Valberter Rewe-Markt schließt im September

Der Abschied vom Rewe-Markt fällt allen schwer. Alexander Trost und Mutter Hella (rechts) mit drei besonders lang im Unternehmen tätigen Mitarbeiterinnen: Von links Vera Müller, Erika Macyowsky und Helma Dörnen, letztere seit 26 Jahren dabei. - Foto: vom Hofe

Valbert -  Am Samstag, 21. September, ist unwiderruflich der letzte Verkaufstag im Valberter Rewe-Markt von Familie Trost. „In der Woche darauf beginnt das große Aufräumen“, so Alexander Trost (33), der älteste Sohn der Familie.

Von Horst vom Hofe

„Die Entscheidung zur Schließung ist uns wahrlich nicht leicht gefallen. Am Ende aber hat nach Abwägung aller leider überwiegend negativer Fakten die Vernunft über die Gefühle siegen müssen!“ schildert er den schwierigen Entscheidungsprozess im Gespräch mit der MZ.

Für Valberts Ortsvorsteher Fred Oehm ist die am 20. Juli über eine erste kurze Mitteilung in der MZ öffentlich bekannt gewordene Entwicklung rund um den Supermarkt im Dorfzentrum ein echter Schock. „Mich haben seither zahlreiche Bürgerinnen und Bürger angesprochen. Mit ihnen bin ich mir einig in der Feststellung: Das darf eigentlich nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit gewesen sein. Für Valbert würde die endgültige Schließung einen erheblichen Verlust an Standortqualität bedeuten“, so Oehm im Gespräch mit unserer Zeitung. Er kündigte an, sich in direkten Gesprächen mit der Rewe-Zentrale in Köln für eine mögliche Nachfolgeregelung einsetzen zu wollen.

Doch das dürfte nach Lage der Dinge nicht einfach, womöglich sogar ohne Erfolgsaussichten sein. In einem ausführlichen Hintergrundgespräch erläuterte Alexander Trost die besonderen Umstände, die aus der Sicht der jetzigen Betreiber jedenfalls keine Basis mehr für eine Fortführung des Supermarktes in bisheriger Form bieten.

2001 hatten die aus Attendorn stammenden Eheleute Rüdiger und Hella Trost den Rewe-Markt in Valbert übernommen. Der war zuvor in Regie der ortsansässigen Familie Dörnen geführt worden. Der Supermarkt mitten im Dorfzentrum war vor mittlerweile rund 25 Jahren auf einem Gartengelände der benachbarten Gaststätte „Junkernhaus“ errichtet worden. Die Gaststätte selbst wurde abgerissen. In einem Neubau entstanden Wohnungen und einige Ladenlokale, darunter auch im Erdgeschoss ein dem neuen Rewe-Markt angegliederter Getränkemarkt. Rund 50 unmittelbar auf dem Gelände liegende Parkplätze bieten für die Kunden und Nutzer gute Rahmenbedingungen an diesem Standort.

Eigentümer der Immobilien ist eine Erbengemeinschaft der Familien Lück/Borg. Die wiederum fanden zunächst in der Rewe für den Supermarkt einen langfristigen Mieter. Dieses Vertragsverhältnis endet nach jetzigem Stand im Jahr 2016. Familie Trost wiederum ist über eine dafür gegründete Offene Handelsgesellschaft (OHG) der wirtschaftlich selbständige Betreiber des Supermarktes.

Diese Konstellation erweist sich in besonderer Situation nunmehr als problematisch. Durch die Ansiedlung eines großen Discounters (Lidl) nur einige hundert Meter entfernt auf dem ehemaligen Grundstück der Valberter Kunststoffverarbeitung vor fünf Jahren ergibt sich in Valbert eine neue Konkurrenzsituation. „Wir haben alles versucht, dagegen zu halten. Wir haben unsere Öffnungszeiten werktäglich von 7 bis 22 Uhr deutlich verlängert. Wir haben unser Warensortiment im Frischebereich, so vor allem auch bei den Wurst- und Fleischwaren, noch attraktiver gestaltet. Und wir haben bis zuletzt festgehalten an hohem persönlichen Service durch unsere insgesamt rund 30 Mitarbeiter“, erläutert Alexander Trost. Am Ende aber bleibe zu konstatieren, dass es dauerhaft erhebliche Umsatzeinbußen gab, die nicht aufzufangen waren. „Valbert verträgt von seiner Größe her keine zwei Supermärkte“, so das Fazit aus Sicht von Familie Trost.

Ein weiterer Faktor, den man zuvor so nicht auf der Karte hatte, kam Anfang des Jahres unerwartet dazu: Das Dach des Supermarkt-Gebäudes erwies sich als dringend sanierungsbedürftig. Der Tüv hatte erhebliche Mängel hinsichtlich von Schneelasten festgestellt und klare und auch terminliche Vorgaben gemacht. „Bis zum nächsten Winter muss das Dach repariert sein,“ so Alexander Trost. Die auf rund 150 000 Euro veranschlagte Sanierung wäre nach den bestehenden Nutzungsvereinbarungen voll zu Lasten der jetzigen Betreiber, also von Familie Trost gegangen. „Das konnten und das wollten wir uns in dieser ohnehin wirtschaftlich schon deutlich schwieriger gewordenenen Situation nicht auch noch als belastende Hypothek für die weitere Zukunft aufbürden“, erklärt Alexander Trost.

Auch die Hoffnung, dass die Rewe-Zentrale im Sinne einer weiteren Präsenz in Valbert die Umwandlung in eine Filiale ins Auge hätten fassen können und es dann vielleicht auch für zumindeste einen Teil der Mitarbeiterschaft eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit gegeben hätten, zerschlug sich nach eingehenden Gesprächen.

Auch der seit Anfang des Jahres in Valbert wohnende und gerade frischgebackene Vater Alexander Trost selbst weiß noch nicht, wie es für ihn persönlich, seine beiden mit im Geschäft tätigen jüngeren Brüder und die Eltern nach der Aufgabe der Selbständigkeit weiter gehen wird. Und ebenso bedrücken ihn die Konsequenzen für die zum Teil langjährig im Familienunternehmen tätigen Mitarbeiter, von denen etliche mittlerweile in einem Alter sind, wo es für sie auf dem Arbeitsmarkt nur noch schwer möglich sein dürfte, eine neue Perspektive zu finden. „Es ist alles schon ziemlich traurig!“

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