Umfrage zur EM

Europameisterschaft: Meinerzhagener sagen ihre Meinung

Fußball-EM - Training Deutschland
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Jogi Löw soll bei der EM einen schönen Abgang erleben. Das wünscht Osman Batgün dem Bundestrainer. Er selbst und die Moscheegemeinde drücken nun der deutschen Mannschaft ganz fest beide Daumen.

Das Fußball-Fieber könnte endlich auch Deutschland erfassen.

Meinerzhagen – Nach dem 0:1 gegen Frankreich drohte die Stimmung zunächst zu kippen, das 4:2 gegen Portugal entfachte dann Begeisterung, die sich an diesem Mittwoch durch einen Erfolg gegen Ungarn und den Einzug ins Achtelfinale noch steigern könnte. Fühlen sich auch die Meinerzhagener an das deutsche Sommermärchen von 2006 oder die Euphorie nach dem Titelgewinn im Jahr 2014 erinnert? Was wird der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Männer jetzt zugetraut?

Petra Gossen tippt 1:0

SPD-Ratsfrau Petra Gossen verfolgt die deutschen Spiele und hat festgestellt, dass die Stimmung gerade nach einem Sieg „sehr hochgespielt wird“. Mit dem 4:2 über Portugal habe sie selbst nicht gerechnet, sagt die Valberterin. Mit Blick auf die Partie gegen Ungarn warnt die BVB-Anhängerin: „Das wird kein Selbstläufer, die Ungarn sind nicht so schlecht. Mein Tipp: Ein knappes 1:0.“ Dass die UEFA es abgelehnt hat, die Münchner Arena in Regenbogenfarben erstrahlen zu lasse, auch dazu hat Petra Gossen eine klare Meinung: „Das finde ich unmöglich. Es wäre sehr schön gewesen, ein Zeichen für Vielfalt zu setzen.“

Andreas Schmutzler lobt Fans

Polizeihauptkommissar Andreas Schmutzler, der Chef der Wache an der Oststraße, bezeichnet sich selbst nicht unbedingt als Fußballfan. Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft habe er allerdings am Fernsehen verfolgt. „Deutschland ist eine Turniermannschaft, es ist schon denkbar, dass sie den Titel holt“, sagt er. Die EM verfolgt der Polizist auch aus dem dienstlichen Blickwinkel. Und er stellt den heimischen Fans bisher ein ausgezeichnetes Zeugnis aus: „In Meinerzhagen haben sich bei den Spielen alle vorbildlich verhalten, egal welcher Nationalität. Es hat keine Zwischenfälle gegeben.“

Osman Batgün drückt Deutschland die Daumen

„Vorher haben wir der deutschen Nationalmannschaft einen Daumen ganz fest gedrückt. Jetzt drücken wir beide.“ Osman Batgün, Vorsitzender des Meinerzhagener Moscheevereines, ist natürlich traurig, dass die türkische Nationalmannschaft punktlos aus dem Turnier ausgeschieden ist. „Nun gilt die ganze Konzentration in der Gemeinde der deutschen Nationalmannschaft, der ich viel zutraue. Und ich wünsche Jogi Löw natürlich auch einen schönen Abschluss als Trainer. Das Team wird mindestens das Halbfinale erreichen“, glaubt Batgün, der als Favoriten jedoch Italien auf dem Schirm hat. Dass die Türkei so schlecht abgeschnitten hat, sorge in der Moscheegemeinde für „miese Stimmung“. Die schlechten Leistungen der türkischen Kicker führt Batgün auch auf deren Unerfahrenheit zurück: „Die Mannschaft war vom Durchschnittsalter die jüngste des Turniers. Und jetzt haut die türkische Presse auf das Team drauf. Das ist nicht richtig. Man sollte in guten und in schlechten Zeiten zur Nationalmannschaft halten. Dieses Turnier buchen wir aus türkischer Sicht unter dem Kapitel ,Erfahrungen sammeln’ ab.“

Pfarrer Kroschewski zuversichtlich

Pfarrer Peter Kroschewski hat lange im Ruhrgebiet gearbeitet: „In Essen habe ich nahe am Stadion an der Hafenstraße gewohnt, in Meiderich war ich Diakon“, berichtet der Geistliche, der also in seinem Leben einen direkten Bezug zu den Traditionsklubs Rot-Weiß Essen und MSV Duisburg vorweisen kann. Als großen Fußballfan bezeichnet sich der katholische Geistliche allerdings nicht. Die EM verfolgt er dennoch interessiert, wie zuletzt die Partie Dänemark gegen die Türkei. Dass es in der Bevölkerung allerdings eine Turnierstimmung gibt, wie bei früheren Wettbewerben, hat Kroschewski nicht beobachtet. „Das liegt vielleicht zum Teil auch an Corona. Die Menschen haben wohl andere Dinge im Sinn“, glaubt er. Der deutschen Mannschaft traut der Meinerzhagener Pfarrer übrigens einiges zu: „Auch einen Sieg gegen Ungarn kann ich mir gut vorstellen. Das Team ist jetzt voll motiviert.“ Und noch eines findet der Geistliche „faszinierend“: „Es sind auf einmal wieder so viele Leute in den Stadien. Das kennt man gar nicht mehr.“ Dass die UEFA die Beleuchtung der Münchener Arena in Regenbogenfarben abgelehnt hat, kann Peter Kroschewski übrigens nachvollziehen: „Man sollte Politisches nicht mit dem Sport vermischen und auf solche Statements verzichten. Fußball ist halt Fußball.“

Stefanie Nesselrath hofft auf Überraschung

„Ich schaue zu, wenn Deutschland spielt. Wird es allerdings langweilig, gucke ich einfach weg oder mache etwas anderes.“ Stefanie Nesselrath ist Leiterin der Grundschule Valbert und sie würde sich nicht als Fußballfan bezeichnen. Dennoch verfolgt sie die EM und auch zum Spiel an diesem Mittwoch gegen Ungarn hat sie eine Meinung: „Das Achtelfinale würde ich der deutschen Mannschaft schon zutrauen. Und ich würde mich freuen, wenn sie mich mit dem Titelgewinn überrascht.“ Die Stimmung in der Bevölkerung ist gedämpft, aber das überrascht die Schulleiterin nicht: „Wir sind durch Corona noch nicht wieder in die alten Verhaltensmuster verfallen“, glaubt sie. Die Diskussion um die Regenbogenfarben auf Neuers Kapitänsbinde und bezüglich der Beleuchtung des Münchener Stadions kann sie nicht nachvollziehen: „Das ist für mich auch kein politisches Statement. Es geht dabei doch um Menschlichkeit und Vielfalt.“

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