Fachärztliche Versorgung bleibt wohl gesichert

Die medizinische Versorgung in Meinerzhagen soll so bleiben, wie sie ist.

MEINERZHAGEN ▪ Zwei Fachärzte schließen in Meinerzhagen ihre Praxen. Doch es gibt erste Lösungsvorschläge.

Die augenärztliche Fachpraxis Dr. Michael Hees ist seit Anfang Juli geschlossen.  Die HNO-Praxis von Dr. Klaus Gansert bleibt voraussichtlich nur noch für kurze Zeit geöffnet. Beide langjährig hier praktizierenden Mediziner gehen in Ruhestand. In der Meinerzhagener Bevölkerung macht sich derweil Besorgnis hinsichtlich der künftigen fachärztlichen Betreuung vor Ort breit. Nach Recherchen der MZ bestehen aber offenbar sehr gute Aussichten, dass es in beiden aktuellen Fällen schon bald eine Nachfolgeregelung geben wird.

„Wir sind zuversichtlich, dass wir im Rahmen unserer im Dezember vergangenen Jahres gegründeten überörtlichen fachübergreifenden Gemeinschaftspraxis schon in wenigen Wochen eine Lösung präsentieren können, mit der die fachärztliche Versorgung in Meinerzhagen in den beiden vakant werdenden Bereichen weiterhin gewährleistet werden kann.“ Das erklärte auf Anfrage unserer Zeitung der in Valbert praktizierende Allgemeinmediziner Claudius Bertram.

Auch seitens der Kassenärztlichen Vereinigung erfahre man bei den Bemühungen um eine adäquate Nachfolgeregelung kooperative Unterstützung, betont Bertram. Die Bemühungen seien so weit fortgeschritten, dass alle Beteiligten mittlerweile sehr optimistisch seien, dass es zu einem erfolgreichen Abschluss kommen werde.

Die erste überörtliche Gemeinschaftspraxis war zum Jahreswechsel gegründet worden. Beteiligt sind daran niedergelassene Kasssenärzte aus Meinerzhagen, Kierspe und Attendorn.

Deren Konzept basiert auf dem Erhalt der bisherigen Praxis-Standorte und sieht darüber hinaus die gemeinsame Nutzung von teuren Therapie- und Diagnostikgeräten sowie das dezentrale Angebot von spezialisierten Leistungen an allen zurzeit vier Standorten vor.

Mit der geplanten Übernahme der beiden Meinerzhagener Facharzt-Stellen soll die überörtliche Gemeinschaftspraxis künftig auch fachübergreifende Angebote machen können.

Dass die Bemühungen um die Wiederbesetzung von Vertragsarztpraxens Ärzte vor allem auf dem Land deutlich schwieriger geworden sind, bestätigt Christopher Schneider von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe.

Aufgrund der zurzeit noch gültigen gesetzlichen Rahmenbedingungen ergebe sich im konkreten Fall allerdings zunächst noch keine direkte Einflussmöglichkeit für die KV, verdeutlicht der Pressesprecher gegenüber unserer Zeitung. Rein rechnerisch gesehen nämlich zeige sich für das Gebiet des Märkischen Kreises in den beiden Bereichen Augenarzt sowie Hals-, Nasen-, Ohrenarzt (HNO) sogar eine Überversorgung. So gelte für das Versorgungsgebiet Märkischer Kreis im Bereich der augenärztlichen Versorgung eine Soll-Zahl von einem Arzt für 20 840 Einwohner. Konkret heiße dies: 21 kassenärztlich tätige Augenärzte würden eine einhundertprozentige Versorgung sicherstellen. Tatsächlich gebe es 25, was einen Versorgungsgrad von 117 Prozent bedeute, so Schneider. Im Bereich HNO sei es ähnlich: Für jeweils 28 605 Einwohner solle es einen niedergelassenen Facharzt geben. Das bedeute 16 Praxisstandorte. Tatsächlich seien es zurzeit 18 mit einem Versorgungsgrad von 116 Prozent.

Augenärzte knapp

Allerdings gelte in beiden Facharztbereichen: „In den beiden großen Städten Lüdenscheid und Iserlohn gibt es eine Konzentration der Facharzt-Praxen“, so Stephan. Und er weiß: Es hilft den Patienten zum Beispiel im Bereich Meinerzhagen/Kierspe wenig, wenn die Versorgung zwar rein rechnerisch sicher gestellt ist, sie aber vor Ort selbst künftig ohne Angebot sein würden und dadurch weitere Anfahrtwege in Kauf nehmen müssten. Aus diesem Grund bestehe die Möglichkeit, jeweils im Einvernehmen mit den bisherigen Praxisbetreibern eine Nachfolgeregelung auf den Weg zu bringen. Die KV sei behilflich, indem sie beispielsweise die Ausschreibung vakant werdender Praxisstellen übernehme.

Der zuständige Zulassungsausschuss der KV werde bei seiner Entscheidung neben der fachlichen Prüfung auch die besonderen Standort-Belange berücksichtigen. Konkret: Eine zwar theoretisch mögliche Übernahme einer Stelle in Meinerzhagen und deren anschließende Verlegung zum Beispiel nach Lüdenscheid würde wohl nicht genehmigt, so Stephan.

Aktuell sind nach Angaben der KV für den Märkischen Kreis drei Augenarzt-Stellen zur Wiederbesetzung ausgeschrieben. Deutlich höher ist die Zahl bei Hausarztpraxen mit zurzeit 14. Bis zur Wiederbesetzung der augenärztlichen Facharztstelle in Meinerzhagen müssen Patienten auf Mediziner in der Nachbarschaft ausweichen. Augenärzte gibt es unter anderem in Halver, Lüdenscheid, Attendorn, Olpe und Gummersbach.

Die Dienste der Ambulanz in der Augenklinik in Lüdenscheid können von Kassenpatienten, wie der Meinerzhagener Ärztesprecher Norbert Kison klar stellt, nur eingeschränkt in Anspruch genommen werden. Nämlich nur dann, wenn zuvor eine fachärztliche Überweisung zur ambulanten oder stationären Weiterbehandlung ausgestellt wurde.

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