„Unbefestigter Weg wäre für Schüler viel zu gefährlich“

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Steil, schmal und unbefestigt – der Host-Weg, der Wilkenberg und Valbert verbindet und den Schüler passieren müssten. Aus Sicht der Eltern ist die Strecke zu gefährlich, da sie aufgrund der Sperrung der L 707 auch als Ausweichstrecke genutzt wird und entsprechend viel befahren wird. 

WILKENBERG - Zur Bushaltestelle gehen und mit dem Bus zur Schule fahren – das ist derzeit für die Schüler aus Wilkenberg unmöglich. Seit Anfang Mai geht auf der L 707 nichts.

Die Straße wird erneuert und ist aus diesem Grund komplett gesperrt. Für die Anwohner der angrenzenden Orte bedeutet das viele Umwege, und für die Wilkenberger Schüler und ihre Eltern viele Schwierigkeiten und Umstände in Sachen Schulweg (MZ berichtete).

Vorne weg: „Dass die Straße saniert wird, ist gut und wichtig“, sind sich die Wilkenberger Eltern einig. „Leider wurden wir sehr kurzfristig über den Beginn der Baumaßnahme und den damit verbundenen Busausfall informiert“, sagt Simone Bischkopf. Sie habe einen entsprechenden Brief sogar erst einen Tag vor der Sperrung erhalten. Ihr Sohn habe sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Busfahrkarte für den Weg zur Arbeit gekauft. Nutzen konnte er sie nicht.

Zehn Wilkenberger Kinder besuchen die Valberter Grundschule, etwa genauso viele Schüler sind es, die eine weiterführende Schule in Meinerzhagen, Kierspe oder Attendorn besuchen. Innerhalb kürzester Zeit mussten die Eltern gewährleisten, dass ihre Kinder zur Schule nach Valbert beziehungsweise zur dortigen Haltestelle kommen, um dann mit dem Bus weiter Richtung Meinerzhagen oder Attendorn fahren zu können.

„Uns wurde mitgeteilt, dass eine Ersatzhaltestelle eingerichtet wurde. In Pütthof. Das ist am Ende der Baustelle und für uns natürlich gar nicht zu erreichen“, berichtet Antje Hortmann.

Die Fahrten zu stemmen, bedeute für viele Familien einen großen Aufwand und auch manche Hürden. Man könne nicht einfach davon ausgehen, dass alle Eltern Fahrmöglichkeiten haben.

Nicht jede Familie habe zwei Autos und wenn ein Elternteil berufstätig sei und das Auto für die Fahrt zur Arbeit benötigt werde, werde es schwierig. Als sie diese Bedenken bei der Stadtverwaltung vorgebracht habe, habe man ihr gesagt, es gebe doch eine gute Dorfgemeinschaft in Wilkenberg, berichtet Antje Hortmann. Darauf könne man die Bus-Problematik jedoch nicht einfach abwälzen, meinen die Eltern.

Dass sie verantwortlich seien, dass ihre Kinder in der Schule erscheinen, sei den Eltern ebenfalls unmissverständlich klar gemacht worden. So bestätigt Heinz-Gerd Maikranz von der Stadt Meinerzhagen auch: „Die Erziehungsberechtigten haben dafür Sorge zu tragen.“

Ihre Kinder zu Fuß über den einsamen Host-Weg nach Valbert zu schicken, steht für die Betroffenen außer Frage. Zumindest der Rückweg führt fast ausnahmslos steil bergauf – mit einem Sieben-Kilo-Tornister auf dem Rücken sei dies für Grundschüler kaum zumutbar. Vielmehr befürchten die Eltern zudem die Verkehrsgefährdung.

Der Weg werde aufgrund der Baustelle von vielen Autofahrern als Ausweichstrecke genutzt, der Verkehr habe stark zugenommen. Auch Lastwagen seien auf der engen unbefestigten Straße unterwegs. „Für die Schüler ist das viel zu gefährlich“, sind sich die Eltern einig. Im Dorf verkehre auch ein ALF-Bus (ALF steht für „Anruf-Linien-Fahrten“, diese sind nach telefonischer Vorbestellung möglich). Dieser starte seine erste Fahrt allerdings erst um 8.50 Uhr – zu spät für die Schüler.

Busfahrkarten haben die Wilkenberger Kinder derzeit ohnehin nicht – sie seien eingesammelt worden. Die meisten Eltern haben inzwischen Fahrgemeinschaften organisiert. „Die Stadt hat für diese elterlichen Fahrgemeinschaften zusätzlich und überobligatorisch Wegstreckenentschädigungen angeboten“, so Heinz-Gerd Maikranz auf Nachfrage.

Vier, fünf Mütter sind morgens und mittags immer unterwegs, um den Nachwuchs zu fahren. Abgesehen vom Zeitaufwand sei ein Problem, dass die Schüler mittags natürlich zu unterschiedlichen Zeiten Schulschluss hätten, erklärt Cora Soennecken. „Und wenn es noch jüngere Geschwisterkinder gibt, die mitgenommen werden müssen, ist ein Auto schnell voll.“

Große Schwierigkeiten bedeutet der Busausfall auch für Anja und Frank Göken. Ihr Sohn besucht die Sekundarschule – und je nach Arbeitszeit von Frank Göken gibt es täglich ein Hin- beziehungsweise Rückfahrproblem. „Gelöst“ hat die Familie die Schwierigkeiten mithilfe eines Bekannten, der Fahrdienste übernimmt. Ihr Sohn nehme derzeit nicht am Nachmittagsunterricht teil, diese Regelung sei mit der Schule getroffen worden, um den Heimweg gewährleisten zu können. Das gehe natürlich zu Lasten des Sohnes, der den Schulstoff nachholen müsse, bedauert die Familie. „Er muss leider die Konsequenzen tragen“, sorgt sich Anja Göken. 

Aus Sicht der Eltern wäre das Einsetzen eines Busses eine mögliche Lösung. „Warum das nicht passiert, wissen wir nicht. Es fühlt sich einfach keiner zuständig“, bedauern die Eltern.

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