distancing – und zwar digital. Zumindest visuell war es kein Problem, die Distanz zu überbrücken, indem Bürgermeister Jan Nesselrath aus der Stadthalle „zugeschaltet“ wurde. Der diesjährige Abschluss sei etwas Besonderes, „aber Sie sind es auch, indem Sie sich durch die letzten Wochen gekämpft und es geschafft haben“, gratulierte Nesselrath und ging in seiner Videobotschaft auf das Abimotto ein: Das Leben sei auch ein Glücksspiel, „das Entscheidende ist aber, was man daraus macht.“ 

Geknackter Jackpot: Abitur

Auch für die beiden Stufenleiter Jennifer Bikowski und Andreas Peters tummelten sich in der „Enklave Abivegas“ schillernde Gestalten, Glücksspieler, Showacts, Magier und Zahlenakrobaten, Wirtschaftsexperten, Schauspieler und Allroundtalente: „Wir haben Potenzial entdeckt“, attestierten sie und erinnerten mit augenzwinkernder Ironie an die Oberstufenzeit. „Am Ende habt ihr den Jackpot: das Abitur!“ Das sei nicht mit Glück, Show und Zauberei geglückt, sondern mit Taktik, Wissen und Fleiß. Wer in der Schule viel gewinnen wollte, der habe viel Wissen als Einsatz bringen müssen, resümierten auch die beiden Jahrgangsstufensprecherinnen Laura Töws und Kathrin Nikolaus. Das Pokerface sei ständiger Begleiter gewesen: „Am Ende wurde der Jackpot geknackt.“ 

Die Besonderheit der beiden Abiturfeier-Tage wurde musikalisch mit eindrucksvollen Auftritten des Duos Lisa Dück und Viviane Penner sowie Charlotte Lück deutlich, die, begleitet von Musiklehrer Michael Otto am Flügel, den in der Corona-Zeit entstandenen Silbermond-Titel „Machen wir das Beste draus“ sang. Vor der lang ersehnten Zeugnisübergabe ließ der Film, der Dank des Lehrers Volker Schilmöller entstanden war, und der die Zeit am EGM mit vielen Erinnerungen von der Unter- bis zur Oberstufe Revue passieren ließ, den Abschied vom Abiturjahrgang 2020 zu einem ganz persönlichen werden. Die per Video überbrachten Wünsche der Lehrer rundeten genau dies ab. Und auch wenn zum Abschluss keine Sektkorken knallten, viele Gesichter glücklich, die Stimmung aber doch nicht ganz so ausgelassen war, überwog am Ende die Freude: „Wir sind froh, dass wir unseren Abschluss wenigstens auf diese Weise feiern können“, sagte ein Abiturient

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