Wegfall der R61 MK

Großer Ärger um fehlende Busverbindung

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Kein Anschluss an dieser Haltestelle: Die Familie Karpensky lebt in Mühlhofe und ist direkt von der neuen Taktung der Buslinie betroffen. Elisabeth (9) und Wolf (7) besuchen die Ebbeschule in Valbert. „Morgens fährt der Bus schon fast anderthalb Stunden vor Schulbeginn, nach der fünften Stunde sind die Kinder mit dem ALF-Bus bis zu einer Stunde und 40 Minuten unterwegs“, sagt Mutter Anne Karpensky.

Valbert - „Auf dem Land wohnen“ – gerade für Großstädter ist das der Traum von Ruhe und Natur, von Idylle und guter (weil nicht allzu viel) Nachbarschaft. Doch wer in Ortschaften wie Gerringhausen oder Mühlhofe lebt, weiß um die Schattenseiten dieser Lage. Zum Beispiel, wenn es um die Busverbindung zu den heimischen Schulen geht.

Bereits im September 2018 hatte die MZ über den Wegfall der Linie R61MK berichtet (siehe Info-Kasten). Irgendwann endet jede Geduld. Und die wird bei Simone Lopata und Anna Karpensky derzeit auf die Probe gestellt. Mit Anfragen an die Stadtverwaltung, die Bezirksregierung und die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG) kamen sie bislang nicht weiter. 

Darum geht´s

Die Familie Karpensky wohnt in Mühlhofe, sieht seit dem Wegfall der Buslinie R61 MK durch die Verkehrsbetriebe Westfalen Süd (VWS) für ihre Kinder keine Möglichkeit mehr, in angemessener Zeit nach Hause zu kommen. „Hier fährt morgens kein Bus nach Valbert und nachmittags, nach der fünften Stunde, kommen meine Kinder auch nicht nach Hause!“ sagt Anna Karpensky. 

Ähnlich die Situation bei Familie Lopata aus Gerringhausen. „Mein Sohn besucht das Evangelische Gymnasium und steht dreimal in der Woche, wenn er vier Stunden hat, um 12.50 Uhr in Valbert“, sagt Mutter Simone Lopata. 

"Fahrplanlücken sind gefüllt"

Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises, der als „Aufgabenträger“ für die Linien der MVG auftritt, betont hingegen auf MZ-Anfrage, dass seit dem Fahrplanwechsel im Februar 2019 die „Fahrplanlücken“ der VWS wieder gefüllt worden seien. „Das seinerzeit umgesetzte Leistungsangebot der R61 der VWS und der Linien 282 und ALF 96 der MVG, entsprechen voll und ganz den Vorgaben des Nahverkehrsplanes MK“, erklärt Klein. 

Das heißt: Zwischen Meinerzhagen und Valbert sei montags bis freitags ein Busverkehr im 60-Minuten-Takt und zwischen Valbert und Attendorn ein 120-Minuten-Takt vorgesehen. Die VWS biete zusätzliche Fahrten der R61 mit Halt in Mühlhofe/Gerringhausen in den Morgen- und Mittagstunden an. „Diese Verkehrsbedienung hat die Bezirksregierung Arnsberg entsprechend genehmigt.“ 

ALF ist keine echte Hilfe

Ein Verweis der MVG auf den sogenannten ALF-Bus (Anruf-Linien-Fahrt) von Valbert nach Gerringhausen helfe beiden Familien nicht, wie Karpensky und Lopata betonen. Für die Mühlhoferin Anna Karpensky ist die Haltestelle in Gerringhausen keine Option, denn: „Bis dorthin können meine Kinder nicht laufen. Dafür müssten sie die Bundesstraße kurz vor einer nicht einsehbaren Kurve überqueren. Außerdem müssten sie von Gerringhausen bis zur Bundesstraße an der Straße entlang laufen – ohne Bürgersteig!“ 

Vermissen den Anschluss von Gerringhausen: Simone Lopata und ihre Söhne Noah (10) und David (9).

Der ALF-Bus sei außerdem aufgrund der langen Fahrzeit keine Alternative, „sie bräuchten für den Weg von der Schule nach Hause eine Stunde und 40 Minuten“, rechnet Karpensky vor und befürchtet, noch viele Jahre mit dem Beförderungsproblem konfrontiert zu sein. „Diese ganze Situation ist unzumutbar. Wir haben sechs Kinder, unsere jüngste Tochter wurde erst am 11. April geboren. Für uns wird das also die nächsten Jahre ein Thema sein!“ 

Doch auch für Simone Lopata aus Gerringhausen ist der ALF-Bus nach eigenen Angaben keine Lösung, denn: Ihr Sohn, der das Evangelische Gymnasium besucht, stehe nach der Schule dreimal in der Woche in Valbert und komme nicht weiter, „weil der Fahrplan des ALF-Busses so gestaltet ist, dass er unseren Bereich umfährt“, erklärt Lopata. Das heißt auch für ihren jüngeren Sohn, der noch die Ebbeschule besucht, viermal pro Woche: warten auf das Elterntaxi. „Ein halbes Jahr lang hole ich meine Kinder jetzt von der Schule ab, es ist für mich nicht mehr zumutbar“, sagt Simone Lopata. 

Familien können hoffen

Doch die Familien dürfen offenbar hoffen: Auf Nachfrage der MZ deutet sich eine Lösung an, um in den Mittagsstunden weitere Fahrten anbieten und die erheblichen Wartezeiten verkürzen zu können. Kreis-Pressesprecher Hendrik Klein: „Es ist vorgesehen, für zwei Fahrten der ALF 96 eine Konzessionsänderung mit einem zusätzlichen Halt in Mühlhofe/Mühlhofe Gerringhausen bei der Bezirksregierung Arnsberg zu beantragen.“ Diese Konzession lag zuvor nämlich bei der VWS.

Wie viel Zeit bis dahin vergeht, ist indes unklar. „Das entscheidet die Bezirksregierung nach Anhörung aller Beteiligten“, so Klein. Für die Familien Lopata und Karpensky heißt es also vorerst weiterhin: Selber fahren – oder lange auf die Heimkehr der Kinder warten.

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