„Eurofighter“ in Paris

Die bekannte Radiojournalistin Urulsa Welter besuchte am Freitag ihre Heimat und berichtete im Gespräch mit WDR-Kulturredakteur Terry Albrecht über ihre Arbeit. - Fotos: Schüller

Meinerzhagen - Bereitschaft, an sieben Tagen in der Woche schon früh morgens über die aktuelle Nachrichtenlage informiert zu sein, als Einzelkämpferin nicht nur fürs Inhaltliche, sondern auch für die technische Umsetzung verantwortlich. – Klingt nicht nach einem Traumjob? Ist aber einer. Zumindest für Ursula Welter.

Von Petra Schüller

Seit 26 Jahren als Redakteurin beim Deutschlandradio angestellt, ist sie vielen Hörern durch Deutschlandfunk-Sendungen wie „Wirtschaft am Mittag“ oder „Europa heute“ bekannt. Seit 2011 arbeitet die gebürtige Kiersperin, die ihr Abi 1981 am Evangelischen Gymnasium in Meinerzhagen machte, als Frankreich-Korrespondentin, hat ihr Büro im 16. Arrondissement, nur einen Katzensprung vom Eiffelturm entfernt. „Das war immer mein Traum“, erzählte sie den rund 30 Besuchern des Jour fixe in der Galerie Langenohl am Freitagabend. Auf Einladung des KuK-Vereins gab sie Einblick in ihren gleichermaßen fordernden wie faszinierenden Beruf. Als Gesprächspartner hatte KuK ihr einen ebenso erfahrenen Journalisten mit Meinerzhagener Wurzeln an die Seite gestellt: WDR-Kulturredakteur Dr. Terry Albrecht. Viele Jugendliche schrieben ihr Mails oder Briefe mit der Frage „Wie werde ich Auslands-Korrespondent?“, so Welter. „Einige haben ein idealisiertes Bild von der Arbeit“, hat die Journalistin amüsiert beobachtet. „Sie denken, man besuche am Montag den Louvre, treffe sich dienstags mit Gesprächspartnern im Café und am Mittwoch mit dem Präsidenten.“

Erste Eindrücke von ihrem Traumberuf sammelte Ursula Welter als Jugendliche in der Redaktion der Meinerzhagener Zeitung. „Ich habe damals sofort Feuer gefangen, jede freie Minute bei der MZ verbracht“, erinnerte sie sich schmunzelnd. In Köln studierte sie Volkswirtschaft und Politikwissenschaft, arbeitete als freie Journalistin für WDR und Deutschlandfunk, bevor sie 1988 eingestellt wurde. „Europa war mir immer eine Herzensangelegenheit“, so Welter, die unter anderem als Leiterin der Redaktion Europa- und Außenpolitik des DLF arbeitete. Diese Leidenschaft habe ihr bei den Kollegen den Spitznamen „Eurofighter“ eingebracht. Während ihrer Laufbahn wurde die engagierte Journalistin mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Welter berichtete auch von den tiefgreifenden Veränderungen in ihrem Beruf. „Früher hatte ich im Studio noch Techniker an meiner Seite, heute mische ich die Beiträge selber ab.“ „Der Tontechniker gab das erste Feedback und war damit auch eine wichtige Qualitätskontrolle.“ Mittlerweile arbeiteten Journalisten zunehmend als „Allrounder“, müssten auch die technische Seite des Berufs beherrschen. „Das kostet leider viel Zeit“, bedauerte Welter. „Zeit, die ich sonst für Recherchearbeit nutzen könnte.“ Da Deutschlandradio im Vergleich zu anderen Anstalten eine sehr schlanke Personalstruktur habe, sei sie die einzige Korrespondentin in Frankreich, erklärte Welter zum Erstaunen einiger Besucher. Interessiert nahmen die Besucher weiteres Insiderwissen der erfahrenen Journalistin auf. Sie ging auf die aktuelle politische Situation bei den europäischen Nachbarn ein und erklärte, dass die Recherchearbeit dort deutlich schwieriger sei als in Deutschland. Man müsse Geduld und gute Kontakte haben, um an die gewünschten Informationen zu kommen.

Ursula Welter lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Paris. 2016 wird sie zurück nach Köln kommen, auch darauf freut sie sich schon: „Das Rheinland ist schließlich auch ein wenig wie Frankreich.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare