Immer mehr Urnenbestattungen

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Diese Stele des Gemeinschaftsgrabes trägt einmal die Namen der dort in Urnen Bestatteten. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Jeder Mensch hat vor Gott einen Namen.“ Detlef Trester, Leiter für das Sachgebiet „Friedhof“ beim Kreiskirchenamt des evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid/Plettenberg, ist ganz klar gegen anonyme Bestattungen.

Die gibt es auf dem evangelischen Friedhof an der Meinerzhagener Heerstraße auch nicht, doch traditionelle Erdbestattungen haben auch hier inzwischen abgenommen. Die Zahl der früher „normalen“ Beerdigungen ist heute sogar eher Ausnahme denn Regel. „Im laufenden Jahr hatten wir hier 45 Erdbestattungen aber bereits 60 Urnenbestattungen“, erläutert Trester. Anonym sind letztgenannte Ruhestätten allerdings nicht. „Wir sehen zu, dass wir immer den Namen des Verstorbenen auf einer Stele am Gemeinschaftsgrabfeld anbringen“, formuliert Trester die Vorstellungen der evangelischen Kirche. Er selbst könnte sich allerdings nicht vorstellen, die Feuerbestattung zu wählen. „Aber das ist wohl auch eine Generationenfrage.“

Konfliktpotenzial ist bei der Frage nach der Bestattungsform nach Tresters Erfahrung aber beinahe vorprogrammiert: „Oft ist es so, dass die Eltern beispielsweise die Einäscherung für sich festlegen und die Kinder das erst nach dem Tod von Vater oder Mutter erfahren.“ Dann ist der Schreck bei den Hinterbliebenen nicht selten groß. Und das hat meist einen Grund: „Grabschmuck ist auf Gemeinschaftsfeldern nicht erlaubt. Und das finden viele Angehörige nicht gut.“ Trester relativiert diese Einschränkung allerdings mit Hinweis auf die komplett anonymen Grabstätten, die meist auf kommunalen Friedhöfen zu finden sind: „Dort geht alles namenlos vonstatten. Dann sind die Angehörigen auch nicht bei der eigentlichen Bestattung dabei und sie wissen nicht, wo ihr Angehöriger liegt.“ Eine Rolle spielt dabei auch die Ansicht des Verstorbenen. Der hat zu Lebzeiten entschieden, dass sein Grab nicht aufwendig von der Familie gepflegt werden soll.

Etwa 6000 Menschen haben auf dem evangelischen Friedhof in Meinerzhagen zurzeit ihre letzte Ruhestätte. Noch nehmen hier die Einzelgräber den weitaus größten Raum ein. Sollte der Trend zur Urnenbestattung – der seit etwa 15 Jahren festzustellen ist – anhalten, dürfte sich das jedoch ändern. ▪ beil

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