Theater mit Tiefgang

Rund 250 Zuschauer zeigten sich sehr angetan von der schauspielerischen Leistung der Gymnasiasten.

MEINERZHAGEN ▪ Schüler der 8. Jahrgangsstufe des Evangelischen Gymnasiums bringen „Die Welle“ auf die Bühne.

Disziplin, Gemeinschaft und Aktion, drei Begriffe, deren Bedeutung die Schüler des achten Jahrgangs des evangelischen Gymnasiums bei den Proben für das Theaterstückes „Die Welle“ hautnah erleben konnten. Sie sorgten dafür, dass 250 Zuschauer am Freitagabend die gelungene Aufführung eines Stückes miterleben konnten, das das Experiment eines Lehrers aufgreift, dass tatsächlich an einer kalifornischen Schule stattfand und später die Vorlage für einen Roman sowie erfolgreiche Filme und Theaterinszenierungen war.

So viele Zuschauer hatte man an diesem Abend angesichts des heißen Wetters und der Problematik des Stückes gar nicht erwartet. Ging es doch um die Frage, wie es möglich war, dass die Greueltaten des Dritten Reiches nahezu ohne Widerstand der Bevölkerung geschehen konnten, die sich sogar daran beteiligte oder sie duldete und menschenverachtenden Parolen Beifall zollte. Im Rahmen der Differenzierungskurse hatten sich 25 Schüler mit der Problematik, wie autoritäre gesellschaftliche Strukturen entstehen können, beschäftigt.

Das Stück, das sie mit sichtlicher Begeisterung auf die Bühne brachten, zeigt, wie der Lehrer Mr. Ross seinen flippigen Schülern mit Disziplin Halt(ung) gibt, mit Gemeinschaftsgeist persönliche Sehnsüchte und Defizite füllt, und sie zur Bewegung „Die Welle“ zusammenschweißt. Eine Welle, die ihn selbst fast überrollt, denn auch er ist anfällig für die Verführung der Macht, die ihm seine Rolle verleiht. Die Welle überrollt alles, was sich ihr entgegenstellt, alles Sperrige, Individuelle, und stutzt es auch mit Gewalt auf die gewünschte Norm zurück. Sie erfasst auch Lorie, eine Schülerin, die die Verantwortung für das eigene Handeln nicht abgeben will, sich gegen Uniformierung wehrt und es sich auch weiterhin gestattet selbst zu denken, eigene Entscheidungen zu treffen. Doch Lorie leistet Widerstand, gewinnt in ihrem Freund David einen Verbündeten, und schließlich gelingt es beiden, den Lehrer zu einem Abbruch des Experimentes zu bewegen.

Mit dem Versprechen, ihnen den Führer vorzustellen, der nun an der Spitze der Bewegung stehen soll, die sich Disziplin, Gemeinschaft und Aktion auf die Fahne geschrieben hat, ruft Mr. Ross die Schüler zusammen. Was sie zu sehen bekommen, ist ein Bild Adolf Hitlers und die ganz persönlich beschämende Einsicht, dass faschistische gesellschaftliche Strukturen auch heute immer und überall wieder entstehen können. Das Engagement der Gymnasiasten war mitreißend bei dieser Aufführung, die gemeinsam mit den Lehrern Thomas Erdmann und Christian Erdmann erarbeitet worden war. Damit alle 25 Schüler auf der Bühne dabei sein konnten, wechselten die Darsteller der einzelnen Rollen im zweiten Teil.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare