„Gegen Diskriminierung aufstehen“

Auch die zweite Verlegung der Stolpersteine erfolgte unter reger Anteilnahme der Bevölkerung.

Meinerzhagen -   „Healing and peace to all of you – Heilung und Frieden für Sie alle!“ Mit diesem Wunsch, den Sheri Stern nach dem Kaddisch, dem wohl bekanntesten jüdischen Gebet, an den beiden Verlegeorten der Stolpersteine sprach, brachte sie gleichzeitig die Intention zum Ausdruck, die die Mitglieder jener Initiative bewegte, die sich für diese Art der Erinnerung in Meinerzhagen einsetzt.

Von Luitgard Müller

Nachdem vor rund einem Jahr bereits 17 Stolpersteine verlegt worden waren, kamen am Freitagmorgen 13 weitere vor dem Haus Zur Alten Post 8, früher Hauptstraße 6, und dem Gebäude Kirchstraße 5 hinzu. Einmal mehr wurden sie vom Kölner Künstler Gunter Demnig unter großer Anteilnahme der Bevölkerung verlegt. Und einmal mehr nahmen auch Familienangehörige der jüdischen NS-Opfer daran teil.

Bürgermeister Jan Nesselrath begrüßte Gail Stern und ihren Bruder Jeffrey Stern mit seiner Ehefrau Sheri, die auf den Spuren ihrer Vorfahren aus Baltimore in den USA angereist waren, sowie Shaked Spector, den Urenkel von Walter Rosenthal, der mit seiner ganzen Familie auch bei der ersten Verlegung dabei war. „Diese Begegnungen sind sehr wertvoll, da sie die überaus guten Beziehungen stärken, die Stadt und Bürgerschaft seit langen Jahren mit den Nachkommen und Angehörigen unserer ehemaligen Mitbürger haben“, sagte Nesselrath. Sein Dank galt der Stolperstein-Initiative für ihr Engagement, das Andenken an die NS-Opfer der Stadt lebendig zu halten. „Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“, machte er mit einen Zitat des Philosophen George Santayana deutlich.

Herbert Langenohl von der Stolperstein-Initiative sprach sich in seiner Ansprache für konkrete Maßnahmen aus, „denn nie wieder dürfen solche Ungeheuerlichkeiten, wie sie unsere früheren Mitbürger erleiden mussten, geschehen.“ Aufgabe der Erziehung und der Schulen sei es, das Selbstwertgefühl der heranwachsenden Generation zu stärken und die Mechanismen durchschaubar zu machen, die ausgrenzendes und menschenverachtendes Verhalten hervorrufen. „Es gehört Mut dazu, gegen Diskriminierung aufzustehen. Dieser Mut muss im Alltag immer wieder eingeübt werden.“ Während der Verlegung der Steine wurden von Meinerzhagener Schülern die Kurzbiografien der Familien Stern verlesen. Musikalisch umrahmt wurde sie von Mitgliedern der Gruppe Among Friends und dem jungen Gitarristen Benjamin Tanzius.

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