Nicht jeder Igel braucht Hilfe

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Im Herbst sind Igel besonders aktiv und fressen sich eine Speckschicht an.

Meinerzhagen -  Jetzt im Herbst sind junge und alte Igel ganz besonders aktiv, denn sie müssen sich einen Energiespeicher in Form einer Speckschicht anfressen (wobei eine Gewichtszunahme von 50 Gramm pro Woche keine Seltenheit ist) und auch einen sicheren und trockenen Platz für ihren Winterschlaf finden. Bei diesen Aktivitäten fällt oftmals ein besorgter Blick der Menschen auf die Tiere, aber nicht alle Stachelträger sind hilfsbedürftig.

Von Luitgard Müller

„Igel sind Wildtiere. Sie stehen unter Naturschutz und sollten nur im Notfall der Natur entnommen werden“, macht der Meinerzhagener Tierarzt Dr. Rainer Schulze Johann deutlich. Also nur, wenn sie verletzt, krank, stark von Parasiten befallen oder Jungigel sind, die bei längerer Beobachtung nicht von ihrer Mutter versorgt werden, obwohl sie laut rufen. „Vor Mitte November oder vor dem ersten Frost sollten Igel auf keinen Fall aus falsch verstandener Fürsorge aufgenommen werden, es sei denn, sie sind auffallend unterernährt oder sichtlich krank“, betont der Tierarzt.

Aufgenommene Igel benötigen vor allem einen warmen Platz und sollten nicht im kalten Keller untergebracht werden. Am besten holt man sich aber sachkundigen Rat beim Tierarzt oder einer Igelstation, denn nicht jeder Igel braucht Hilfe, und gerade bei Unterbringung und Fütterung der Tiere werden häufig fatale Fehler gemacht, die den Stachelträger leicht das Leben kosten können.

Igel sind geräuschempfindliche Einzelgänger, die tagsüber schlafen. Jeder Igelpflegling braucht also eine eigene ausbruchsichere Unterkunft von etwa zwei Quadratmetern Fläche und mindestens 50 Zentimetern Höhe sowie ein gut gepolstertes Schlafhäuschen. Der Boden sollte leicht zu reinigen sein und ist mit mehreren Lagen Zeitungspapier (nicht mit Sägemehl, Katzenstreu oder ähnlichem) zu bedecken, die täglich, am besten morgens, zu wechseln sind.

Igel sind Insektenfresser. Die Ernährung muss sich an der inhaltlichen Zusammensetzung der natürlichen Nahrung orientieren, also fett- und eiweißreich sein. AlsGrundnahrungsmittel kann Katzen- und Hundedosenfutter oder Eier (hartgekocht oder als Rührei), Geflügelfleisch (gekocht), Hackfleisch (kurz mit Maiskeimöl anbraten, so dass es durchgegart ist) in Zimmertemperatur gegeben werden. Als darunter zu mischende „Ballaststoffe“, zur guten Verdauung unerlässlich, eignen sich Weizenkleie, Haferflocken und Igeltrockenfutter, das aber niemals als Alleinfutter gegeben werden sollte.

Zu Trinken bekommt der Igel frisches Wasser. Milch bewirkt wegen des für Igel unverträglichen Milchzuckers Durchfall, in der Folge Darmentzündungen und Infektionen, die tödlich enden können. Das Wasser reicht man in kippsicheren, flachen Glas- oder Porzellannäpfen.

Obst und Gemüse, Käse, Nüsse, Quark und Joghurt gehören nicht auf den Speisezettel des Igels!

Am besten kann man Igeln über den bevorstehenden Winter aber helfen, indem man naturnahe Gärten mit Hecken, einheimischen Gehölzen sowie Reisig-, Laub- und Komposthaufen anlegt oder zumindest eine solche Ecke im Garten für sie reserviert. Denn dort finden sie Nahrung und ein Winterquartier, das aus geeignetem verfügbarem Material aufgeschichtet, weich gepolstert, bei den ersten Nachtfrösten bezogen und erst im Frühling wieder verlassen wird.

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