EGM: „Wir haben versucht, auf G8 zu reagieren“

Eckhard Kessler ist stellvertretender Schulleiter am EGM.

Meinerzhagen - Acht- oder neunjährige Gymnasialzeit? Die Fronten zwischen den Lagern scheinen verhärtet zu sein. Als direkt betroffene Einrichtung vor Ort befindet sich das Evangelische Gymnasium mitten drin in dieser Diskussion. Vereinnahmen lassen will sich die Schule freilich nicht, jedoch plädiert Eckhard Kessler, stellvertretender Schulleiter, für eine sachliche Debatte – die auch die Bemühungen des EGM berücksichtigt.

Von Frank Zacharias

„Wir haben von Beginn an versucht, auf G8 zu reagieren“, erklärte Kessler auf Anfrage der MZ. Als Konsequenz aus dem geänderten Lehrplan setzte das Gymnasium etwa auf einstündige statt nur 45-minütige Unterrichtseinheiten. So habe der Stundenplan entzerrt und ein allzu häufiger Wechsel von einem Fach zum anderen am Tag verhindert werden können. Lehrpläne seien außerdem vor allem in den nicht schriftlichen Fächern „entschlackt“, Förderstunden eingerichtet worden. Dabei helfen Schüler unter dem Motto „FuN“ (Fördern und Nachhilfe) ihren Mitschülern als ausgebildete Coaches und Nachhilfelehrer. Individuelles Arbeiten sei außerdem beim Werkstatt-Unterricht in der Jahrgangsstufe 5 möglich, bei dem Schüler täglich eine Stunde lernen, eigenständig, frei und selbstorganisiert zu arbeiten. Zudem führe G8 zu keinerlei Einschränkungen bei Klassenfahrten, Studienfahrten oder dem Landschulheimaufenthalt.

Um die Freizeit der Schüler nach der Schule gewährleisten zu können, stehe auch das Dauerbrennerthema „Hausaufgaben“ im Kollegium unter genauer Beobachtung – mittels Einträgen in die Klassenbücher. „Jeder Lehrer ist angehalten, die erteilten Hausaufgaben dort einzutragen. Die nachfolgenden Kollegen wissen dann, welchen Maßstab sie für ihre Hausaufgaben ansetzen können.“ Während das Land eine maximale Hausaufgabenzeit von eineinhalb Stunden pro Tag empfiehlt, habe das Meinerzhagener Gymnasium die Messlatte bewusst niedriger angelegt: „Unsere Schüler sollten in der Regel in einer Stunde die Hausaufgaben erledigen können. Wir bitten die Eltern um Rückmeldung, falls das wiederholt nicht gelingt“, so Eckhard Kessler. „Wir versuchen dann natürlich, den Druck rauszunehmen.“ Die laut Landesvorgabe noch „freie“ halbe Stunde könnten die Schüler dann nutzen, um in Freiarbeit Themen zu vertiefen. Und es gibt weitere Einschränkungen in Sachen „Heimarbeit“: An einem so genannten „langen Tag“ dürften den Schülern außerdem keine Hausaufgaben für ein Fach aufgegeben werden, das bereits am nächsten Tag wieder auf dem Stundenplan steht.

Dennoch scheint die Schule für viele Mädchen und Jungen – trotz oder wegen G8 – auch abseits des Unterrichts ein beliebter Aktivitätsort zu sein. Eckhard Kessler: „Noch nie ist an unserer Schule so viel musiziert und Theater gespielt worden.“

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