Theater AG begeistert mit „Wenn nichts bleibt?“

Mit der Eigenproduktion „Wenn nichts bleibt?“ hat sich die Theater AG des evangelischen Gymnasiums selbst übertroffen. Stehend applaudierte das Publikum bei der Premiere am Freitagabend.  - Fotos: Müller

Meinerzhagen -  Mit minutenlangem Applaus, stehend gespendet, bekundete das Publikum seine Hochachtung vor den Schauspielern und der kongenialen Technikcrew der Theater AG des evangelischen Gymnasiums, die am Freitagabend ihr neues Stück „Wenn nichts bleibt?“ vorstellte.

Bereits mit ihrem Stück „Macht Sinn“ hatten die Schülerinnen und Schüler hohes Niveau bewiesen. Mit ihrer neuen Eigenproduktion haben sie sich noch einmal selbst übertroffen.

Temporeich und leidenschaftlich ist ihr Spiel, das nicht selten auch im Zuschauerraum stattfindet und auch immer ganz nah am Publikum ist. Nur wenige Requisiten kommen zum Einsatz. Mit zahlreichen Pappkartons wird das Bühnenbild in kürzester Zeit verändert, werden Grenzen gesetzt und geöffnet. Video-, Musik-, Wort und Toneinspielungen sorgen für weitere Bühneneffekte, verdichten die Atmosphäre.

Eigentlich könnte man optimistisch in die Zukunft schauen in unserer schönen neuen Welt, in der es uns besser geht als je zuvor und in der vermeintlich jedem alle Möglichkeiten offenstehen und alles jederzeit erhältlich ist. Doch welcher Preis muss bezahlt werden um dazuzugehören, für ein Stück vom Kuchen, für den Erfolg? Wie ist es bestellt um die persönliche (Entscheidungs-)Freiheit? Ein Jahr lang beschäftigten die 18 Mitglieder der Theater AG aus den Jahrgängen 9 bis 13 unter der Leitung von Thomas Erdmann diese Fragen. Die Antworten, die sie in ihrem Stück präsentieren, zeichnen ein beunruhigendes und beklemmendes Spiegelbild unserer Gesellschaft. „Show that you are not afraid - Zeig´ dass du keine Angst hast“ fordern Plakate am Bühnenrand – im Verlauf der Aufführung eine Herausforderung für so manchen Zuschauer. Gänsehaut wird spürbar. „Optimierung“ – und zwar in jeder Beziehung – ist heute das Ziel. Da bleibt keine Zeit für Visionen und Träume, auch nicht fürs Denken. Der Wert eines Menschen misst sich an seiner Flexibilität und Funktionalität, und der Druck wächst.

Politische und wirtschaftliche Strukturen werden immer unübersichtlicher. Wem kann man noch vertrauen? „Volksvertreter vertreten das Volk genau so wenig, wie Zitronenfalter Zitronen falten,“ „Nationen werden ins Elend spekuliert, Menschen durch Wetten um Wasser und Brot gebracht. Verantwortlich ist dafür allein der Markt – also niemand.“ Was ist wahr, was real? Die Medien berichten von Krisen, fördern Angst und Nervosität, bereiten den Weg für „Problemlösungen“ der Macher, erfinden das Leben.

"Wenn nichts bleibt?": Eigenproduktion voller Erfolg

Wer die Regeln befolgt und ins Raster passt hat Erfolg, wird belohnt, findet Halt, Identität und moralische Werte durch Konsum: „Die neue Sportschuhreihe steht für Freiheit und den Kampf gegen Ungerechtigkeit“. Slogans statt Inhalt. Dafür werden persönliche Daten preisgegeben. Der „gläserne“ zerbrechliche Mensch begegnet seinem digitalen unsterblichen Zwilling. Der Kontakt zur Außenwelt findet im Internet statt. Das Hoffnung gebende „Spiel“ heißt Facebook, Twitter: „Es ist eben nicht nur alles Gedaddel. Es ist oft genug nichts Geringeres als unser Leben.“

Und mehr wird hier übrigens nicht verraten, denn der Premiere folgen zwei weitere Vorstellungen am kommenden Mittwoch, 2. April, und am Samstag, 5. April, jeweils ab 19.30 Uhr in der Aula des Gymnasiums. Am besten macht sich jeder selbst ein Bild von der bewundernswerten Leistung der Theater AG. Ihr Stück hat in einer Gesellschaft, in der Bewertungen Trumpf sind, sicher die Note 1 verdient. - luka

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