Gut für die Natur

Regen und Kälte – besser geht’s nicht

Biologe Klaus Kraatz trotzt in der Grundlosen dem Schmuddelwetter. Er hat neue Pegel installiert, die den Wasserstand dokumentieren.
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Biologe Klaus Kraatz trotzt in der Grundlosen dem Schmuddelwetter. Er hat neue Pegel installiert, die den Wasserstand dokumentieren.

Temperaturen wie an lauen Wintertagen, Regen satt, Nebel. „Das ist erst einmal positiv“, findet Klaus Kraatz.

Meinerzhagen – Der Biologe des Märkischen Kreises hat persönlich nichts gegen Sonne und Wärme. Rein beruflich allerdings freut er sich, wenn er aus dem Fenster schaut und ein Regenschauer den anderen ablöst, wie zurzeit. Denn: Zum Betätigungsfeld von Kraatz gehören auch die Ebbemoore. Und die könnten Hitze und Dürre nun wirklich nicht vertragen, nachdem der Wasserstand in diesen sensiblen Schutzgebieten in den vergangenen Jahren dramatisch abgesunken ist.

Neue Pegel installiert

Klaus Kraatz hat in den Ebbemooren Pegeln „versenkt“, die er mithilfe eines Laptops auslesen kann. Immer wieder muss er so feststellen, dass beispielsweise der Grundlosen das Wasser ausgeht. Nachdem der Biologe im März neue Pegel installiert hat, gibt es noch keine aktuellen Daten. Der Regen, da ist sich der Experte sicher, tut den heimischen Mooren allerdings sehr gut. „Das Wetter ist klasse“, betont er. Entwarnung kann er allerdings noch nicht geben. Denn: Beim Einbau der Pegel hat er festgestellt, dass in einigen Bereichen das Torfmoos an der Oberfläche bereits abgestorben ist. Auf dem Torfkörper sind diese Pflanzen teilweise tot. „Das dokumentiert die langen Trockenphasen der vergangenen Jahre. Ich hoffe jetzt, dass sich die Moose von selbst wieder ansiedeln werden“, setzt Kraatz auf die Selbstheilungskräfte der Natur – und auf die Fortdauer des „Hundewetters“.

Moore in einer Grenzregion

Die große Frage, die auch den Fachmann aus dem Lüdenscheider Kreishaus umtreibt, lautet allerdings: Wie geht es weiter mit der Grundlosen, der Wilden Wiese oder dem Wolfsbruch? Auch Klaus Kraatz kann das nicht genau vorhersagen. Er weiß allerdings: „Unsere heimischen Moore im Ebbe liegen in einer Grenzregion, wo es gerade noch zu Moorbildung kommen kann. Das liegt an Faktoren wie genügendem Niederschlag und der Höhenlage. Eigentlich sind 500 Meter über dem Meeresspiegel, wie im Ebbe, zu niedrig. Für diese Hangquellmoore ist das wirklich die unterste Grenze“, erklärt der Biologe. Er hält den Temperaturanstieg deshalb auch für problematisch. Wird es stetig immer wärmer, steigt der Stress für die Moore. Ausgang ungewiss. Und daher freut sich Klaus Kraatz erst einmal über die guten Tage in diesem Frühjahr: „Nebel, Regen und Kälte. Das sind super Bedingungen.“

Borkenkäfer schwärmen nicht aus

Des einen Freud’, des anderen Leid: Während die Moore aufleben, kommen die Borkenkäfer nicht so recht auf Touren. Ihnen schmeckt die Witterung zurzeit gar nicht. Die Schädlinge schwärmen bei Temperaturen von mehr als 16 Grad aus – im Ebbe wird dieser Wert seit Wochen kaum erreicht. Matthias Borgmann, Förster vom Landesbetrieb Wald und Holz.NRW im Revier Beckerhof, sieht allerdings keinen Grund, deshalb in Euphorie zu verfallen: „Die Käfer sind da. Sie fliegen nur noch nicht. Werden die 16 Grad auch nur tageweise überschritten, schwärmen die Käfer aus. Aber keine Frage, die Witterung ist gut und sie verschafft uns Luft – auch um vom Käfer befallene Bäume aus dem Wald zu schaffen.“

Geht es nach Borgmann, müsste das Wetter noch wochenlang so bleiben, wie im Moment: „Das hat es uns bisher ermöglicht, vom letzten Tabellenplatz auf den Relegationsplatz vorzurücken. Ob wir das Entscheidungsspiel allerdings gewinnen, das ist die große Frage“, bemüht der Förster einen Vergleich aus dem Sport.

Formkurve zeigt nach oben

In der Tendenz jedenfalls zeigt die Formkurve des heimischen Waldes nach oben. „Der Regen ist gut für die neuen Pflanzen, sie zeigen dieses Jahr ein intensives Grün. Und es gibt keinen Trockenheitsstress, was auch für die alten Bestände gut ist. Wir gewinnen Zeit.“

Markus Gumpricht ist bei Wald und Holz.NRW Leiter des Forstbetriebsbezirkes Meinerzhagen. Auch er sieht positive Effekte, ausgelöst durch den kalten, nassen Frühling: „Zumindest der Oberboden ist gut durchfeuchtet. Die Verdunstung ist gering. Die Fichten können wieder Harz bilden und den Käfer so abwehren.“

Wunsch: „Regen bis zum Umfallen“

Auch für Gumpricht könnte es weiter regnen, „bis zum Umfallen“. Dann, so der Förster, würde auch der Unterboden profitieren, der noch sehr trocken sei. „Das ist auch an den oberen Bachläufen festzustellen. „In den Quellbereichen gibt es recht wenig Wasser. Der trockene Boden ist wie ein Schwamm, der Wasser aufsaugt“, hat Gumpricht festgestellt. Und aus eigener Beobachtung fügt er hinzu: „Der Grundwasserspiegel ist mächtig abgesunken. Es mussten schon Brunnen stillgelegt werden.“

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