Kegel-Turnier im Langemann-Haus

Zweite Impfwelle im Seniorenheim: Viel mehr als nur ein Funke Hoffnung

Gemeinsam kegeln – nach vielen Monaten konnten die Bewohner wieder gemeinsam etwas unternehmen.
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Gemeinsam kegeln – nach vielen Monaten konnten die Bewohner wieder gemeinsam etwas unternehmen.

„Wir sind jetzt wieder einen Schritt weiter, wir können leben, ohne Angst zu haben.“ Ingrid Papst ist Leiterin des Wilhelm-Langemann-Hauses an der Mühlenbergstraße und sie kennt ganz andere Zeiten.

Meinerzhagen - Etwa die Wochen im November und Dezember 2020, als das Corona-Virus im Haus grassierte und zwischenzeitlich mehr als 40 Bewohner und Mitarbeiterinnen an Covid-19 erkrankt waren.

Ein sicherer Ort

Inzwischen sind alle, die das wollten, zum zweiten Mal geimpft. Neuerkrankungen gibt es aktuell nicht. Dank des verabreichten Vakzins von Biontech/Pfizer ist es auch unwahrscheinlich, dass sich das Virus noch einmal in der Senioreneinrichtung an der Mühlenbergstraße ausbreitet. Damit zählt die Einrichtung des Perthes-Werkes im Hinblick auf das Infektionsrisiko wohl zu den sichersten Orten in Meinerzhagen.

Das wirkt sich auch auf die allgemeine Stimmung aus. Und so war es wenig verwunderlich, dass der Wunsch nach den lange unmöglichen gemeinsamen Aktivitäten aufkam. Den Anstoß dazu gab die 94-jährige Ursula Fischer. Die in früheren Jahren begeisterte Keglerin wandte sich nach einer Morgenandacht an Ingrid Papst: „Können wir jetzt nicht einmal zusammen kegeln?“, lautete ihre Frage.

Provisorische Kegelbahn

Gesagt, getan. Die Einrichtungsleitung ließ eine provisorische Kegelbahn bauen, organisierte Kegel und handlich Softbälle und am Donnerstagnachmittag war es dann so weit, es hieß „gut Holz“ im großen Saal, wo etwa zehn Bewohner seit langer Zeit den ersten gemeinsamen Nachmittag in bester Stimmung verbrachten – natürlich unter Einhaltung aller Hygieneregeln. „Wir gewährleisten den nötigen Abstand, tragen Masken bis zum Sitzplatz, stellen Desinfektionsspender bereit, alle Teilnehmer sind getestet und Besucher natürlich nicht zugelassen“, macht Ingrid Papst deutlich, dass trotz der Impfungen auch künftig höchste Vorsicht im Umgang miteinander nötig ist.

Sieger waren alle Teilnehmer

Bei dem kleinen Kegelturnier gab es auch Sieger. Und das waren alle, die sich zur Teilnahme entschlossen hatten. Denn: Jeder merkte schnell, dass der bedrückende Alltag mit Corona außen vor blieb. Das Lachen kehrte zurück. Für Schwermut blieb kein Platz, stattdessen wurde geflachst und angefeuert, jeder fallende Kegel löste Jubel aus. Fast wie früher. Auch Ingrid Papst machte aus ihrer Begeisterung keinen Hehl. Bei der Siegerehrung sagte sie: „Es macht einfach Spaß, wenn ich sehe, wie sich alle freuen. Nehmen Sie diese Stimmung mit in Ihren Wohnbereich.“ Und beinahe nebensächlich: Die Initiatorin Ursula Fischer belegte in der Endabrechnung Platz drei, vor ihr landeten Klaus Eckert und der Gesamtsieger Ewald Kebernik. Als besondere Überraschung hatte Ingrid Papst noch für jeden Teilnehmer eine Blume organisiert und in die Zimmer der Bewohner gestellt. Gelb und grün leuchten die Frühlingsboten – Farben der Hoffnung.

Impfung gut überstanden

Noch am Tag danach war Ursula Fischer begeistert von der Aktion: „Dadurch hatten wir auch wieder ein bisschen Bewegung. Und die Stimmung war toll.“ Vergessen kann sie die Wochen vor den Impfungen aber noch nicht: „Ohne Besuch – das war wirklich schlimm. Nur über den Balkon war es da möglich, meinen Sohn vor dem Haus einmal zu sehen.“

Dass sie sich impfen lassen würde, stand für die 94-jährige Meinerzhagenerin angesichts der großen Gefahr sofort fest: „Da musste ich überhaupt nicht überlegen. Und ich habe die Impfungen auch sehr gut überstanden. Gemerkt habe ich nichts. Und jetzt ist es einfach ein schönes Gefühl, geimpft zu sein.“

Alles auf einem guten Weg

Dass sie eine Krise wie die jetzige durchmachen muss, damit hatte Ursula Fischer niemals gerechnet: „Ich habe in meinem Leben wirklich genug erlebt. Flucht und Krieg zum Beispiel. Dass so etwas kommt, wo man doch schon den Krieg überstanden hat – unglaublich“, sagt Ursula Fischer. Aber die Seniorin blickt nun positiv gestimmt nach vorn: „Jetzt ist alles auf einem guten Weg.“

Was im Wilhelm-Langemann-Haus nun noch fehlt? Ingrid Papst lacht: „Fast allen gemeinsam ist ein Wunsch: Endlich wieder ein Besuch beim Friseur. Und das betrifft Mitarbeiter und unsere Bewohner.“ Auch in dieser Hinsicht ist aber wohl noch etwas Geduld gefragt.

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