Überwältigende Gefühle in einem Treppenhaus

Ein Besuch auf dem jüdischen Friedhof war gestern ebenfalls eingeplant. Von links Tochter Roxanne, Vater Dennis, Mutter Miriam und Sohn Elliot Stern am Grab ihrer Verwandten. - Fotos: Beil

Meinerzhagen - „Ich hoffe, dass ich wiederkommen kann. Meinerzhagen ist wirklich wundervoll. In erster Linie meine ich damit die Menschen hier. Und dann ist auch alles noch so schön grün.“ Dennis Stern war beeindruckt. Und das besonders, als er am Dienstagmorgen das Haus Hauptstraße 31 betrat, in dem sein Vater Erich einst wohnte, zusammen mit dessen Mutter Thekla und Vater Louis. Die Großeltern wurden damals von den Nazis ermordet. Sie starben in einem Vernichtungslager.

Von Jürgen Beil

Erich Stern hingegen gelang die Flucht aus Deutschland. Zunächst brachte er sich in Shanghai in Sicherheit. 1947 siedelte der gebürtige Meinerzhagener dann in die USA über, wo er in San Francisco eine neue Heimat fand. Dort wurde 1958 Sohn Dennis geboren. Der war am Dienstag zum ersten Mal in Meinerzhagen, auf der Suche nach Spuren seiner Vorfahren. Und die gibt es immer noch. An Erich und dessen Vater Louis Stern erinnern im Gehweg eingelassene Stolpersteine an der Hauptstraße.

Tief bewegt schritten Dennis Stern, Ehefrau Miriam, Tochter Roxanne und Sohn Elliot die Stufen in dem engen Treppenhaus hinauf. Unter dem Dach wohnten damals die Sterns und im Erdgeschoss war eine Metzgerei untergebracht. Begleitet wurden sie bei dem nicht einfachen Gang von Stadtarchivarin Ira Zezulak-Hölzer und Rolf Janßen von der Initiative Stolpersteine. Die kleinen Gedenksteine findet Dennis Stern übrigens „fantastisch“: „Sie stellen eine Verbindung her zwischen meiner Familie und der Stadt Meinerzhagen. Sie erzählen der Welt unsere Geschichte.“

Zum ersten Mal besucht Familie Stern in diesen Tagen Europa. „Meinerzhagen ist dabei unsere wichtigste Station“, schildert Miriam Stern ihre Eindrücke. Sie schafft es nicht immer, die Tränen zurückzuhalten. Dabei legt die Lehrerin aber großen Wert darauf, dass nicht nur die düsteren Gedanken an die Vergangenheit die Begegnungen in Meinerzhagen bestimmen: „Es ist wichtig, gemeinsam für Frieden einzustehen und sich zu treffen, miteinander zu reden und Freundschaften zu schließen. Das ist unsere Verantwortung.“

Ehemann Dennis, in den USA als Landvermesser tätig, versteht jetzt jedenfalls besser, was sein Vater Erich ihm schon als Kind erzählt hat: „Vom Skifahren und auch vom Fußball in Meinerzhagen. Jetzt bin ich hier, sehe das alles selbst.“ Und was waren seine Gefühle, als er am Frankfurter Flughafen das erste Mal seinen Fuß auf deutschen Boden setzte? „Ich bin wirklich froh, endlich aus diesem Flieger raus zu sein“, lacht der Familienvater.

Von Meinerzhagen, wo ein Besuch auf dem jüdischen Friedhof, ein Stadtrundgang und ein Empfang bei Bürgermeister Erhard Pierlings auf dem Programm stand, geht es für die Sterns nun weiter nach Berlin. Es folgen Stationen in Krakau, im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und Abstecher nach Prag, Mailand und Venedig. „Das hier, das war aber der Höhepunkt“, ist Familie Stern sicher.

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