Fünf Kriterien müssen erfüllt werden

Fairtrade-Stadt: Es gibt Bewegung

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Gertrud und Horst Brockmann würden interessierten Gastronomen beratend zur Seite stehen, sollten im Zuge der Zertifizierung Meinerzhagens zur „Fairtrade-Town“ Fragen aufkommen.

Meinerzhagen - Von der ersten Idee bis zur Umsetzung kann durchaus einige Zeit vergehen – dass ihr Antrag, Meinerzhagen zu einer „Fairtrade-Stadt“ zu machen aber auch nach fast zwei Jahren nicht realisiert werden würde, damit konnte die Grünen-Fraktion wohl kaum rechnen. Doch nun kommt Bewegung in das Vorhaben.

Rückblende: Wie die MZ seinerzeit berichtete, hatten die Grünen Anfang April 2015 erstmals das Fairtrade-Siegel für Meinerzhagen ins Gespräch gebracht. Zwei Monate später stimmte der Rat diesem Antrag mit großer Mehrheit – gegen die Stimmen von FDP und eines CDU-Ratsherren – zu: Die Stadt sollte die Zertifizierung fortan in Angriff nehmen.

In der Folge geschah jedoch zunächst nur wenig. Grund soll, so hieß es damals hinter vorgehaltener Hand, auch die ungeklärte Frage der Zuständigkeit und Verantwortlichkeit gewesen sein. Nach dem Ratsbeschluss tagte zwar regelmäßig eine (für die Zertifizierung notwendige) Steuerungsgruppe, und bereits im Dezember 2015 hieß es, dass man „im Grunde alle Kriterien erfüllt“ – doch auch aus der für 2016 angedachten Informationsveranstaltung wurde schließlich nichts.

„Eigentlich sollte im Oktober ein Treffen stattfinden, bei dem auch ein Referent des Vereins Transfair vor Ort sein sollte. Der musste aber aus Krankheitsgründen absagen“, erinnert sich Bernd-Martin Leonidas, Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins, der von der Stadt um die Koordinierung der Zertifizierung gebeten wurde. Und so blieb Meinerzhagen auch 2016 ohne Fairtrade-Siegel.

Nun erhofft sich Leonidas allerdings für das Frühjahr einen neuen Termin, zu dem nicht nur Vertreter aus der Gastronomie und des Einzelhandels, sondern auch von Unternehmen eingeladen werden sollen. Denn will Meinerzhagen sich künftig „Fairtrade-Town“ nennen, gilt es, gleich mehrere Akteure ins Boot zu holen. „Natürlich könnte man auch einfach Zettel verteilen und um Teilnahme bitten. Aber ich denke, das wäre der falsche Weg. Wir müssen über die verschiedenen Möglichkeiten der Beteiligung umfassend informieren“, ist Bernd-Martin Leonidas überzeugt.

Mittlerweile sind laut dem Verein Transfair als Initiator des Zertifikats bundesweit 450 Städte und Gemeinden als „Fairtrade-Town“ zertifiziert, allein 109 liegen in Nordrhein-Westfalen. Doch nicht alle Vertreter des fairen Handels stehen diesem Konzept unkritisch gegen über – so war in Meinerzhagen zwischenzeitlich sogar die Beteiligung des Weltladens in Gefahr.

„Wir haben ernsthaft überlegt, aus der Zertifizierung auszusteigen“, sagte Gertrud Brockmann vom Meinerzhagener Weltladen am Donnerstag auf Anfrage. Transfair, so kritisiert sie, vergebe zu leichtfertig seine Siegel an Großkonzerne. Der Vorwurf: Transfair sei der Wirtschaft etwa hinsichtlich des Anteils fair gehandelter Inhaltsstoffe in Produkten entgegengekommen. „Da genügen manchmal 20 Prozent fair gehandelter Inhalte. Wir halten ein Minimum von 50 Prozent für angemessen“, betonte Brockmann.

Letztlich habe sich das Weltladen-Team aber doch für eine weitere Beteiligung an der Zertifizierung Meinerzhagens ausgesprochen, um das Thema „Fairer Handel“ nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „Man muss dem Verein Transfair auf jeden Fall zugute halten, dass er auf fairen Handel aufmerksam macht“, betont Horst Brockmann, Mitbegründer der Eine-Welt-Initiative in Meinerzhagen. „Und das Wichtigste ist natürlich, dass sich der Kunde beim Kauf überhaupt für ein Fairtrade-Produkt entscheidet“, so Gertrud Brockmann.

Fünf Kriterien sind zu erfüllen

Um als „Fairtrade-Town“ des Vereins Transfair bezeichnet werden zu können, muss eine Kommune fünf Kriterien erfüllen:

1. Ratsbeschluss (erfolgt am 7. Juni 2015) zur Teilnahme.

2. Bildung einer Steuerungsgruppe, die aus mindestens drei Personen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft besteht.

3. Angebot von mindestens zwei Produkten aus fairem Handel in Einzelhandelsgeschäften, bei Floristen sowie in Cafés und Restaurants. In Meinerzhagen müssen sich aufgrund der Einwohnerzahl fünf Einzelhändler und drei Gastronomiebetriebe beteiligen.

4. Beteiligung mindestens einer Schule, Kirchengemeinde oder eines Vereins.

5. Veröffentlichung von mindestens vier Artikeln zum Thema in den Medien.

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