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Erdbeben im MK? Mehrere Erdbeben-Messstationen zeichnen Stöße auf

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Von: Jan Schmitz

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Erdbeben in Meinerzhagen? In Hessen und NRW registrierten mehrere Erdbeben-Messstationen zeitgleich einen Ausschlag.

Meinerzhagen – Am Mittwoch registrierte eine Messstation des Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) ein Erdbeben im Bereich Meinerzhagen. Wenige Minuten später veröffentlichte das Auswertungsprogramm eine automatische Erdbebenmeldung. Demnach war es in Lengelscheid um 8.24 Uhr zu einem sehr schwachen Beben mit einer Magnitude von 1,8 gekommen. Die sensiblen Messgeräte hatten sofort angeschlagen. Für einen Menschen sind Erdbeben dagegen erst ab einer Stärke von etwa 2,5 wahrnehmbar.

Auf Nachfrage bestätigte auch der nordrhein-westfälische Erdbebendienst ein Ereignis in der Region am Mittwochmorgen. Die kontinuierlichen seismologischen Messungen der Erdbeben-Messstationen an der Sorpetalsperre, der Wahnbachtalsperre und sogar im mehr als 100 Kilometer entfernten Großhau (bei Aachen) und an der Oleftalsperre in der Eifel wiesen zeitgleich einen Ausschlag aus, der im Sauerland verortet werden konnte, wie es vom Geologischen Dienst NRW in Krefeld auf Anfrage unserer Zeitung hieß.

Die automatisch erstellte Erdbebenmeldung des Hessischen Landesamts verortete das „Epizentrum“ der Erschütterung in Lengelscheid.
Die automatisch erstellte Erdbebenmeldung des Hessischen Landesamts verortete das „Epizentrum“ der Erschütterung in Lengelscheid. © Screenshot: HLNUG.de

Die bislang stärkste Erschütterung im Märkischen Kreis ist aus Hemer dokumentiert. Hier wurde am 22. November 2008 ein Beben der Stärke 2,9 registriert. Ein Erdbeben im niederländischen Roermond in einer Tiefe von 18 Kilometern war das schwerste Erdbeben in ganz Nordrhein-Westfalen. Es hatte eine Stärke von 5,9. Im Rheinland wurden damals mehr als 30 Menschen verletzt, im Kreis Heinsberg mussten beschädigte Häuser abgerissen werden. Daraufhin war das Erdbebenkontrollnetz in der Rheinischen Bucht ausgebaut worden.

„Das Sauerland liegt weitgehend außerhalb von Erdbebenzonen. Die Erdbebengefährdung ist hier gering. Bislang sind im Sauerland keine größeren Erdbeben gemessen worden“, teilte der Geologische Dienst mit. Dort, wo die Bebenwahrscheinlichkeit schon immer geringer war, ist daher auch das Messnetz nur sehr dünn. Entsprechend groß ist die Messunsicherheit bei Ereignissen wie am Mittwoch bei Meinerzhagen. „Da das Ereignis außerhalb unseres Messnetzwerkes stattfand ist die Lokation auch mit einem erheblichen Fehler versehen und damit nur unter Vorbehalt“, teilte Dr. Benjamin Homuth vom HLNUG in Wiesbaden mit. Das gelte auch für die Stärke und Tiefe der Erschütterung, wie der Geologische Dienstes betont. Während das Seismogramm in Hessen eine Magnitude von 1,8 ergab, lagen die zeitgleichen Aufzeichnungen beim Geologischen Dienst bei nur etwa 1,6 und damit eigentlich unterhalb der Meldeschwelle. Aufgrund der geringen Stärke entfernte schließlich auch das Hessische Landesamt nach der Anfrage unserer Zeitung den Vorfall in Meinerzhagen aus seiner Erdbebenliste.

Unstrittig bleibt aber, dass es um 8.24 Uhr eine Erschütterung im Märkischen Kreis gab, die von mehreren Messstationen aufgezeichnet wurde. Bei der Suche nach der Ursache lieferten die Kurvenverläufe auf den Seismogrammen den Experten den Hinweis, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um ein natürliches Erdbeben gehandelt haben kann. Vielmehr spreche einiges für eine Sprengung zum Beispiel in einem Steinbruch in der Region, wie Benjamin Homuth deutlich machte. Diese Variante hält auch der Geologische Dienst für die wahrscheinlichste.

Die zuständige Genehmigungsbehörde für Sprengungen in Steinbrüchen ist die Bezirksregierung Arnsberg, bei Sprengungen für Straßen- und Bauvorhaben dagegen das Ordnungsamt. Wie Ursula Kissel, Sprecherin der Bezirksregierung Arnsberg, mitteilte, müssen Steinbruchbetreiber Sprengungen aber nicht einzeln genehmigen lassen. Die Genehmigung zum Sprengen ist mit der Betriebserlaubnis bereits erteilt. Allerdings habe sich ein Experte der Bezirksregierung verwundert gezeigt, dass die Kraft einer oberirdischen Sprengung in diesem Fall so stark gewesen sein soll, dass sie von den weit entfernten Messsensoren überhaupt erfasst wurde.

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