Hilfe im Katastrophengebiet

Statt Urlaub: Familie aus MK hilft Flutopfern im Ahrtal

Stefan und Simona Busch, die Töchter Melina und Marie und das Team des Elektro-Betriebs Busch reisten zusammen nach Ahrweiler, um Hilfe zu leisten.
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Stefan und Simona Busch, die Töchter Melina und Marie und das Team des Elektro-Betriebs Busch reisten zusammen nach Ahrweiler, um Hilfe zu leisten.

Eigentlich wollten sie ein Urlaubswochenende in Ahrweiler verbringen. Dass aus dem lange geplanten Ausflug nichts werden würde, war für Familie Busch nach der Flutkatastrophe schnell klar. Genauso klar war für Stefan Busch, Ehefrau Simona und die Töchter aber auch: „Wir fahren hin – um zu helfen.“

Meinerzhagen – „Wir kennen Ahrweiler eigentlich ganz gut, waren bereits mehrfach dort“, erzählt Simona Busch-Brock. Erst im Mai hatte die Familie einen Tag in dem rheinland-pfälzischen Ort verbracht. Vom Ahrweiler im Frühling ist im Sommer jedoch nicht mehr viel übrig: „Es sieht einfach schlimm aus. Ganze Straßenzüge sind zerstört. Überall riecht es nach feuchtem Putz. An den Häusern sieht man die Wassermarke, die meisten sind ausgeräumt“, schildert die Meinerzhagenerin ihre Eindrücke. Mittlerweile, mehr als einen Monat nach der Flutkatastrophe, gleiche Bad Neuenahr-Ahrweiler einer Geisterstadt.

Stromversorgung ein Problem

Die Infrastruktur – zerstört. Viele Menschen haben immer noch weder Wasser noch Strom. Letzteres war auch für Stefan Busch ein Grund, in die Flutregion zu fahren. Der Handwerksmeister und Inhaber des Elektro-Betriebs Busch will helfen, „weil einfach jegliche Unterstützung gefragt ist.“

Über ein Internetportal bot Busch seine handwerkliche Hilfe als Spende an und erhielt auf diesem Weg „Aufträge“. Der Meinerzhagener reiste nicht alleine in die Ahr-Region, seine Mitarbeiter begleiteten ihn: „Ich habe meine Jungs gefragt und alle waren sofort mit dabei.“ Marvin Nenn, Jannik Höpker, Uwe Kasper, Dirk Pestka und Kurt Valbert opfern dafür ebenso wie ihr Chef Urlaub und Freizeit.

In der vom Hochwasser so stark betroffenen Region gibt es für Fachkräfte viel zu tun. Nach der Wiederherstellung der Grundversorgung in den Straßen durch den örtlichen Energieversorger konnten die Helfer in den Häusern für den Anschluss des Stroms sorgen – zumindest in den oberen Etagen. Elektroinstallationen, die vom Wasser geflutet wurden, können dagegen nicht ohne Weiteres wieder in Betrieb genommen werden.

Von Normalität weit entfernt

Die Helfer aus der Volmestadt sorgten daher vor allem für Provisorien, „drei Steckdosen, wo vielleicht ein Trockengerät angeschlossen werden kann oder eine Stemmmaschine, um den Putz ab zu stemmen.“

Von der Normalität werden die Menschen in der Flut-Region noch lange entfernt sein, ist sich Stefan Busch sicher. „Die Menschen haben nichts, stellenweise noch nicht einmal fließendes Wasser.“ Auf der Straße stehen Behälter, aus denen Wasser in Eimern abgefüllt werden kann – etwa als Toilettenspülung.

Umso mehr haben die Bewohner des Ahrtals großen Schrecken und traumatische Stunden erlebt. Das merkt man, wenn man mit den Menschen ins Gespräch kommt, sagt Stefan Busch. „Wir hätten an einem Tag noch zwei, drei Häuser mehr schaffen können, doch zwischendurch waren wir auch Seelsorger. Viele müssen einfach reden“, so seine Erfahrung. Und alle seien dankbar für Hilfe.

Containerstadt entsteht

Auf einem ehemaligen Campingplatz sei man dabei, eine Containerstadt einzurichten. Versorgungsmöglichkeiten sollen so gesichert werden. Das Meinerzhagener Elektrik-Team schloss Waschmaschinen und Trockner an, außerdem eine große Gewerbespülmaschine, in der das Geschirr bei 85 Grad gespült werden kann – zumindest das, was noch übrig ist. Auch einen Friseur und einen Lebensmittelmarkt soll es hier geben.

Bei seinem zweiten Besuch wurde der 50-Jährige von seiner Familie begleitet. Die älteste Tochter Melina ist Studentin, lebt in Köln: „Man ist auch regional nah dran“, sagt sie. In Ahrweiler selbst sei es für sie erschreckend gewesen, zu sehen, was ein kleiner Fluss anrichten könne.

Während ihre Mutter im Versorgungszelt half, bot die 22-Jährige zusammen mit ihrer Schwester Marie (19) in der Stadt Hilfe an. „Wir haben einfach gefragt, was wir tun können.“ Genauso wie viele andere Freiwillige auch.

Wohnhaus entkernt

Mit weiteren Helfern entkernten sie schließlich ein Wohnhaus. Wie so viele andere Gebäude auch stand das dreistöckige Gebäude bereits leer. Eigentlich war es nur noch ein Rohbau, berichtet Melina. „Durch ein Kellerfenster haben wir alle Fliesen raus geräumt, die von anderen Helfern im Haus raus gerissen wurden.“ Die Besitzer des Hauses – ein älteres Ehepaar: „Sie waren natürlich dankbar, aber es war auch traurig und man hat gespürt, wie sehr sie das alles mitgenommen hat. Für uns Helfer wollten sie stark sein.“ Trotz aller Hilfe habe sie die Stimmung als bedrückend empfunden, sagt die Studentin. „Am Ende hat man fast ein schlechtes Gewissen, dass man wieder in sein eigenes schönes Zuhause fährt.“

Melina Busch ist sich ebenso wie ihr Vater sicher, dass Hilfe noch über Wochen und Monate gefragt sein wird. Für Stefan Busch steht daher fest, dass er noch weitere Wochenenden in Ahrweiler verbringen wird: „Wir sind noch nicht fertig.“ Seine Mitarbeiter traten auch am vergangenen Wochenende den Weg ins Ahrtal an. Jedes Mal früh morgens hin, abends zurück.

Mit dem Ende der Ferien werde vermutlich die Hilfe etwas nachlassen, fürchtet der Elektro-Fachmann. Dabei sei mittlerweile auch das Können von Experten gefragt. Viele Handwerksbetriebe seien immerhin selbst von der Flutkatastrophe betroffen, haben weder Werkzeug noch Fahrzeuge. Auch in den nächsten Monaten dürfe das nicht vergessen werden. „Die Menschen werden noch lange Hilfe benötigen.“ Ohne zuvor Kontakt aufgenommen zu haben, sollte allerdings niemand ins Ahrtal fahren, rät Busch. „Mittlerweile sollten die Einsätze dort koordiniert sein“, so sein Hinweis.

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