Ärzte bleiben Top-Thema in Meinerzhagen

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Durch das Gesundheitszentrum „Multimedicum“ gelang es, eine „überörtliche Gemeinschaftspraxis“ einzurichten. HNO- oder Augenärzte sind dort allerdings nicht zu finden.

Meinerzhagen - Es ist derzeit das wohl am häufigsten diskutierte Thema Meinerzhagens: Der (Fach-)Ärztemangel beschäftigt die Bürger – und dies brachten bislang mehr als 700 von ihnen mit einer Unterschrift zum Ausdruck. Wenige Tage nach Start ihrer Unterschriftenaktion berichtete die heimische CDU am Dienstag von einer „großartigen Resonanz“.

„Und die Listen, die in den Geschäften liegen, sind noch gar nicht eingerechnet“, sagt Stadtverbandsvorsitzender Thorsten Stracke. Dabei sind die Christdemokraten nicht die einzigen Akteure, die sich um eine Lösung des Problems bemühen.

Die Zahl der enttäuschten bis empörten Bürger ist groß. Einige wollen sich mit der Rolle des Beobachters jedoch nicht abfinden und ergreifen stattdessen selbst die Initiative. Wie etwa Eduard Mertens, der im Namen der von ihm gegründeten „Bürgerinitiative Meinerzhagen“ für die Sache kämpft. Und zwar intensiv, wie ein aktueller Schriftwechsel mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) belegt: Nach einer Beschwerde Mertens über das Vorgehen der Vereinigung erhielt der Meinerzhagener ein Schreiben des 2. Vorsitzenden Dr. Gerhard Nockemann, in dem dieser betont, dass die KVWL mit „hohem Ressourceneinsatz“ an der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung arbeite. Auf die Verteilung der Arztsitze im Kreisgebiet habe die KVWL nur bedingte Einflussmöglichkeiten. Derzeit gehe es aber vor allem darum, eine hausärztliche Unterversorgung abzuwenden. „Sofern Fachärzte aus Nachbarorten bereit sind, in Meinerzhagen Zweigpraxen zu betreiben, kann hierzu eine Genehmigung erteilt werden“, heißt es weiter. Ob dies allerdings attraktiv für Ärzte sei, hänge auch von den Bedingungen vor Ort ab.

Doch nicht nur diese Bedingungen, sondern auch das Konstrukt der Zweigstelle scheint für Mediziner unattraktiv zu sein, wie eine weitere engagierte Meinerzhagenerin berichtet: Seit September des vergangenen Jahres bemüht sich Giesela Sziegoleit um die Ansiedlung eines HNO- oder Augenarztes. Dabei ist die 85-Jährige selbst von der Problematik betroffen. Erst am Dienstag musste sie die Fahrt nach Lüdenscheid auf sich nehmen, um sich dort behandeln zu lassen. „Nun habe ich selbst einen Behindertenausweis, durch den mir die Fahrten bezahlt werden. Aber es gibt genug Rentner, die sich diese Fahrten nicht leisten können – und für die der Besuch einer Praxis eine echte Tagesreise sein kann“, betont Sziegoleit, die sich bereits an das Bundesgesundheitsministerium und die Ärztekammer gewendet hat. „Aber in den Antwortschreiben wurde nur das Bedauern für die Situation ausgesprochen.“ Die Eröffnung einer Zweigstelle sei für Ärzte unattraktiv, „da sie von den Krankenkassen nur feste Kontingente für Rezepte bekommen“. Dieses Kontingent würde aber mit einer weiteren Praxis nicht wachsen, wie Giesela Sziegoleit im Gespräch mit einer Medizinerin erfahren hat.

Währenddessen bemüht sich auch Valberts Ortsvorsteher Fred Oehm um eine Lösung des Ärzte-Problems. Und zwar auf seine Weise: Er schlägt vor, das Wissen der medizinisch ausgebildeten Flüchtlinge zu nutzen, die derzeit auf Asyl in Deutschland hoffen. „Laut Statistik haben von den hier gemeldeten Flüchtlingen 20 Prozent eine abgeschlossene medizinische Ausbildung, etliche haben vor Jahren in Deutschland studiert. Warum liegt ein so nötig gebrauchtes ,Kapital´ brach?“, fragt Oehm, der sich nun an Flüchtlingsunterkünfte wenden will. Sollten die bürokratische Hürden zu hoch sein, werde der Ärztemangel nicht zu beheben sein, befürchtet er. „Dann kann es nur heißen: Armes Deutschland – der Amtsschimmel hat über den medizinischen Mangel in Deutschland gesiegt.“ - von Frank Zacharias

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