Erster Schritt auf einem langen Weg

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Dreiklang der Corona-Krise an der Biertheke: Hinweisschild, Desinfektionsspray und Gästebuch.

Meinerzhagen – Die Corona-Krise ist auch die Krise nahezu sämtlicher Wirtschaftszweige. Die Lockerungsmaßnahmen in der Gastronomie sollen ein erster Schritt zurück zur Normalität sein. Der Weg dorthin dürfte allerdings noch ziemlich lang werden – das legt am Montag auch ein mittäglicher Blick in die Meinerzhagener Innenstadt nahe.

Erstmals seit März ist das Gasthaus Theile wieder für den Restaurantbetrieb geöffnet. Der dortige Mittagstisch war „vor Corona“ – an diese Zeitrechnung gilt es sich wohl oder übel zu gewöhnen – stets gut frequentiert. Auch montags, zumal der erste Tag der Woche bei den Mitbewerbern Ruhetag ist. Gestern aber herrscht im Lokal am Ende der Fußgängerzone Leere; gegen 12.20 Uhr ist lediglich ein Tisch besetzt – mit einem einzelnen Gast.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand bzw. einer davon direkt gegenüber. Nicht ansatzweise so viele Menschen wie gewohnt verlassen das Werksgelände der Firma Otto Fuchs, um im Städtchen ihre Pause zu verbringen. Homeoffice und Kurzarbeit beim größten Arbeitgeber Meinerzhagens sorgen dafür, dass den Gastronomiebetrieben zahlreiche potenzielle Kunden fehlen. „Außerdem muss alles ja auch erst mal wieder anlaufen“, sagt Ibrahim „Braco“ Mrzljak, der gemeinsam mit Hasan Mrzljak das Gasthaus Theile betreibt.

In den vergangenen Wochen haben auch die beiden Vettern nur einen Bruchteil des sonstigen Umsatzes gemacht. Die aus den Corona-Folgen resultierenden Einbußen beziffern sie auf etwa 80 Prozent. Ins Klagen verfällt das Duo freilich nicht: Durch den Abholbetrieb hat sich wenigstens etwas retten lassen, die drei festen Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Das Gasthaus Theile wird die Krise mit ein paar Schrammen überstehen.

Die in Kraft getretenen Corona-Lockerungen sieht Ibrahim Mrzljak als ersten Schritt: „Den Rest muss man sehen.“ Kegelbahn- und Thekenbetrieb sind natürlich nach wie vor tabu. Da, wo sich die Gäste sonst zuprosten, stehen und liegen das entsprechende Hinweisschild, Desinfektionsmittel und das für die Nachverfolgung etwaiger Infektionsketten wichtige Gästebuch einträchtig nebeneinander. Ein Dreiklang der anderen Art.

Weil in diesen Tagen neben Hygiene Abstand das oberste Gebot ist, ist in den Gastronomiebetrieben das Sitzplatzangebot reduziert. Das ist bei Theile genauso wie beim „Bäcker mit Herz“, dessen Inhaber Christian Räbsch sowohl im Café als auch im Außenbereich einige Tische entfernt hat. Wie sich das auf Dauer auswirken wird – kellnerndes Personal wird schließlich auch bei verringerter Bestuhlung benötigt –, bleibe abzuwarten, benennt Räbsch die am ersten Tag der Wiederöffnung noch gänzlich unbekannte Größe.

An Pollmanns Eck ist der Bäckereibetrieb während des Lockdowns weitergelaufen, mit dem To-Go-Geschäft waren Christian Räbsch und seine Ehefrau Olga nicht unzufrieden. Das ändert jedoch nichts daran, dass ihnen wichtige Säulen weggebrochen sind: Aufträge für Hochzeiten oder Kommunionen zum Beispiel oder die regelmäßige Belieferung des Halveraner Anne-Frank-Gymnasiums.

Dass die Corona-Einschränkungen seinen in Kurzarbeit befindlichen Betrieb (fünf Festangestellte) weiter begleiten werden, dessen ist sich Räbsch ziemlich sicher: „Ich glaube nicht, dass sich das so schnell ändern wird.“

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