Erfolgreiche Testbefischung in der Lister

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Die Experten vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW bei der Testbefischung. ▪

LISTERTAL ▪ „Bachforelle bis 15 Zentimeter, Koppe bis zehn Zentimeter, Aal bis 40 Zentimeter“ – mitunter im Minutentakt ergingen die Zurufe an den Protokollführer, der die genannte maximale Größe und Art des gesichteten Individuums per Strichliste erfasste.

Die vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LAVUV) durchgeführte Testbefischung des Listerbaches brachte erstaunliche Ergebnisse.

Die Behörde hat seit 2004 ein landesweites Messnetz mit 850 Probestellen eingerichtet, an denen im dreijährigen Turnus der Fischbestand untersucht wird. Mit Überwachungsprogrammen zur Erhebung und fortlaufender Beobachtung des ökologischen Zustands der Gewässer entspricht sie der Umsetzungs- und Berichtspflicht, die aus der europäischen Wasser-Rahmenrichtlinie und der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie resultiert. Zwei solcher Monitorings-Parzellen befinden sich im Zuständigkeitsbereich der Fischereigenossenschaft Meinerzhagen. Aktuell waren 300 Meter Lister-Zulauf oberhalb des Staubereiches der Talsperre, ausgehend von der Höhe Listerhalle, zu untersuchen. Dazu rückte unter der Leitung von Dipl.-Ing. Nikola Theißen ein Quartett von LANUV-Fachleuten aus Kirchhundem-Albaum an. In wasserdichter Ausrüstung, bestückt mit tragbaren Watgeräten, gingen drei so genannte Watbefischer, begleitet von dem für die Dokumentation zuständigen Kollegen, der Lister auf den Grund. Die führte wegen starker Regenfälle so viel Wasser, dass sogar die „Nebenarme“ geflutet waren.

Immer gegen die Strömung, wohldosierte Stromeinheiten ins Wasser leitend und den Kescher in Position, ging's behutsam voran. Die Elektrizität habe sowohl eine anziehende, als auch leicht narkotisierende Wirkung auf die Fische, erklärte Theißen. Die kurze Ruhigstellung ermögliche den Faktorencheck ohne Verletzungsrisiko für die Tiere. Um auch bei bewegter Wasseroberfläche den unverstellten Blick zu haben, trugen die Fischer so genannte Polaroid-Brillen; diese speziellen Sichtgeräte heben die Lichtbrechung des Wassers auf. Nach rund zwei Stunden präsentierten die Fischer ein beeindruckendes tabellarisches Ergebnis: 106 Bachforellen, darunter mit 40 Zentimentern Länge das stärkste laichfähige Exemplar, 98 Mühlkoppen, ein Barsch, zwei Kaulbarsche, eine Seeforelle, 21 Aale von 21 bis 70 Zentimetern sowie ein Neunauge im Larvenstadium, genannt Querder, wies die spezifizierte Auflistung aus. „Die Koppe ist ein Indikator für Gewässergüte“, zeigte sich Theißen beeindruckt. Erfreulich hoch sei auch die bestätigte Anzahl der in diesem Jahr geschlüpften Bachforellen. „Wie viele von ihnen im Bach bleiben, hängt von der Zahl der Unterstände ab. Die Jungfische sind anfangs noch nicht schwimmtüchtig, sie verbergen sich dann zwischen den Steinen. Je vielfältiger der Bachgrund, der Boden, die Wassertiefe, die Uferlinie, je größer die Anzahl an Steinen, desto größer ist der überlebende Bestand an Jungforellen.“

Erfreut über den natürlichen Zuwachs zeigte sich auch Alfred Hoffmann von der Fischereigenossenschaft. „Besatzmaßnahmen, wie sie früher einmal üblich waren, sind schon lange nicht mehr erlaubt.“ Dennoch verließ er den Ort mit der Faust in der Tasche: Bei der Aktion wurde ein Fall von Wilderei aktenkundig. An schwer einsehbarer Stelle, mitten in der Strömung, war eine Vorrichtung zum illegalen Fischfang aufgebaut. „Das war schon professionell“, charakterisierte das Team die Straftat. ▪ as

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